Ihr Vater ist ein unbekannter Samenspender - das will Carolin jetzt ändern

Für sie war es ein Schock zu erfahren, dass ihr Vater nicht ihr leiblicher Vater ist

Vor neun Jahren erfuhr Carolin, dass ihr Vater nicht ihr leiblicher Vater ist. Für die junge Frau war das ein Schock. Nie hatte sie an seiner Vaterschaft gezweifelt. "In dem Moment sind die Grundmauern eingebrochen", erzählt sie uns im Interview. Denn plötzlich wusste sie nicht mehr, wo ihre Wurzeln sind.

Carolins Vater konnte keine eigenen Kinder bekommen, daher haben sich ihre Eltern nach jahrelangen Versuchen mit einer Samenspende eines fremden Manns zu ihrem Wunschkind verholfen. 24 Jahre haben sie dieses Geheimnis für sich behalten. Auch wenn sich Carolin gut mit ihrem Vater versteht, hat sie den brennenden Wunsch, ihren genetischen Erzeuger kennenzulernen. "Ein Teil von mir kommt von diesem Mann. Ich würde ihn sehr gerne kennenlernen. Die Anonymität des Samenspenders kann nicht mehr wiegen als mein Recht zu erfahren, wer der Mann ist."

Doch der Arzt, der Carolins Eltern damals zum Wunschkind verholfen hat, äußert sich nicht. Die Unterlagen über die Identität des Spenders sollen vernichtet worden sein. "Ich weiß von dem Arzt, dass ich fünf bis sechs Halbgeschwister in Berlin habe. Ich würde sie unheimlich gerne treffen, weil ich mir immer Geschwister gewünscht habe."

Eltern sollen ihren Kindern nicht ihre Herkunft verschweigen, findet Carolin: "Ich war natürlich unglaublich traurig, dass mein Vater nicht mein leiblicher Vater ist. Und deswegen finde ich es ganz wichtig, dass Kinder, die durch eine Samenspende entstehen, aufgeklärt werden. Wenn sie mit dem Wissen aufwachsen, erleben sie keinen Schock."

Carolin hofft, ihre Halbgeschwister zu finden

Die junge Frau liebt ihre Eltern - aber sie möchte auch ihren anderen Teil kennenlernen. Sie hat sich mittlerweile einen Anwalt genommen, um den Samenspender zu finden. Sie will keine Ansprüche an den Mann stellen, sie will ihn einfach nur einmal treffen und sehen, wie er so ist. Dabei ist ihr nur eine Sache wichtig: "Hauptsache, er ist offen und ehrlich." Fünf bis sechs weitere Kinder sollen 1980 bis 1981 mithilfe des gleichen Spenders in einer Privatpraxis in Berlin-Zehlendorf gezeugt worden sein. Diese Kinder will Carolin finden. Denn es sind ihre Halbgeschwister.

Rund 100.000 Kinder gibt es schätzungsweise in Deutschland, die durch eine Samenspende entstanden sind. Nur wenige wissen etwas von ihrer Entstehung. Carolin hofft, dass ihre Halbgeschwister die Wahrheit kennen und auch nach ihr suchen.

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