Kinder kriegen in der Krise? Eine absurde Idee eines Professors
Kinder kriegen gerade in der Krise?
Irgendwie möchte jeder von uns mal insgeheim Gott spielen, aber Professor Ulrich Blum, Chef des Wirtschaftinstitutes IHW, macht das ganz öffentlich. Genau wie der allmächtige Schöpfer aus der Bibel rät er uns: Kriegt Kinder! Diese Auffroderung unterscheidet sich von: "Seid fruchtbar und mehret Euch!" nur unwesentlich, oder?! Das Motiv, das sich dahinter vermuten lässt, liegt bei einem Mann seines beruflichen Schlages aber wohl kaum in dem Wunsch begründet, demnächst in ganz viele süße Babykulleraugen zu blicken. Der Mann ist ein Rechner: Unsere Wirtschaft braucht zukünftig dringend schlaue Köpfe und Rentenzahler. Aber deswegen bekommt man keine Kinder - sondern aus Liebe.
Von Merle Wuttke
Glaubt der Mann wirklich, dass sich Menschen, die nicht wissen, ob sie nächsten Monat noch ihren Job haben oder wie lange das Unternehmen, bei dem sie arbeiten noch Schichten fahren wird, in der aktuellen Situation darauf einlassen, Kinder zu zeugen?! Und eine junge Frau, die gerade ihren Arbeitsplatz verloren hat, hat vielleicht ein paar andere Probleme als sich sofort mit Verve um ihren Fruchtbarkeitskalender zu kümmern. Die fragt sich nämlich vielleicht so unwichtige Dinge wie: Wann und wo finde ich wieder Arbeit? Wie kann ich mich weiter qualifizieren und was kostet mich das? Kann ich das überhaupt bezahlen? Werde ich mal genug Rente zum Leben haben? Die möchte erst einmal selbst sehen, wo sie bleibt - und das zu recht - bis sie sich zutraut, auch Verantwortung für Nachwuchs zu übernehmen.
Trümmerfrauen der Finanzkrise
Aber irgendwie war das ja klar: Unser Geschlecht, seit Jahrhunderten daran gewöhnt, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, den die Typen hinein gesetzt haben, soll wieder dafür herhalten, das Beste aus der Situation zu machen. Man denke nur an die Trümmerfrauen des Zweiten Weltkrieges. Doch statt Steine zu stapeln oder Kaffee und Mehr zu schmuggeln, sollen wir jetzt Kinder bekommen. Weil ein paar Männer in schicken Anzügen und noch schickeren Büros in ihren schicken Banken sich leider etwas selbst überschätzt und ein bisschen verrechnet haben - nein danke.
Nie wieder die Dummen
Im Zweifelsfalls sind es nämlich dann auch wir, lassen wir uns auf das Experiment "Krisenbaby" ein, allein mit eben diesem dastehen, wenn der Mann an unserer Seite plötzlich keine Lust mehr auf Windelwechseln und nächtliches Gequake hat und die kinderlose Kollegin an seinem neuem Arbeitsplatz auf einmal viel anregender findet. Ne, meine Herren, so blöd sind wir nicht mehr. Wenn wir uns schon, wie eine große Frauenzeitschrift in ihrer aktuellen Ausgabe treffend fest stellt, die Erziehung unserer Kinder ausschließlich von Männern vorschreiben lassen (Bueb, Winterhoff, Bergmann), dann bestimmt nicht noch ihre Zeugung.














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