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Intersexualität: Das Ende des verordneten Geschlechts

Intersexualität: Ende des verordneten Geschlechts
Junge, Mädchen oder keins von beiden? © picture-alliance / Denkou Images

Geschlecht uneindeutig - Was tun bei Intersexualität?

Ab sofort muss das Geschlecht neugeborener Kinder in Deutschland nicht mehr kurz nach der Geburt festgelegt werden. Wenn Kinder demnach nicht eindeutig als Junge oder Mädchen zuzuordnen sind, muss der Standesbeamte diesen Punkt im amtlichen Geburtenregister offen lassen. Das sieht das geänderte Personenstandsrecht vor, das vom 1. November an gilt. Damit werden auch ganz wesentlich die Rechte der Kinder anerkannt.

Diese wichtige Änderung soll den Druck von Eltern nehmen, sich direkt nach der Geburt auf ein Geschlecht festzulegen, ohne die weitere Entwicklung des Kindes abzuwarten. Bislang waren Eltern verpflichtet, innerhalb einer Woche die Geburt ihres Kindes samt Namen und Geschlecht beim Standesamt zu melden. Andernfalls drohte eine Geldstrafe.

Aber auch Ärzte bedrängten die Eltern früher massiv, ihr Kind einem der beiden Geschlechter zuzuordnen und es operieren zu lassen. Nicht nur, um es klassisch als Junge oder Mädchen zu erziehen, sondern auch weil der Eingriff im Babyalter um einiges einfacher ist. Die Neuregelung, die der deutsche Ethikrat empfohlen hat, könnte also vorschnelle geschlechtsangleichende medizinische Eingriffe, die Betroffene ein Leben lang verteufeln, verhindern. "Zahlreiche betroffene Menschen, die in ihrer Kindheit einem 'normalisierenden' Eingriff unterzogen wurden, empfanden ihn später als verstümmelnd und hätten ihm als Erwachsene nie zugestimmt", teilt der Ethikrat mit.

Junge? Mädchen? Intersexuell?

Intersexuelle Menschen können biologisch nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden. Alle geschlechtsbestimmenden Merkmale wie Chromosomen, Hormone, Keimdrüsen oder äußere Geschlechtsorgane kommen bei ihnen gleichzeitig - vollständig oder teilweise - vor. Sie haben beispielsweise einen winzigen Penis oder eine übergroße Klitoris beziehungsweise sowohl Penis als auch Scheide. Früher sprach man in dem Falle von "Zwittern", aber diese Bezeichnung hat heute eher einen diskriminierenden Charakter.

Schätzungen zufolge ist in Deutschland eines von 2.000 Babys bei der Geburt weder Junge noch Mädchen.

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