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Jeans: Margrieta Wever über Denim-Trends von früher und heute

Jeans: Margrieta Wever über Denim-Trends von früher und heute
Margrieta Wever über Jeans

Jeans-Trend der 70er, 80er und 90er

Noch bevor ich geboren wurde, also vor 1978, trug man Jeanshosen recht hoch in der Taille. Praktisch und sinnvoll, da eine Hose so bequemer und besser sitzt und die Nieren gut schützt. In den 70ern war das auch noch so. Neulich sah ich ein Doku über den 'Bee Gees' und sah, wie die Mode damals war: Die Hosen waren hoch und extrem eng.

Von Margrieta Wever

Später wurde der Schnitt wieder lockerer, dann wieder enger, und so ging das weiter. Aber die Taille blieb lange hoch geschnitten, sogar die Gesäßtaschen wurden sehr hoch angesetzt. Dann kamen die Neunziger. Der Jeansbund sackte, es wurde etwas niedriger, frecher und sportlicher - eben neu. Sogar in Zeiten der ersten 'Calvin Klein'-Kampagnen mit Kate Moss und Mark Wahlberg alias Marky Mark waren die Jeans noch sehr brav geschnitten. Sogar die Unterhosen trug man bis fast zum Bauchnabel hochgezogen. Ich spreche nicht vom Mittelalter, aber vom Anfang der Neunziger!

Danach hatte man das Gefühl, dass die Bundhöhe pro Jahr um einiges sank. So stand ich im Jahr 2000 mal in einem Club in Los Angeles, als eine junge Frau an mir vorbeilief mit einer so niedrig geschnittenen Jeans, dass man dazu keine Unterwäsche, dafür aber eine gründliche Rasur gebraucht hätte. Schön? Keineswegs.

Auch ich trage gerne hüfthohe Jeans. Ich finde sie sportlicher, schmeichelnder und im Modebild einfacher besser passend als eine Jeans mit sehr hohem Bund. Aber ich finde die Jeans auch problematisch. Mein persönliches Problem ist meine Größe: Oftmals habe ich einen Spalt frei zwischen Jeans und Shirt, da ich so groß bin. Schön? Nein.

Sollte man jeden Jeans-Trend mitmachen?

Aber auch bei anderen Frauen sind Hüftjeans nicht immer schön. Da sie so niedrig geschnitten sind, müssen sie eng sitzen und brauchen oft einen Gürtel, damit sie nicht rutschen. Und da liegt das eigentliche Problem: Hüftjeans lassen den Hüftspeck - sogar den nicht vorhandenen - über den Bund quillen und akzentuieren ihn sogar, der Gürtel tut sein Übriges. So zieren junge Mädchen mit Traumfiguren und trotzdem unproportionierten Speckwülstchen unser Stadtbild. Was für eine Sünde, so viel weibliche Schönheit falsch präsentiert! Schön? Niemals.

Nun, es gibt ja eine Gegenbewegung, der ich aber auch nicht zujubele. Vor allem im Sommer sieht man es bei den It-Girls dieser Welt: Jeans, die in der Taille sitzen und am liebsten viel zu kurz abgeschnitten sind. Ui, wie Retro! Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich klatschen oder heulen soll. Ja, sie verstecken - nicht vorhandenen - Hüftspeck, ja, sie sind bequemer, strecken Beine optisch schön lang und wirken schmeichelnder für die Figur. Aber schön? Nö.

Immerhin gibt es endlich mal wieder eine Bewegung in der Bundhöhe unserer Hosen. Und ich bejubele, dass sie etwas höher werden, schmeichelnder, bequemer, femininer. Das gibt uns auch wieder einen guten Grund, die Jeans im Kleiderschrank kritisch anzuschauen, auszusortieren und neue zu kaufen. Natürlich mit höherem Bund. Schön? Ja!

Eure Margrieta

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