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HPV-Impfung wirkt: Infektionen bei Jugendlichen um zwei Drittel gesenkt

HPV-Impfung wirkt: Infektionen bei Jugendlichen wurden gesenkt

Die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs (HPV) ist wirksam. Laut einer US-Studie haben sich die Infektionen bei Jugendlichen um zwei Drittel reduziert. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die HPV-Impfung mittlerweile für Mädchen ab neun Jahren. Viele Eltern sehen das aber kritisch.

Von Jutta Rogge-Strang

"Wir sehen die Auswirkungen des Impfstoffes, wie die Linie der Infektionen nach unten geht, und das ist unglaublich spannend", so Dr. Amy B. Middleman, Chefin der Jugendmedizin an der University of Oklahoma Health Sciences Center, zur 'New York Times': "Eine Minderheit von Frauen in diesem Land wurden immunisiert, aber wir stellen jetzt fest, dass die gesundheitlichen Auswirkungen sehr groß sind.“

Vor zehn Jahren wurde der Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs (HPV) eingeführt, um die sexuell übertragbaren Papillomaviren zu bekämpfen. Die Impfstoffe Gardasil und Cervarix wirken jedoch nur gegen vier bzw. zwei Typen des Papillomavirus, ein neuer Impfstoff, der gerade im Zulassungsverfahren ist, soll gegen sieben HP-Viren schützen. Mittlerweile sind über hundert HPV-Untertypen identifiziert, davon sind neun HPV-Typen für rund 85 Prozent der Krebsvorstufen am Gebärmutterhals verantwortlich. Schon heute konnten die Infektionen um zwei Drittel gesenkt werden, vermelden die US-Forscher: "Der Impfstoff ist wirksamer, als wir dachten", so Debbie Saslow, Gesundheitsexpertin bei der American Cancer Society.

Nur 40 Prozent aller 14 bis 17-Jährigen sind geimpft

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt seit 2014 die HPV-Impfung für Mädchen zwischen neun und 14 Jahren. Die frühzeitige Impfung vor Beginn der sexuellen Aktivität sei wichtig, denn nach einer Infektion sinke die Wirksamkeit der Impfstoffe deutlich ab. Eltern machen sich jedoch Sorgen, wenn ihre Kinder geimpft werden sollen: Zu groß ist die Sorge vor Nebenwirkungen. Weltweit wurden Millionen von jungen Mädchen geimpft, und wie bei jeder anderen Impfung auch gibt es Nebenwirkungen: Die reichen von Fieber und Schmerzen, Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle über Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Müdigkeit und Muskelschmerzen. Auch allergische Reaktionen wie Juckreiz und Hautausschläge sind möglich, in seltenen Fällen kommt es zu Schwindelanfällen und Ohnmacht, die in sehr seltenen Fällen auch lebensbedrohlich sind.

Kritisiert wurde zudem die (vor-) schnelle Impfempfehlung, ohne gesicherte Studien, die eine Wirksamkeit der Impfung belegen. Hätte man jedoch 10 bis 20 Jahre gewartet, "dann hätte die Impfkommission einige Tausend Tote auf dem Gewissen gehabt", verteidigte der Vorsitzende der Impfkommission Friedrich Hofmann 2008 die Impfempfehlung.

Heute nach zehn Jahren liegen die ersten Ergebnisse vor – und sind positiv. Aber trotz guter Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten sind in Deutschland nur etwa 40 Prozent aller 14- bis 17-jährigen Mädchen vollständig gegen HPV geimpft. Ziel der Impfungen ist es aber, eine so genannte "Herdenimmunität" zu erreichen, die dafür sorgt, dass ein so hoher Anteil der Bevölkerung immunisiert ist, dass sich die Viren nicht weiterverbreiten können. Und wenn es eine Chance gibt, sich gegen Krebs zu schützen, sollte man sie nutzen. Letztlich entscheiden müssen das aber die Eltern.

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