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Jahrbuch Sucht 2014: 1,5 Millionen Deutsche medikamentensüchtig

Tablettensucht ist deutlich gestiegen
1,5 Millionen Menschen in Deutschland sind medikamentensüchtig. © K.- P. Adler - Fotolia

1,5 Millionen Deutsche sind medikamentensüchtig

In Deutschland leiden über 1,5 Millionen Menschen an Tablettensucht. Anderen Schätzungen zufolge sogar bis zu 1,9 Millionen Menschen - und die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein. Das geht aus dem Bericht des Jahrbuches Sucht 2014 mit den Daten der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) hervor.

Am häufigsten werden Schlafmittel aus der Familie Benzodiazepine, Angstlöser und Medikamente gegen Entzugserscheinungen konsumiert. Schätzungsweise 1,1 bis 1,2 Millionen Deutsche sind abhängig von Benzodiazepinen, weitere 300.000 bis 400.000 von anderen Arzenimitteln.

Dem Jahrbuch zufolge hätten vier bis fünf Prozent aller verordneten Medikamente Suchtpotential, so die Autoren. Weiterhin müsse davon ausgegangen werden, dass schätzungsweise ein Drittel dieser Mittel nicht wegen akuter Probleme, sondern zur Vermeidung von Entzugserscheinungen und Suchterhaltung verordnet werde. Darüber hinaus verweist der Report auf eine weitere Besonderheit. Während in den vergangenen Jahren weniger Benzodiazepin-Präparate verordnet wurden, verzeichnen Internetbestellungen und Privatrezepte einen deutlichen Anstieg.

Alkohol- und Tabakkonsum stagniert auf hohem Niveau

Ähnlich sieht es bei den Suchtmitteln Alkohol und Tabak aus. 2012 tranken die Deutschen mit 9,5 Liter reinem Alkohol nur geringfügig weniger als im Jahr zuvor. Am liebsten Bier und Wein, wobei sich die Vorliebe der Bundesbürger leicht von Bier auf Wein verlagert hat. Dennoch macht weiterhin rund 53,1% des Gesamtkonsums Bier und 23,5 % Wein aus. Zudem sind 1,8 Millionen Menschen in Deutschland alkoholabhängig.

Berechnungen der DHS zufolge stirbt in Deutschland alle sieben Minuten ein Mensch an den Folgen des Alkoholkonsums oder aufgrund der Kombination aus übermäßigem Rauchen und Trinken. Im Jahr sind das etwa 74.000 Todesfälle. Aus dem Bericht geht außerdem hervor, dass Tabak nach wie vor auf Platz eins der Gründe für vorzeitiges Sterben liegt. Obwohl die Zahlen seit einigen Jahren rückläufig sind, ist der Anteil der Raucher im Alter von 18-29 Jahren am höchsten, so die DHS. An den Folgen des Rauchens sterben zudem jedes Jahr bis zu 120.000 Menschen.

Um der Suchtproblematik entgegen zu wirken, fordert die DHS stärkere Präventionsmaßnahmen. In erster Linie gilt die Verantwortung Ärzten und Fachleuten, Patienten und Patientinnen vor Missbrauch und Abhängigkeit zu schützen. Aber auch auf politischer Ebene müsse im Bereich der Prävention deutlich mehr geleistet werden, so die Autoren.

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