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Immer mehr Taschengeld: Bekommen Kinder in Deutschland zu viel?

Taschengeld kann man nie genug haben
Taschengeld: Wie viel ist vernünftig? © picture-alliance / Sven Simon, FrankHoermann/SVEN SIMON

Taschengeld: Kinder in Deutschland bekommen üppig

Meine Tochter ist gerade 12 geworden. Taschengeld war zwar bei uns nie ein großes Diskussions-Thema, da sie bisher in der Tat noch gar nicht so viel Bedarf hatte - doch jetzt kommt sie in das Alter, wo man sich auf kostspieligere Wünsche einstellen kann.

Von Sandra Bohlender

In einer Studie der Münchener Markt- und Meinungsforschungsorganisation "iconkids & youth" haben Jugendforscher herausgefunden, dass die Kids von heute im Schnitt 50% mehr Geld bekommen, als noch vor zehn Jahren: Das heißt, Kinder in Deutschland kassieren heutzutage im Jahr bis zu 3,3 Milliarden Euro von ihren Eltern! Der größte Teil davon (1,9 Milliarden) speist sich aus dem Taschengeld - der Rest aus Geldgeschenken von Omas oder Tanten zu Weihnachten oder zur Konfirmation. 12 bis 13-Jährige kommen so mitunter auf über 80 Euro im Monat. Beeindruckende Zahlen, möchte man meinen.

811 Kinder im Alter von 6-13 Jahren wurden zu dieser Studie in persönlichen Interviews befragt. Die Beträge steigen natürlich mit zunehmendem Alter, wobei es geschlechterspezifisch eigentlich keine nennenswerten Unterschiede gibt - übrigens auch nicht was die Herkunft aus Ost-oder Westdeutschland angeht.

"Kein Wunder, dass sich Unternehmen so stark an die junge Zielgruppe wenden. Sie ist weiterhin ein äußerst lukrativer Markt mit wachsender Bedeutung", meint dazu Ingo Barlovic von "iconkids & youth". Interessant: Spielen wir Eltern den Unternehmen mit unserem Taschengeldvergabe-Verhalten in die Hände? Machen wir aus unseren Kindern zu früh Konsum-Junkies?

Taschengeld: Wichtiger Lernfaktor

Meine Tochter bekam bisher 12 Euro im Monat und - in unregelmäßigen Abständen - von Omi ein paar Euro fürs Zeugnis oder zu sonstigen Gelegenheiten. Da meine Tochter noch nicht so viel ohne Erwachsene unterwegs ist (Kinobesuche sind meistens noch Familienevents), gibt sie ihr Geld hauptsächlich für Nagellack, Süßigkeiten und - momentan besonders beliebt - kleine Krimskrams-Geschenke für ihre Freundinnen aus. Kleidung wollte sie immer mit mir zusammen einkaufen gehen. Es kam auch vor, dass ich ihr etwas, was sie nicht brauchte, aber unbedingt haben wollte, "vorstreckte" und es mir von ihrem Taschengeld wiedergeben ließ. Aber dabei schaute sie durchaus schon selbst auf den Preis.

Natürlich ist Taschengeld ein wichtiger Lernfaktor für ein Kind: Es lernt nicht nur, was das Geld wert ist, sondern auch Verantwortung zu übernehmen, eigene Entscheidungen zu treffen, und sein Leben selbst zu organisieren. Wenn man ihm zu wenig Taschengeld gibt, hat es keine Möglichkeit, sich etwas zusammen zu sparen - wenn man zu viel gibt, kann es den Sinn für die Realität verlieren und wird vielleicht zu maßlose Ansprüche entwickeln.

Wenn ich mich an der Taschgeldtabelle der Jugendämter orientieren würde, würde meine Tochter mit ihren 12 Jahren jetzt 18 - 22 Euro pro Monat bekommen. Erhöhen werde ich es jetzt nach ihrem Geburtstag in jedem Fall - um welchen Betrag genau, darüber werde ich mir noch Gedanken machen und mit ihr darüber sprechen. Noch hat sie jedenfalls nicht das Bedürfnis sich ständig neue teure Markenklamotten, Handys oder Kosmetik zuzulegen - und ich habe nicht vor, diese Bedürfnisse zu wecken. Die kommen wahrscheinlich noch früh genug.

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