'Im nächsten Leben werd‘ ich Spielerfrau'

'Im nächsten Leben werd‘ ich Spielerfrau'
Christine Eisenbeis schreibt in ihrem Buch 'Im nächsten Leben werd' ich Spielerfrau' über Glanz und Elend im Alltag einer Spielerfrau.

Viele Spielerfrauen scheuen die Öffentlichkeit

"Wanderhure? Hieß das früher nicht Spielerfrau?", fragt TV-Lästermaul Harald Schmidt in seiner Late-Night-Show. Eine verbale Blutgrätsche, die für den Übeltäter ohne Folgen bleibt. Das ist Late Night: Scherze auf Kosten anderer machen. Spielerfrauen eignen sich als Zielscheibe bestens. "In der öffentlichen Wahrnehmung sind sie alle gleich – alle gleich hohl", schreibt Christine Eisenbeis in ihrem Buch 'Im nächsten Leben werd‘ ich Spielerfrau – Ein Phänomen wird abgeschminkt'. Keine andere Frauengruppe hat im 21. Jahrhundert einen so schlechten Ruf und wird in den Medien so klischeebeladen dargestellt. Was ist der Grund dafür?

"Fußball ist Männersache. Auch heute noch", sagt Eisenbeis im Interview mit 'Frauenzimmer.de'. Für ihr Buch hat die Sportwissenschaftlerin mit Partnerinnen von Fußballern (und einer Fußballerin) gesprochen. Das war nicht leicht, denn "viele Spielerfrauen, die beeindruckende Persönlichkeiten sind, wollen die öffentliche Aufmerksamkeit nicht." Weil sie nicht dem Bild entsprächen, das die Medien von ihnen zeichnen, scheuen sie die Öffentlichkeit, so Eisenbeis.

Ganz anders Julia Gödicke, die ehemalige Freundin der Fußballspieler Marcell Jansen und Christoph Metzelder, suchte damals an der Seite ihrer Fußballgatten die Öffentlichkeit. Dass sie sich zuvor schon mal in Männermagazinen gezeigt hatte, wurde ihr zum Verhängnis. Julia landete in der branchenüblichen Schublade.

Aus Sicht der Medien erfüllte sie die gängigen Klischees einer typischen Spielerfrau, die Eisenbeis so beschreibt: "Sie wirft das Geld zum Fenster hinaus, kauft teure Klamotten, zeigt sich gerne freizügig, ist blond, mediengeil und selbstverständlich nur mit dem Fußballspieler zusammen, um selbst berühmt zu werden." Gödicke hat das Leben in der Öffentlichkeit nicht gut vertragen. "Ich habe meinen Namen bestimmt seit zwei Jahren nicht mehr gegoogelt." Doch beklagen wolle sie sich nicht, denn sie habe viel gelernt in ihrem jungen Leben.

"Die Spielerfrau ist wie ein Schienbeinschoner"

Zum Beispiel, dass Spielerfrauen ein Leben auf Abruf führen – abhängig von Trainings- und Spielplänen. Beständigkeit? Fehlanzeige! Routine kommt nur bei Umzügen auf, wenn der nächste Vereinswechsel mal wieder ansteht. So wechselte Mittelfeldspieler Michael Fink zwischen 2009 und 2011 von Frankfurt nach Istanbul, zurück nach Mönchengladbach und dann wieder nach Istanbul. Fee Maria Fink organisierte den Umzug nach Istanbul im Alleingang, während Michael mit seinen neuen Mannschaftskollegen im Vorbereitungstrainingslager auf die neue Saison schwitzte.

Es gab eine Zeit, da hat Fee Maria Fink aufgehört über die Zukunft nachzudenken. "Wie soll man über das nachdenken, was in zehn Jahren ist, wenn man nicht weiß, wo man übermorgen wohnt", sagt sie. Im Sommer 2011 schließt sie ihr Studium in Ernährungswissenschaften ab. Irgendwann wolle sie sich vorne anstellen, nicht mehr im Hintergrund stehen und etwas zur Kasse beisteuern – bloß kein Anhängsel mehr sein.

Frauen, die ihre eigenen Bedürfnisse hinten anstellen, um ihrem Mann die besten Bedingungen für seine Karriere zu ermöglichen, gibt es viele. "Daran ist nichts verwerflich. Ich bewundere diese Frauen", sagt Buchautorin Eisenbeis. Shelley Webb beschreibt dieses symbiotische Verhältnis in ihrem Buch 'Footballers wives‘ tell their tales' so: "Fußball ist wie der große Gott. Der Mann lebt für ihn und die Spielerfrau ist Teil seiner Ausrüstung, wie die Schienbeinschoner." Die TV-Moderatorin war mit Neil Webb verheiratet, der von 1989 bis 1992 für Manchester United kickte.

Seitdem hat sich der Fußball gewandelt – der einstige Prollsport ist salonfähig geworden – mit ihm die Spielerfrauen. Es werde schon positiver über Spielerfrauen berichtet als in den vergangenen Jahren, so Eisenbeis, das liege an den Spielerfrauen der aktuellen Nationalspieler, die sich eher zurückhaltend in der Öffentlichkeit geben. "Bei Frauen wie Sylvie van der Vaart oder Sarah Brandner schaut auch der echte Fußballfan gerne mal hin."

Fakt ist, die Medien brauchen die Spielerfrauen – mehr als umgekehrt: Mit attraktiven Frauen macht man nun mal Quote. "Wenn Sami Khedira mit seiner hübschen Freundin Lena Gercke posiert, wird das Blatt gekauft", sagt Eisenbeis. Mitleid ist hier fehl am Platz. Die machen das ja alle freiwillig, deshalb ist das Leben einer Spielerfrau nach Ansicht der Buchautorin sicher kein Fluch. Es sei eben nur nicht so schön, wenn man immer nur als Anhängsel wahrgenommen werde. "Ich will mit meinem Buch jedenfalls kein Spendenkonto für Spielerfrauen eröffnen", stellt Eisenbeis klar.

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