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"Ihr Kind ist kein Notfall!" - eine Kinderkrankenschwester spricht Klartext

Wann muss ein Kind wirklich in die Notfallambulanz?
Wann muss ein Kind wirklich in die Notfallambulanz? Krankenschwester machte per Brief ihrem Ärger Luft 00:02:29
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Überfüllte Notfallambulanzen und wenig Notfälle

"Seid froh, wenn ihr beim Kinderarzt warten dürft!"- dieser anonyme Facebook-Post trifft einen Nerv. In ihrem Text lässt sich eine Krankenschwester über ihren Alltag in der überfüllten Kindernotfallambulanz aus. Überfüllt mit kleinen Patienten, die ihrer Meinung nach anderweitig besser versorgt seien, als im Wartezimmer. Deshalb legt sie in ihrem Beitrag Eltern nahe, sich vorher zu überlegen, ob ihr Kind denn wirklich ein Notfall sei oder nicht.

Wenn das eigene Kind krank wird, ist das zweifelsohne eine schlimme Sache. Eltern können oft nur hilflos zusehen, wenn ihr Kind leidet. Um bloß nichts falsch zu machen, melden sich viele Eltern gleich instinktiv bei der Notfallambulanz, man möchte ja bloß nichts falsch machen - ganz gleich ob es sich um eine Zecke handelt oder ein leichtes Fieber.

Genau das ist es, was der anonymen Autorin gewaltig auf den Zwirn geht: Sogenannte 'Notfälle', die gar keine sind. In einer geschlossenen Facebook-Gruppe machte sie sich mit ihrem Post Luft: "Wenn sich zu Beginn meines Dienstes die Tür zur Notaufnahme öffnet, blicke ich wie immer in einen überfüllten Wartebereich, mit schnupfenden, hustenden und spielenden Kindern.(...) Ich nehme Kinder mit leicht bis hohem Fieber an, das sie seit heute haben. Und weiß, dass die Mamas in drei Stunden hier fluchend die Ambulanz verlassen - mit einem Paracetamol-Rezept. Sie werden sauer sein, dass keine Diagnose feststeht und sie nach dem Paracetamol-Rezept noch nachfragen mussten. Sie fragen sich, ob sie hier drei Stunden umsonst gewartet haben."

65 Patienten, davon nur 10 Notfälle

Ein Großteil ihrer Arbeit bestehe nicht darin, Notfälle zu versorgen: Laut eigener Aussage kümmere sie sich in einem Dienst um ungefähr 65 Patienten, von denen nur zehn wirkliche Notfälle seien. Der Alltag in der Notfallambulanz scheint sie wütend zu machen: "Ich sehe Mütter, die sich schon zu Grüppchen zusammenstellen und lauthals schimpfen, wie lange sie schon warten. Rechts im Spielbereich sehe ich einige Kinder fröhlich singen und spielen und frage mich, was für ein Notfall sie hier hin führt."

Die Krankenschwester legt Eltern ans Herz, doch erst einmal darüber nachzudenken, ob sie in manchen Fällen nicht auch selbst in der Lage sind eine Notfallversorgung vorzunehmen: "Ach, da sitzt eine Zecke am Hals. Ich frage mich, ob es nicht risikoärmer gewesen wäre, hätte die Mutter die Zecke zu Hause entfernt. So sitzt sie evtl. drei Stunden im Wartebereich und die Zecke hat mehr Zeit, sich ihren Bakterien zu entledigen."

Bei all den 'Notfällen', die besorgte Eltern melden, befürchtet sie, dass die Zeit für echte Notfälle dadurch nicht mehr ausreiche: "Ich kümmere mich um das graue Baby, die Mutter berichtet mir, ihr Baby wäre irgendwie komisch heute. Ich funke unseren Arzt an und hoffe sein Gespräch mit den leidenden Eltern ist beendet. Ich bereite eine Vigo vor, denn ich weiß es muss gleich schnell gehen. Mein Gefühl sagt mir, dass dieses Baby eine Sepsis (Blutvergiftung) hat. (...) Am liebsten würde ich in den Wartebereich rein rufen, dass drei Räume weiter unsere Ärzte gerade eine Stunde um ein Leben gekämpft haben."

Um ungeduldigen Müttern zu zeigen, was es wirklich heißt, einen Notfall zu behandeln, würde die Krankenschwester, die offenbar selber Mutter ist, am liebsten einen Zettel an die Wand hängen: 'Alle, die hier länger als 30 Minuten warten, können sich zu den Glücklichen zählen, denn ihr Kind ist kein Notfall.' Sie möchte keinesfalls Notfälle kleinreden, aber sie appelliert an den gesunden Menschenverstand und verlangt Verständnis der Eltern. Wenn ein Kind mit dem Leben ringt, steht ein verschnupftes Kind nun mal hinten an.

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