Immer mehr Bausparkassen kündigen Verträge: Ist das rechtens?

Bausparkassen im Test: schlecht beraten
Bausparkassen im Test: schlecht beraten Kaum Informationen, ungünstige Verträge 00:02:32
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Die wichtigsten Fragen zum Bausparkassen-Ärger

Tausenden Bausparern ist zum Jahreswechsel die Kündigung ins Haus geflattert: Immer mehr Bausparkassen drängen Kunden aus gut verzinsten Altverträgen. Wer jetzt einen neuen Vertrag schließt, hat andere Sorgen: Nur drei von zwanzig Bausparkassen beraten 'gut', so die 'Stiftung Warentest'. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

Bausparvertrag gekündigt?
Scheine für Steine: Viele Bauherren haben sich auf die guten Zinsen der Bausparkassen verlassen und ärgern sich jetzt über Vertragskündigungen. © picture alliance / blickwinkel/M, McPHOTO

Warum genau kündigen Bausparkassen langjährigen Kunden?

Ein Grund dafür ist offenbar die Niedrigzinspolitik der EZB. Manche Verträge sind den Anbietern zu teuer geworden. Vor zehn Jahren boten sie Verträge mit vier Prozent Zinsen und mehr an. Das sind Konditionen, von denen Bausparer heute nur träumen können. In der anhaltenden Niedrigzinsphase bekommen Bausparkassen am Finanzmarkt aber selbst nur sehr niedrige Zinsen für das Kapital ihrer Bausparer. Deshalb können sie sich die Altverträge nicht mehr leisten, argumentieren sie. Es geht vor allem um Kunden, die das vorgesehene Darlehen nicht nutzen oder die vereinbarte Sparsumme schon überschritten haben und vor allem von den einst zugesicherten Zinskonditionen profitieren.

Dürfen die Bausparkassen einfach kündigen?

Die Bausparkassen berufen sich auf Paragraf 489 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Demnach sind Darlehensverträge nach zehn Jahren kündbar. Verbraucherschützer sehen allerdings eine rechtliche Grauzone, wenn die Bausparsumme noch nicht überschritten ist.

Welche Anbieter sind betroffen?

Angeschrieben wurden bisher unter anderem Kunden der Bausparkasse Wüstenrot. Nach Wüstenrot-Angaben handelt es sich um 1 Prozent der Kunden - es geht also um rund 30.000 Verträge. Auch die Landesbausparkasse (LBS) Baden-Württemberg wies Ende des Jahres 22.000 Kunden schriftlich darauf hin, dass sie kündigen will. Es handelt sich dabei um Verträge, die seit zehn oder mehr Jahren zuteilungsreif sind - für die also längst ein Darlehen in Anspruch genommen werden kann. Die LBS Bayern und Nordrhein-Westfalen handelten ähnlich. Schwäbisch Hall erklärte, nur zu kündigen, wenn das angesparte Guthaben die Bausparsumme überschritten habe. "Dann haben beide Seiten den Vertrag erfüllt, und der Kunde erhält sein Erspartes zurück", sagte ein Sprecher. Laut einer Umfrage der Zeitung 'Die Welt' wollen 13 von 20 Bausparkassen Verträge kündigen, weitere könnten folgen.

Ist ein Bausparvertrag überhaupt noch zu empfehlen?

"Bausparen an sich ist eine prima Idee", so die 'Stiftung Warentest'. Wer in sieben oder zehn Jahren bauen wolle, sichere sich schon heute einen Kredit mit niedrigen Zinsen - auch wenn er für seine Sparraten kaum Zinsen von der Bausparkasse bekommt. Beim Sparkonto gibt es auch nicht mehr. Zum Teil schließen auch heutige Bauherren Bausparverträge ab, um mit dem Bauspardarlehen in zehn Jahren einen Kredit abzulösen. Manche Verträge sind allerdings zu schmal bemessen, andere zu üppig, wie die Stiftung Warentest kritisiert. Viele Berater setzten Bausparsumme, Guthaben oder Darlehensraten zu hoch an. Gleichzeitig enthielten sie ihren Kunden Informationen vor.

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