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I-Fight-Depression-Tool: Wenn der Computer zum Therapeuten wird

Online-Therapie gegen Depression: Hilft das wirklich?
Online-Therapie gegen Depression: Hilft das wirklich? Neues Tool zur Bewältigung des Alltags 00:02:43
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Neue Online-Therapie gegen Depressionen

Wer unter Depressionen leidet, der braucht Hilfe - von erfahrenen Ärzten und Therapeuten. Gespräche und Therapien lassen sich nicht durch Computerprogramme ersetzen. Aber: Hilfe aus dem Internet kann die Behandlung leichter Depressionen unterstützen oder die Wartezeit bis zum Beginn einer Therapie überbrücken. Wir zeigen, wie eine Betroffene mit einem Online-Programm gelernt hat, den Alltag trotz Depression besser zu bewältigen.

Online-Programme sind kein Wundermittel, sondern eine Anleitung

Seit über einem Jahr leidet Yvonne Mädchen unter einer Depression. Sie wird in der Uniklinik Leipzig erst ambulant, später stationär behandelt. Ihre Ärztin gibt ihr den Tipp, sich neben der Therapie durch das sogenannte 'I-Fight-Depression-Tool' helfen zu lassen.

"Ich kann dadurch meinen Tag besser strukturieren. Ich sitze nicht mehr Stunden auf der Couch, sondern kann Sachen planen, an denen ich Freude habe, aber auch Pflichtaktivitäten wie Haushaltsarbeit", sagt Yvonne Mädchen. Sie trägt im sogenannten Aktivitätenprotokoll online oder handschriftlich ein, was sie für den jeweiligen Tag geplant hat und bewertet ihre jeweilige Stimmung auf einer Skala von 1 (schlecht) bis 10 (gut). Dabei muss sie eine Balance finden zwischen notwendigen Tätigkeiten wie Spülmaschine ausräumen und freiwilligen Aktivitäten wie ins Kino gehen. Das Schlafprotokoll macht die Auswirkungen der Aktivitäten am Tag zuvor sichtbar.

Das 'I-Fight-Depression-Tool' kostet nichts. Sind die Ärzte im Umgang damit geschult, können sie das digitale Hilfsprogramm für die Patienten freischalten. "Das kann eine Wartezeit überbrücken, bis eine richtige Psychotherapie losgeht, kann aber auch eine Stärkung der Selbsthilfe sein, bei Patienten die keine Therapie wollen", sagt Professor Dr. Ulrich Hegerl, Chef der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Auch Krankenkassen wittern im wachsenden Markt der Online-Helfer eine Chance. Denn obwohl diese bei einigen Anbietern bis zu 600 Euro kosten, ist das immer noch deutlich günstiger als 20 Stunden beim Psychotherapeuten. "Man weiß, dass solche Programme wahrscheinlich ähnlich gut wirken wie eine Psychotherapie", so Hegerl.

Doch die Online-Programme sind kein Wundermittel, sondern eine Anleitung für harte Arbeit. Um zumindest die Symptome der Depression ein Stück weit zu bekämpfen. Digitale Hilfe zur Selbsthilfe unter ärztlicher Aufsicht. Das ist ein weiterer Baustein im Kampf gegen die Volkskrankheit Depression.

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