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Indien verbietet seinen Teenagern den Sex

Indien verbietet seinen Teenagern den Sex
© dpa, Jagadeesh Nv

Auch einvernehmlicher Sex ist verboten

Ein Gesetz in Indien löst heftige Debatten aus: Jugendlichen unter 18 Jahren ist Sex verboten worden. Wer das Gesetz missachtet, macht sich sogar der Vergewaltigung strafbar und muss mit mindestens sieben Jahren Haft rechnen. Das neue Gesetz soll Kinder vor sexuellen Straftaten schützen und erlaubt Geschlechtsverkehr nur über 18 Jährigen, schreibt 'Spiegel Online'.

Dass damit Kinder geschützt werden sollen, ist ja löblich. Unverständlich ist allerdings, warum die indische Regierung selbst einvernehmlichen Sex, egal ob unter Jugendlichen oder zwischen einem Jugendlichen und einem Erwachsenen, unter Strafe stellt. Mit dem Gesetz hat Indien das Alter, ab dem Sex erlaubt ist, um zwei Jahre angehoben. Vor einem Jahr etwa habe die Regierung noch betont, es beim Alter von 16 Jahren zu belassen.

Der Begriff Vergewaltigung wird in Indien sehr eng definiert. Jegliche Penetration "mit einem Objekt oder einem Körperteil" in die Körperöffnung eines Menschen unter 18 Jahren gilt als strafbar, sprich als Vergewaltigung. Die Regierung will damit vermutlich einem Trend entgegenwirken: Immer häufiger werden Kinder und Jugendliche verheiratet, Teenagerschwangerschaften sowie Kinderprostitution und Vergewaltigung von Minderjährigen nehmen zu. In den Fernsehsendungen und Zeitungen in Indien wird das Gesetz aber heftig debattiert, weil es "rückschrittlich", "unzeitgemäß", "weltfremd" und "verklemmt" sein soll.

Kritiker: Sexualkundeunterricht wäre die bessere Lösung

Kritiker befürchten, dass es durch das Gesetz Eltern von Mädchen leicht gemacht würde, Jungen anzuklagen, nur weil sie mit dem Verhältnis ihrer Tochter zu einem Jungen nicht einverstanden sind. Auch wenn es zu sexuellen Handlungen gekommen ist, sei es völlig egal, ob das Mädchen dem Geschlechtsverkehr zugestimmt hätte oder nicht. Andere sind der Meinung, dass eine Anhebung des Alters, ab dem Geschlechtsverkehr erlaubt sei, überhaupt nichts bringe. Sexualkundeunterricht in den Schulen wäre dagegen eine bessere Lösung.

In Indien werden viele Ehen noch von den Eltern arrangiert. Da sich in den vergangenen Jahren allerdings die Gesellschaft in Sachen Beziehung und Sexualität ändert, setzen sich die Jugendlichen über diese Traditionen mit außerehelichem Sex hinweg: Die Liebenden flüchten, wenn die Eltern gegen die Beziehung sind.

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