Ist Beate Zschäpe Co-Autorin des NSU-Manifestes?

Sprachwissenschaftler sehen "hohe Wahrscheinlichkeit"

Die Bilder gleichen sich, immer wieder werden sie auf die Leinwände im Gerichtssaal geworfen: Blutlachen auf dem Boden, Einschusslöcher, Patronenhülsen, Schusswunden auf bleicher, toter Haut. Mord für Mord, Foto um Foto arbeitet das Oberlandesgericht München die Anschläge des 'Nationalsozialistischen Untergrunds' (NSU) auf. Aus vielen Indizien versucht die Anklage bislang, eine Mittäterschaft von Beate Zschäpe an den Anschlägen herzuleiten. Nun könnte ein Gutachten, das der 'stern' in Auftrag gegeben hat, diese untermauern.

Zschäpe Co-Autorin des NSU-Manifestes?
Zwei Sprachwissenschaftler gehen davon aus, dass Beate Zschäpe Co-Autorin des NSU-Manifestes war, das die Verbrechen der Terrorgruppe ideologisch untermauern sollte. © dpa, Marc Müller

Wie das Magazin in seiner neuen Ausgabe berichtet, liegt der Verdacht nahe, dass Zschäpe die Mordserie ideologisch mitgetragen hat. Zwei vom 'stern' beauftragte Sprachwissenschaftler sehen "mit hoher Wahrscheinlichkeit" Zschäpe als Co-Autorin des NSU-Manifestes. Für ihr forensisch-linguistisches Gutachten analysierten die beiden Wissenschaftler unabhängig voneinander Sprache, Stil und charakteristische Fehler in dem Manifest und in Briefen von Zschäpe und Uwe Mundlos und stellten zahlreiche Übereinstimmungen fest.

Mit-Autorenschaft: Die Argumente der Wissenschaftler

Die beiden Sprachwissenschaftler baten darum, ihre Namen nicht zu nennen - aus Angst vor der rechtsradikalen Szene. In ihren Gutachten argumentieren sie sowohl mit individuellen Fehlern in Orthographie und Grammatik, als auch mit Auffälligkeiten in Sprache und Stil.

Im Einzelnen führen sie die von Beate Zschäpe gern gebrauchte doppelte Verneinung an. Sie verweisen auch auf ihren Lieblingsausdruck "gegenüber" und die "handelt es sich"-Konstruktion - beides taucht auch im Manifest auf. Und ihnen fielen "hyperkorrekte Flexionssilben" auf: Zschäpe schreibt "eines Einkaufes" und nicht "eines Einkaufs". Im Manifest findet sich auch diese stilistische Eigenart wieder. Auf Zschäpes Autorenschaft weisen, so analysierten die beiden Wissenschaftler, auch falsch platzierte Leerzeichen hin, die sogenannten Spatien.

Das Manifest, ein Aufruf zu Radikalität und Konsequenz, wurde 2002 auf einer Festplatte abgespeichert. Zu jener Zeit hatte der NSU bereits vier Menschen umgebracht und mehrere Banken überfallen. Zschäpe, Mundlos und Uwe Böhnhardt lebten damals seit vier Jahren im Untergrund.

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