GESUNDHEIT GESUNDHEIT

Igel-Leistungen: Sinnvolle von überflüssigen unterscheiden

IGeL-Leistungen: So entscheiden Sie sich richtig
IGeL-Leistungen: So entscheiden Sie sich richtig Alles Wichtige zu kostenpflichtigen Extras beim Arzt 00:02:29
00:00 | 00:02:29

Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL): Am Ende zahlen Sie

Wer zum Arzt geht und sich untersuchen lässt, muss den Medizinern vertrauen. Schließlich haben Patienten selten so viel Hintergrundwissen, um einzuschätzen, ob eine Diagnose und entsprechende Behandlungsvorschläge richtig sind. Auch wenn die meisten Ärzte nach bestem Gewissen handeln, einige schwarze Schafe gibt es. Und die nutzen ein paar einfache Tricks, um den eigenen Geldbeutel ein wenig mehr zu füllen. Zum Beispiel über individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL).

Igel-Leistungen: Sinnvolle von überflüssigen unterscheiden
Die Kosten für die individuellen Gesundheitsleistungen tragen die Patienten. © Alexander Raths - Fotolia, Alexander Raths

Zahnreinigungen, Augeninnendruckmessungen oder eine Reiseimpfung - all das sind IGeL-Leistungen, die Patienten aus eigener Tasche bezahlen müssen. Und fühlen sich drei Viertel aller Patienten nicht ausreichend informiert, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. Manchmal sind diese Leistungen notwendig, manchmal aber auch nicht. Das Problem: Die Kosten müssen die Patienten selbst tragen. Und so besteht die Gefahr, dass ein Arzt seinen Patienten zu solch einer Zusatzleistung überredet, obwohl medizinisch dafür kaum oder nur wenig Grund besteht. Seine Motivation: Er verdient an den Zusatzleistungen Geld.

Ob die gängigsten individuellen IGeL-Angebote seriös und empfehlenswert sind, erklärt der Medizinjournalist Dr. Christoph Specht im Video.

Welche IGeL-Leistungen brauchen Sie?

Die Ärztekammer betont, dass individuelle Gesundheitsleistungen stets von ihrem persönlichen Zustand und vom jeweiligen Krankheitsbild abhängig sind. Eine pauschale Empfehlung lässt sich offenbar nicht geben. Nach Ansicht der Krankenkassen bringen IGeL-Angebote meistens keinen nachweisbaren Nutzen. Sie könnten vielfach sogar schaden, teilte der Medizinische Dienst des Kassen-Spitzenverbands (MDS) mit. Der MDS hat 41 Gesundheitsleistungen überprüft. Nur drei wurden "tendenziell positiv" bewertet: Akupunktur zur Vorbeugung von Migräne, Lichttherapie bei depressiven Störungen und Stoßwellentherapie bei Fersenschmerz.

Und woran erkennen Sie, ob Ihr Arzt die empfehlenswerten Gesundheitsleistungen anbietet oder versucht, Ihnen etwas aufzuschwatzen?

Ansprechpartner ist der Arzt

Wenn Ihnen Sprechstundenhilfen oder sonstige Mitarbeiter medizinische Angebote unterjubeln wollen, sollten Sie nachdenklich werden. Nur der Arzt ist in der Lage, entsprechende Gesundheitsleistungen zu empfehlen, weil nur er über Ihr aktuelles gesundheitliches Befinden Bescheid weiß.

Ausführliche Aufklärung

Der Arzt ist verpflichtet, Ihnen die Notwendigkeit bzw. den Sinn der von ihm empfohlenen Leistungen ausführlich zu erklären. Natürlich ist dabei auch Nachfragen erlaubt.

Sachliche Information

Sie dürfen sich bei den Ausführungen des Arztes nicht überrumpelt und auch nicht wie an einem Verkaufsstand fühlen. Denn der Arzt soll keine Werbung für eine bestimmte Leistung machen, sondern Ihnen deren Sinn nachvollziehbar erklären. Auf keinen Fall sollten Sie das Gefühl haben, unter Druck gesetzt zu werden. Ihnen steht es ja zudem jederzeit frei, mit einem anderen Arzt zu sprechen. Das können Sie in einer Behandlung durchaus auch erwähnen.

Zeit zum Nachdenken

Der Arzt muss Ihnen die Zeit geben, über mögliche individuelle Gesundheitsleistungen in Ruhe nachdenken zu können. Hektik ist verdächtig. Außerdem ist es hilfreich, sich vorher den Behandlungskatalog zu beschaffen und sich ausreichend zu informieren. Das schließt aus, dass Ihnen irgendjemand etwas verkauft, was nicht notwendig ist.

Abhängigkeit

Auf keinen Fall darf eine zusätzliche Gesundheitsleistung von einer anderen Leistung - die die Kasse übernimmt - abhängig gemacht werden. So nach dem Motto: "Wenn Sie das nicht machen, können wir die anderen Behandlungsschritte leider auch nicht ausführen."

Vertrag

Wenn Sie gesetzlich krankenversichert sind, ist der Arzt verpflichtet, vor Ausführung der individuellen Gesundheitsleistung einen Vertrag abzuschließen. Dieser sollte die Leistung genau beschreiben, Angaben über die voraussichtlichen Kosten einschließlich der einschlägigen Ziffer der Gebührenordnung (GOÄ) sowie den Steigerungssatz enthalten.

Rechnung

Der Arzt darf nur dann eine Zahlung von Ihnen verlangen, wenn er Ihnen auch eine Rechnung gestellt hat.

Krankenkasse

Sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass die gesetzliche Krankenkasse wichtige und notwendige Behandlungen bezahlt. Sämtliche Zusatzleistungen sind demnach nur ein KANN und kein MUSS. Halten Sie Rücksprache mit der Krankenkasse, wenn Sie unsicher über die vom Arzt vorgeschlagene Behandlung sind.

Anzeige