Iran: Frauen werden aus den Universitäten verbannt

Iranische Frauen sollen nicht mehr studieren. 77 Studienfächer sind für Frauen nun verboten
Iranische Frauen sollen nicht mehr studieren. 77 Studienfächer sind für Frauen nun verboten © picture-alliance / dpa, AFP Baz

Kein Studium für Frauen im Iran?

Dass Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad einen sehr eigenen Kopf hat, beweist er der Welt immer wieder gern mit seltsamen Ideen und Behauptungen. Die iranische Bevölkerung stand bislang dennoch meist hinter ihm. Doch seine neueste Aktion erregt sogar unter Konservativen Unmut: Ahmadinedschad verweigert jungen Frauen nun den Zugang zu etlichen Studienfächern.

Von Merle Wuttke

Der Iran ist ein junges Land, siebzig Prozent der Bevölkerung ist unter 27 Jahre alt. Solch ein Bevölkerungsschnitt ist eigentlich ein Glücksfall, denn junge Menschen wollen lernen, sich weiterbilden, etwas bewegen - für ihr Land. Besonders die jungen Frauen sehen ihre Zukunft schon lange nicht mehr als Heimchen am Herd, das brav für die Familie sorgt, sondern wollen vorankommen, ohne dafür zwangsläufig ihre Heimat verlassen zu müssen. Da verwundert es auch nicht, dass von den 3,5 Millionen iranischen Studenten zwei Millionen Frauen sind - bis jetzt. Diese Zahl könnte sich demnächst drastisch reduzieren, denn die iranische Regierung hat zu Beginn des neues Semesters eine Vielzahl von Studiengängen für Frauen "gesperrt".

Mächtige Männer fürchten kluge Frauen

Heraus kam das erst jetzt, wohlwissend, dass diese Entscheidung Proteste nach sich ziehen würde: Denn die Frauen im Iran halten schon länger nicht mehr einfach den Mund, sind sehr aktiv in der Frauenbewegung. Nun erhalten sie sogar Unterstützung durch konservative Kreise. Zwar gab es schon immer Fächer, die Frauen nicht oder nur an wenigen Hochschulen studieren durften, Maschinenbau etwa oder Wirtschaft. Jetzt kommen aber Fächer wie Chemie, Politik oder sogar Erziehung hinzu.

Insgesamt sind 77 Studiengänge an verschiedenen Universitäten betroffen. Damit hält die Regierung einen Großteil der jungen Frauen ab sofort aus den Unis heraus und somit fern von Bildung. Denn wie man weiß: Kluge Frauen lassen sich nicht vorschreiben, wie sie zu leben haben. Kluge Frauen bekommen spät oder gar keine Kinder. Kluge Frauen sind eine Gefahr für Männer.

Das weiß auch Ahmadinedschad und seine geistliche Mullah-Riege, weshalb sie jetzt versuchen, der Emanzipation der iranischen Frauen den Zahn zu ziehen. Bei den Demonstrationen vor drei Jahren gingen Frauen wie Männer noch gleichberechtigt auf die Straße - bleibt zu hoffen, dass sie sich jetzt wieder mit ihren männlichen Kommilitonen zusammenschließen und lautstark gegen die Neuregelung protestieren.

Langfristig wird die iranische Regierung wahrscheinlich ohnehin damit leben müssen, dass das Patriarchat im Land und die streng religiösen Strukturen sich immer weiter auflösen - das zeigen die Umbrüche in den Nachbar- bzw. anderen islamischen Staaten. Klüger wäre es, den Frauen schon jetzt mehr politische und gesellschaftliche Beteiligung zuzugestehen, statt sie auf die Mutterrolle zu reduzieren. Doch vorausschauendes Handeln ist den meisten Männern, vor allem denen an der Macht, ja leider oft fremd.

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