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Interview mit Ernährungsberaterin Petra Petry über Metabolic Typing

Metabolic Typing
Wir fragen die Expertin zum Thema Metabolic Typing © Liddy Hansdottir - Fotolia

Metabolic Typing - alles außer Diät

FZ: Was ist eigentlich Metabolic Typing? Eine Diät oder ein Ernährungsprinzip?

PP: Das ist eine Ernährungsumstellung. Das ist überhaupt keine Diät, weil man so viel essen darf bis man satt ist. Natürlich im Rahmen, keine 4.000 Kalorien, aber wenn eine Durchschnittsfrau mit Bürotätigkeit so 1.800 Kalorien am Tag braucht, dann darf sie die auch essen.

FZ: Wem hilft Metabolic Typing?

PP: Metabolic Typing hilft zum Einen bei Übergewicht. Dann hilft es auch Leuten die müde und energielos sind, die einfach das Gefühl haben, sie haben nicht genug Kraft für den Alltag. Das liegt einfach daran, dass man nicht das Richtige isst und das führt zu Stoffwechselproblemen. Außerdem hilft es den Leuten, die vielleicht ungefähr wissen, was gesunde Ernährung ist, aber für sich nicht das Richtige finden. Vielen fehlt einfach die praktische Umsetzung. Die essen zum Frühstück nichts und denken, dann haben sie sich die Kalorien gespart. Dass ihnen das über den Tag nicht hilft und letztlich kontraproduktiv ist, ist vielen einfach nicht klar. Und wenn man dann genau sagt, das müssen sie zum Frühstück essen, das zum Mittag-, das zum Abendessen, dann können sie damit besser umgehen.

Ernährung ist individuell

FZ: Und wie funktioniert Metabolic Typing?

PP: Metabolic Typing funktioniert, indem man erstmal feststellt, was man für ein Ernährungstyp ist und anhand dieses Ernährungstyps – es gibt Kohlenhydrat-Typen, es gibt Eiweiß-Typen, und es gibt Mischformen – die Ernährung anpasst. Zum einen erklärt man, welche Nahrungsmittel ideal sind und welche Nahrungsmittel nicht ideal sind. Und zum Anderen, welche Anteile Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett sich günstig auswirken. Konkret heißt das, der Eine muss mehr Kohlenhydrate essen und darf dafür weniger Eiweiß zu sich nehmen und der andere mehr Eiweiß und mehr Fett, aber dafür weniger Kohlenhydrate. Wobei bei allen Ernährungstypen das Fett gering ist. Es ist grundsätzlich kein fettiges Essen. Auch bei einem Eiweißtypen. Das wird manchmal ein bisschen falsch verstanden.

FZ: Kann jeder Metabolic Typing machen?

PP: Ja, jeder kann Metabolic Typing machen. Man muss nur ruhig sitzen, das heißt bei kleinen Kindern geht es nicht. Aber so ab sieben oder acht Jahren geht das. Denn für die Messung müssen die Kinder schon ruhig sein und sich auch entspannen können. Nach oben ist das altersmäßig kein Problem. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass bei Leuten mit Schilddrüsen-Unterfunktion, die Medikamente nehmen, die Ernährungsumstellung nicht so gut funktioniert. Dass sie länger brauchen, dass sie mehr Disziplin brauchen, und dass nach drei oder vier Wochen noch nicht der gewünschte Effekt eintritt, auch wenn alles eingehalten wird. Aber ansonsten gibt es keine Einschränkungen, weil es eben auch keine Diät ist. Weil es eine ausgewogene Ernährung ist.

Sport hat immer einen Einfluss

Interview mit Ernährungsberaterin Petra Petry über Metabolic Typing

FZ: Muss man den Körper vorher vorbereiten oder "reinigen"?

PP: Nein, man testet den Ist-Zustand und macht daraufhin das Ernährungskonzept, passend zum Ernährungstyp. Was man zusätzlich noch macht ist eine Kontrolle. Also wenn das Konzept zehn Wochen durchgezogen wurde, kann es noch mal zu einer Verschiebung kommen. Wenn sich jemand zum Beispiel jahrelang total fehlernährt hat und jetzt die richtige Ernährung verfolgt, dann kann es sein, dass sich der Körper noch mal reguliert. Deshalb empfiehlt es sich, den Test zu wiederholen.

FZ: Hat Sport einen Einfluss auf Metabolic Typing?

PP: Sport hat immer einen Einfluss. Bewegung ist für alle erstmal gut, das Problem ist nur, wenn jemand vierzig Kilo Übergewicht hat, dann geht der nicht gerne in ein Fitness-Studio und ist mit Sport schnell überfordert. So jemand muss einfach damit anfangen, um den Block zu gehen, zwanzig Minuten spazieren zu gehen, vielleicht Fahrrad zu fahren. Und wenn dann diese Kombination eintritt aus: ich nehme langsam ab und ich fühle mich einfach besser, dann kommt auch die Freude am Sport und an der Bewegung wieder. Das Problem ist, dass Bewegung, was den Kalorienverbrauch anbetrifft, auch manchmal überschätzt wird. Das ist einfach nicht so, dass, wenn man eine Stunde Gymnastik macht, man nachher zwei Schnitzel essen kann. Es gehört halt beides zusammen: Bewegung und Ernährung.

Der eigene Wille ist wichtig

FZ: Was ist das Wichtigste an Metabolic Typing?

PP: Also das Wichtigste ist, dass man die Empfehlungen auch umsetzt. Es gehören eine gewisse Disziplin dazu und ein gewisser Wille, damit man die Sachen auch macht, die einem der Ernährungsberater oder der Metabolic Typing Berater rät. Das ist wahrscheinlich für die meisten eher schwierig. Denn sie müssen das wirklich wollen. Ansonsten gibt es nichts, was wirklich wichtig wäre.

FZ: Was bekommt man an die Hand, um das neue Ernährungskonzept verfolgen zu können?

PP: Zunächst machen wir nach dem Test ein Beratungsgespräch, wo ich die Grundprinzipien erkläre und sage, worauf man demnächst achten muss. Es gibt dann einen Einkaufsplan, wo die idealen Nahrungsmittel gekennzeichnet sind und die Dinge, die nicht so gut sind. Alle Grundnahrungsmittel sind nach Kohlenhydraten, Eiweißen und Fett unterteilt, und so kann man sich zum Beispiel genau orientieren, welche Fischsorte, welches Fleisch, welches Gemüse oder welches Getreide für einen selber gut ist. Außerdem bekommt jeder noch mal ein Skript, in dem die Grundprinzipien erklärt werden und auch die ganze Tabellen an günstigen und weniger günstigen Nahrungsmitteln aufgeführt ist.

FZ: Werden die Mahlzeiten vorgeschrieben?

PP: Nein. Aber es gibt Rezepte für Frühstück, Mittag- und Abendessen, die jeder auch nachkochen kann. Das heißt, jeder hat die Möglichkeit, die Empfehlungen zu 100% zu verfolgen, in dem er die Rezepte genau nachkocht und grammgenau selber abwiegt. Man kann aber auch sagen, ich mach das so ungefähr – das machen gerade Leute, die gar nicht wegen des Abnehmens kommen, sondern aus anderen Gründen. Die möchten dann lieber nicht abwiegen, orientieren sich aber grob an den Empfehlungen für ihren Ernährungstyp. Zum Beispiel: "Ich weiß jetzt, beim Frühstück muss ich auch noch etwas Eiweiß dazu essen, dann kombiniere ich mein Frühstück anders." Anhand der Unterlagen kann er im Prinzip alles ganz genau verfolgen, zum Beispiel, indem man in einen Plan einträgt, was man gegessen hat. Aber es ist jedem letztendlich selber überlassen, wie intensiv er das Ernährungskonzept umsetzt.

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