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'In einer Person': John Irving wieder in alter Form

John Irving: In einer Person
'In einer Person' von John Irving © RTL interactive/ Diogenes

Leseinfo zu 'In einer Person'

William Abbott, genannt Bill, wächst in den 50er Jahren ohne Vater auf. Im Rückblick auf sein Leben als Schriftsteller wandert man mit Bill durch seine Pubertät, erlebt sein frühes sexuelles Erwachen, seinen Internatsaufenthalt, seine Zeit in Wien und die Rückkehr, die Anfänge des AIDS-Zeitalters bis in die Neuzeit. Er sucht nach Orientierung, fragt sich schon als Junge, ob er für die falsche Person schwärmt und diese sexuelle Irritation begleitet ihn durch die biederen 60er Jahre, die wilden 70er und die dramatischen durch AIDS und Sterben geprägten 80er Jahre bis in das heutige Amerika, in dem die homosexuelle Ehe Realität ist.

Über 'In einer Person'

John Irving hat mit dem Roman 'In einer Person' zu seiner alten Form zurückgefunden. Mit einem sanften Blick beschreibt einer der größten Schriftsteller der US-amerikanischen Literatur eines seiner Lieblingsthemen, die Sexualität, in den verschiedenen Ausprägungen. Und das macht er brilliant. Die Geschichte ist aberwitzig, traurig, lüstern und echt. Man taucht ein in seinen (eigenen?) Kampf um Identität, fühlt den Mief der vergangenen Jahrzehnte und weiß am Ende - wie schon so oft in Irvings Romanen - nicht, ob man Bill mag oder nicht. Irving bezieht sich immer wieder auf die Klassiker der Literatur und deren Auseinandersetzung mit dem Thema Homo- und Bisexualität.

Das Wunderbare an diesem Buch ist, dass hier keine Urteile gesprochen werden. Auch die wildesten Ausflüge in sexuelle Praktiken sind zwar nichts für den prüden Geist, aber niemals peinlich oder wertend. Die skurrilen Beschreibungen sind für echte Irving-Fans eine wahre Wonne. Seitenlang wusste ich nicht, ob ich weinen, lachen oder entsetzt sein sollte. Schon zur lieben Tradition geworden sind die in fast jedem seiner Bücher auftauchenden Bären, sein Lieblingssport Ringen und die betagte Kaiserstadt Wien. So habe ich mir den neuen Roman von John Irving gewünscht, und so habe ich ihn bekommen. Ich bin wieder versöhnt mit dem Meister der abstrusen Geschichten, der in seinen letzten beiden Romanen etwas schwächelte.

Über den Autor John Irving

John Irving, 1942 in Exeter, New Hampshire geboren, lebt in Vermont und zählt seit 30 Jahren zu den erfolgreichsten Schriftstellern in den USA. Seine bisher zwölf Romane wurden alle Weltbestseller, vier davon wurden verfilmt.

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