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Indien gefährlichster Ort für Mädchen

Indien gefährlichster Ort für Mädchen
So harmonisch ist es nach der Geburt eines Mädchens in Indien nur selten. 50.000 weibliche Föten werden monatlich bereits vor der Geburt abgetrieben. © dpa, Jaipal Singh

50.000 weibliche Föten monatlich abgetrieben

"Ich wünsche dir drei gesunde Töchter, die später alle mal einen netten, gebildeten Mann finden!" Was für uns so nett klingt, gehört für indische Familien zu den größten Albträumen. Denn weil die Mitgift bei einer Hochzeit für Töchter so hoch ist, werden monatlich 50.000 weibliche Föten nach einem Bericht von ‚Welt Online‘ abgetrieben. Zusätzlich werden viele Mädchen direkt nach der Geburt ausgesetzt, vernachlässigt oder gar ermordet. Mütter, die nur Mädchen gebären, werden bestraft oder verstoßen.

Davon sind längst nicht nur die armen ungebildeten Inder betroffen. Im Gegenteil: Gerade die reichen Inder wollen keine Töchter und lassen ihre ungeborenen Mädchen abtreiben, weil für sie die Aussteuer umso höher wäre.

So kommt es, dass die Vereinten Nationen jetzt Indien zum weltweit gefährlichsten Ort für Mädchen erklärt haben. Bis zum fünften Lebensjahr ist ihre Sterbensrate - laut einer neuen UN-Studie - um 75 Prozent höher als die von Jungen.

Geschlechterbestimmung gesetzlich verboten

Obwohl Ultraschalluntersuchungen zur Geschlechterbestimmung seit 1994 verboten sind, gibt es in Indien immer mehr Arztpraxen, die diesen Service trotzdem anbieten. Die illegale Abtreibung gibt’s laut der Zeitung ‚Welt‘ für 17 Euro dazu. Polizei und Richter unternehmen nicht viel gegen diese Ärzte.

Die indische Regierung versucht unterdessen dem Problem mit neuen Verboten entgegenzutreten. Doch die geforderten Summen für Aussteuer und die Kosten für die Hochzeitsfeier werden trotzdem immer höher. Kann die Familie der Braut nicht zahlen, kommt es häufig zu Frauenverbrennungen und Blutfehden.

Und so steht Indien vor einem Dilemma: Denn schon jetzt gibt es nach neusten Schätzungen 40 Millionen mehr männliche als weibliche Inder. Das dürfte die Lage vermutlich weiter verschärfen.

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