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Hotpants-Verbot in der Schule: Schule erstellt gemeinsam mit Schülern eine Kleiderordnung

Mädchen gehen in Hotpants zur Schule.
Schüler in Horb haben sich selbst Kleiderregeln aufgestellt. © Getty Images/iStockphoto, AntonioGuillem

Hotpants-Verbot bereitet aufs Arbeits-Leben vor

Mädchen dürfen keine Hotpants tragen: Wer in 'aufreizender Kleidung' in die Schule kommt muss sich während der Schulzeit ein XXL-T-Shirt überziehen. Diese Anordnung einer Direktorin sorgte vor einem Jahr für mächtig Wirbel. Shitstorm inklusive. Ein Jahr später ist es wieder Sommer. Die Shorts der Mädchen schrumpfen zu Hotpants. Jungs laufen in Muscle-Shirts mit winzigen Trägern herum – und an der betreffenden Schule gibt es passend zu den Temperaturen eine neue Kleiderordnung. Ich halte das für die richtige Entscheidung.

Von Ursula Willimsky

Eines vorneweg: Natürlich kann ich einige Argumentation der Kritikerinnen von damals – und vermutlich auch von heute – nachvollziehen. Wenn Mädchen zum Beispiel generell das Tragen von Hotpants verboten wird, kann da im Hintergrund der Gedanke mitschwingen, dass Mädchen selbst schuld an sexistischen Blicken oder Schlimmeren sind. Hätten sie sich halt anders angezogen! Und so weiter, und so fort.

Aber beim Thema "Was ziehe ich für die Schule an?" geht es meiner Meinung nach nicht um generelle Verbote, sondern darum, wie man sich einer Situation angemessen kleidet. Und das hat – so sehe ich es – nichts mit Sexismus zu tun. Sondern mit der Frage, wie man seine Schülerinnen und Schüler auf das Erwachsenen-Leben und speziell aufs Arbeits-Leben vorbereitet.

Mir will so recht kein Argument einfallen, weshalb nicht auch schon Jugendliche zwischen Arbeit (= Schule) und Vergnügen (= Einkaufszentrum, Freibad, Baggersee…) unterscheiden und dies auch durch ihr äußeres Erscheinungsbild zum Ausdruck bringen sollten. Zu Omas 80sten Geburtstag im Restaurant erscheint man ja auch einigermaßen bis richtig anständig angezogen und nur in Ausnahmefällen (Oma hat ein paar wilde Jahre in der Kommune hinter sich) in zerrissener Jeans.

Dass der optische Eindruck, den man hinterlässt, nicht nur bei Familienfeiern wichtig ist, betont unter der Überschrift "Leistung hat doch nichts mit dem Äußeren zu tun" auch der Azubi-Atlas der IHK Bonn/Rhein-Sieg: "Die Leistung ist am wichtigsten, warum also Gedanken an das richtige Outfit verschwenden? Ganz einfach – Kleidung kommuniziert. Wer durch seine äußere Erscheinung bereits einen kompetenten Eindruck macht, muss weniger Energie aufbringen, um einen inkompetenten Eindruck wettzumachen."

Auf derselben Seite finden sich dann auch ein paar Tipps, um mit möglichst wenig Stress - wer wünscht sich das nicht? - ins Berufsleben zu starten. Angefangen von der grundlegenden Frage, welche Erwartungen man erfüllen muss (Kreativ? Schick? Konservativ? Locker?) bis zu dem naheliegenden Tipp, sich an anderen Kollegen zu orientieren und eine Kleidung zu wählen, die der Tätigkeit angemessen ist (womit wir wieder beim Thema Schule wären).

Schüler haben eigene Kleiderordnung erstellt

Alles Äußerlichkeiten, schon klar. Aber die haben nun mal eine Wirkung. Wenn mein Bankberater in seiner Freizeit gerne als Go-Go-Tänzer auftritt, darf er das gerne machen. Wenn er mich über Möglichkeiten der Altersvorsorge aufklärt, bin ich aber eher geneigt, ihm Kompetenz zuzusprechen, wenn er mehr trägt als ein knappes Satin-Höschen. Und vermutlich fühlt er sich bei diesem Anlass im Anzug auch wohler. Auch Uniformen geben ja ein bisschen Identität und Sicherheit.

Eine nicht ganz repräsentative Umfrage bei einer einzelnen Mutter, die mir beim Kaffeeholen über den Weg gelaufen ist, bestätigt mich übrigens in meiner Meinung. Sie hätte sich für ihre beiden Jungs sogar eine Schuluniform gewünscht: Keine Diskussionen über das, was man anzieht. Alle sind gleich gekleidet und die Lehrerinnen haben das Gefühl, vor einer Schulklasse zu stehen und nicht vor einer Teenager-Gruppe, die auf dem Sprung an den Ballermann ist. Ihrer Meinung nach würde das das Lernklima in den Schulen positiv beeinflussen.

Ein Gedanke, der sich mit dem deckt, was manche Freiberufler erzählen: Viele von ihnen sind am heimischen Schreibtisch so richtig produktiv nur, wenn sie sich wie fürs Büro anziehen – ordentliches Schuhwerk inklusive. Die Tage, in denen sie in der Schlumpel-Hose vorm PC gammeln, sind auch vom Ergebnis her eher schlumpelig.

Weshalb sollten solche positiven Wechselwirkungen zwischen innerer Haltung und äußerer Erscheinung nicht auch schon bei Schulkindern funktionieren? Nach Unterrichtsschluss haben sie ja immer noch genug Zeit, um die neuen Trainingsshorts spazieren zu tragen.

In der vielgescholtenen Schwarzwälder Schule wurde nun jedenfalls eine 'Rote Liste' ausgelegt. Auf ihr steht, was in der Schule geht und was nicht. Zur letzteren Kategorie zählen unter anderem Bademäntel, Hausschuhe, Kostüme, zu tiefe Ausschnitte, bauchfreie Oberteile, Baggypants und eben zu kurze Hotpants. Die Liste entstand während einer Projektwoche – die Schülerinnen und Schüler haben sie selbst zusammengestellt. Was vermutlich eine prima Schule fürs spätere Leben war.

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