Irak: Giftgasanschlag auf Halabdscha jährt sich zum 25. Mal

16.03.13 11:46
1988 Halabdscha Giftgas
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Die erschreckende Bilanz: 5.000 Tote, 10.000 Verletzte

5.000 Tote, bis zu 10.000 Verletzte: Heute jährt sich der Giftgasangriff auf die kurdische Stadt Halabdscha im Irak zum 25. Mal. Es bleibt bis heute der schlimmste Anschlag auf die Zivilgesellschaft seit dem zweiten Weltkrieg. Noch heute leiden die Menschen unter Nervenlähmungen, Tumoren, Lungenschäden und sogar Fehlgeburten. Mit dem Angriff wollte der irakische Diktator Saddam Hussein seinen Machtanspruch durchsetzen.

Mehrere Kampfflugzeuge warfen Sprengsätze mit Senfgas, Tränengas und Nervengas über der 80.000-Einwohner-Stadt ab. Die Regierung vermutete kurdische Unabhängigkeitskämpfer der Peschmergas in Halabdscha. Sie hatten sich in den Krieg zwischen Irak und dem Nachbarland Iran eingemischt, und noch schlimmer, sich auf die iranische Seite geschlagen.

Um 11 Uhr stiegen die ersten Rauchsäulen auf – erst weiße und schwarze, später dann gelbe. Der Angriff dauerte 45 Minuten. Augenzeugen zufolge gab es kein Entrinnen. Auf der Straße und in den eigenen Häusern: überall erstickten Tiere und Menschen. Wer überlebte, leidet bis heute an den körperlichen und seelischen Folgen. Die Leben vieler Opfer werden noch heute durch Krankheiten wie Asthma, Leukämie, Trisomie und Krebs beeinträchtigt. Betroffene flohen nach dem Anschlag über die Berge in iranische Flüchtlingslager und blieben dort teilweise mehrere Jahre.

Auch in den umliegenden Dörfern sind die Spuren der Zerstörung immer noch sichtbar. In vielen Dörfern gibt es keine befestigte Straße. Dennoch sind mittlerweile viele Anwohner zurückgekehrt. Die meisten Toten wurden in Massengräbern bestattet.

Hunderte Kurden setzen Denkmal in Brand

Am 18. März wird die 'Organisation der nicht-repräsentierten Nationen und Völker' (UNPO) eine Konferenz über die Anerkennung des Irakisch-Kurdischen Völkermordes vor 25 Jahren halten und den Opfern des Anschlags gedenken.

Im März 2003 baute die Stadt das Halabdscha-Monument. Bei den Feierlichkeiten am 16. März demonstrierten hunderte Kurden und Angehörige der damaligen Opfer, und forderten finanzielle Entschädigung und bessere Sozialhilfe. Die Protestanten drangen in das Monument ein und setzten es in Brand. Bei den Verwüstungen verbrannten rund fünfundneunzig Prozent der Ausstellungsstücke. Laut 'BBC' wurde in dem Gedränge ein 14-jähriger Junge von Sicherheitskräften erschossen – rund acht Menschen wurden verletzt.

Noch heute leiden die Anwohner unter der schwachen Infrastruktur, schlechter Wasser- und Stromversorgung, obwohl die kurdische Regierung versprach, 30 Millionen US-Dollar in den Wiederaufbau der Stadt zu investieren.

Der erste Golfkrieg, ein Grenzkrieg zwischen Irak und Iran, brach 1980 aus und endete 1988 durch ein Waffenstillstandsabkommen. Ein Friedensvertrag wurde bis heute allerdings nicht geschlossen. Nur zwei Jahre nach dem Waffenstillstand ließ Saddam Hussein das Emirat Kuwait besetzen und behauptete, es zapfe Ölfelder des Irak an. Husseins Regime versucht Kuwait zu annektieren, scheitert aber. Nach dem Vormarsch der Alliierten, im Februar 1991, ziehen sich die irakischen Truppen zurück.

Weil die US-Regierung unter George W. Bush die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen und Unterstützung der terroristischen Organisation Al-Kaida vermutete, marschierten im März 2003 Truppen in den Irak ein. Im Zuge des Irak-Kriegs wurde das Land in der Golfregion vollständig besetzt und schließlich besiegt. Sowohl der Besitz von Massenvernichtungswaffen wie auch terroristische Aktivitäten des Iraks konnten bis heute nicht bewiesen werden. Nach langer Suche fanden US-Truppen im Dezember 2003 Hussein in einem Erdloch nahe seiner Heimatstadt Tikrit. Bei seiner Festnahme soll er sich nicht gewehrt haben. Am 30. Dezember 2006 wurde Hussein wegen Kriegsverbrechen und Verbrechens gegen die Menschlichkeit in Bagdad erhängt.

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