Platte Story, aber tolle Kampfszenen: 'Ninja Assassin'

 

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? Zumindest in Hollywood wohl niemand, denn auch wenn das Genre der Ninjafilme bereits seit geraumer Zeit existiert, sind die fernöstlichen Killer in größeren Produktionen höchstens für Lacher à la „Beverly Hills Ninja“ gut. Abgesehen von wenigen älteren Ausnahmen wie “American Fighter“ oder “Karate Kid“ führt der Martial-Arts-Film immer noch ein Nischendasein. Fast ein wenig verwunderlich, schließlich konnten asiatische Produktionen wie „Tiger And Dragon“ oder “Hero“ weltweit ein großes Publikum begeistern. Das dachte sich wohl auch „V wie Vendetta“-Regisseur James McTeigue, holte die Wachowsky-Brüder (‚Matrix’) wieder als Produzenten mit ins Boot und präsentiert mit „Ninja Assassin“ nun einen auf Hochglanz polierten Vertreter dieses Genres.

Wer bei einem Film mit dem Titel “Ninja Assassin“ ins Kino geht, dürfte bereits die richtige Erwartungshaltung haben, denn eigentlich sagt der Name schon alles. McTeigue präsentiert dem Zuschauer jede Menge vermummte Männer in schwarzen Kostümen, die sich gegenseitig das Licht aushauen. Punkt. Wer Tiefgang, intelligente Dialoge und eine abendfüllende Story sucht, der ist hier fehl am Platz. Die Geschichte ist dementsprechend schnell erzählt. Raizo (der koreanische Popstar Rain, der schon in „I’m A Cyborg, But That’s Okay“ als Schauspieler überzeugte) zählt zu den gefährlichsten Auftragskillern der Welt: Der Ozuno-Clan holte ihn als Kind aus der Gosse und bildete ihn in einer als Waisenhaus getarnten fernöstlichen Ninja-Schule zu einer perfekten Tötungsmaschine aus: lautlos, schnell effektiv. Nun führt er für die Organisation weltweit Auftragsmorde aus.

Vom Leiter des Clans, Lord Ozuno (Martial-Arts-Legende Sho Kosugi), wird Raizo zwar zu einem unerbittlichen Killer ausgebildet, gleichzeitig verliert er aber auch sein Herz an die Kampfsportschülerin Kiriko. Sie versucht Raizo davon zu überzeugen, dass es ein besseres Leben außerhalb des Dojos gibt. Als der Clan sie als Strafe für ihren Fluchtversuch hinrichtet, bricht Raizo mit der Organisation und bereitet seine grausame Rache vor. Ihm auf den Fersen ist die Europol-Agentin Mika Coretti (Naomie Harris, spielte die schräge Tia in „Fluch der Karibik“ 2 & 3), die in Berlin auf die dunklen Geschäfte des Ozuno-Clans aufmerksam geworden ist und nun selbst zur Zielscheibe wird.

Zwar erzählt McTeigue in Rückblenden nach und nach die Geschichte von Raizos schmerzhafter Ausbildung und gliedert parallel dazu die Agentin Mika Coretti in die Handlung ein, im Zentrum stehen aber ganz klar die zahlreichen Kampfszenen. Bereits zu Beginn darf man feststellen, dass „Ninja Assassin“ nicht ohne Grund eine FSK-18-Freigabe erhalten hat. Die stets düstere Bildgestaltung im Film-Noir-Stil steht im Kontrast zu dem grellen Rot des gleich tanklasterweise vergossenen Kunstbluts: In Nahaufnahme werden munter Schädel gespalten, Arme und Beine abgehackt und Köpfe von den Schultern gehauen. Ganz eindeutig nichts für Leute mit schwachem Magen – aber den dürfte die hauptsächlich männliche und kampffilmerprobte Zielgruppe wohl mitbringen.

“Ninja Assassin“ schafft es trotz überwiegend unspektakulärer Dialoge, zwischendurch den einen oder anderen Lacher einzubringen. Hauptfigur Raizo gibt sich ohnehin maulfaul und introvertiert und präsentiert lieber mit nacktem Oberkörper und öligen Muskelpaketen seine Kampfsport-Skills. Die können sich allerdings, wie ohnehin die gesamten Actionszenen, sehen lassen: Was „Ninja Assassin“ bei den Dialogen fehlt, gleicht der Film durch gute Choreographien und ausgezeichnete Stunt-Sequenzen wieder aus. “Ninja Assassin“ hält, was der Name verspricht und so bekommt der Kinozuschauer einen lupenreinen und düsteren Ninjafilm mit allen Martial-Arts-Stilen serviert. Damit wird McTeigue sicherlich keine Hollywood-Geschichte schreiben, aber Fans des Genres und Freunde gut inszenierter Fightszenen à la ‚Kill Bill’ sicher mehr als zufriedenstellen.

Von Timo Steinhaus

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