"Ich kann nur gewinnen": Lina ist Deutsche und Argentinierin

Lina Laetitia: Wenn das Vaterland gegen die Muttersprache spielt
Lina Laetitia hatte es beim WM-Finale nicht leicht: Ihre Familie war gespalten. Die eine Seite drückte Argentinien und die andere Seite Deutschland die Daumen. Für wen sollte sie also sein?

In Linas Brust schlagen zwei Herzen

Ganz Deutschland im Freudentaumel. Ganz Deutschland? Lina Laetitia Reveand besitzt sowohl den argentinischen als auch den deutschen Pass.Für uns hat die 17-jährige Kölnerin beschrieben, wie sie das Finale erlebt hat und warum sie sich nur teilweise freuen kann.

Von Lina Laetitia Reveand

Mehrere Nationalitäten zu haben ist oft ein großer Vorteil. Bei einer Reise lässt es sich manchmal besser mit der einen als mit der anderen Nationalität reisen, man spricht mehrere Sprachen fließend und kennt verschiedene Kulturen.

Doch wenn deine beiden Länder bei der Weltmeisterschaft aufeinandertreffen, fragen viele, für wen du denn bist. Aber man kann sich einfach nicht zwischen seinen Nationen entscheiden. Mein Vater ist Argentinier und meine Mutter ist Deutsche. Ich bin zweisprachig aufgewachsen und habe beide Nationalitäten, doch entscheiden kann ich mich nie.

Als Argentinien nun nach Deutschland auch das Finale erreichte, war ich sehr nervös: Meine beiden Länder gegeneinander! Deutschland mit einem starken Torwart und einer grandiosen WM bisher, während Argentinien mit dem weltbesten Fußballer Messi eine bisher eher bescheidene WM hinter sich hatte. Angriffslust und Teamgeist zählte bei den Deutschen während die Argentinier auf Messi, Di Maria und ihre Anpassungsfähigkeit setzten. Zwei sehr starke Mannschaften mit ihren verschiedenen Vorzügen treffen aufeinander.

"Ich bin auf beide Team sehr stolz"

Das Spiel habe ich mit beiden Teilen meiner Familie geschaut. Auf der einen Seite wird auf Spanisch angefeuert, auf der anderen auf Deutsch und ich dazwischen. Während eine Mannschaft vielleicht ein Tor erzielen kann, würde die andere dadurch verlieren. Ich konnte mich während des Spieles nicht wirklich für eine Mannschaft freuen oder richtig mitfiebern. Auch als Deutschland nun Weltmeister wurde, hat mich das nicht richtig erfreut. Ein Teil in mir freute sich schon, aber der andere hatte verloren und das machte mich traurig. Von der einen Seite der Familie kam Jubelgeschrei, während die anderen eher zusammengesunken auf dem Sofa saßen und ich, größtenteils schweigsam, dazwischen. Meiner Meinung nach war es ein ausgeglichenes und spannendes Spiel, beide hätten gewinnen können und es war wirklich knapp. Meine Nationen sind beide die weltbesten Fußballmannschaften und ich kann auf beide gleichermaßen stolz sein.

Die verschiedenen Facetten vom Leben mit mehreren Nationalitäten zeigen sich in vielen Bereichen des Lebens und nicht nur bei der Weltmeisterschaft. Doch egal, wo meine Nationen aufeinandertreffen, zwischen ihnen entscheiden werde ich mich nie und das muss ich auch nicht. Ich kann nur gewinnen und das ist eine der besten Seiten davon, zwei Nationalitäten zu besitzen.

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