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Hormontherapie bei Kinderwunsch: Wie funktioniert das?

Kinderwunsch: Diese 9 Lebensmittel solltest du essen
Kinderwunsch: Diese 9 Lebensmittel solltest du essen Fruchtbarkeitssteigernde Ernährung 00:01:37
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Vor der Hormontherapie auf den Körper achten

Wie weh das tut! Alle paar Wochen greift eine Freundin mit verschwörerischer, glücksstrahlender Miene in ihre Handtasche und holt das gelbe Heftchen hervor, das beweist: Sie ist schwanger. Die Leute, mit denen man früher am Wochenende unterwegs war, kann man nur noch zu Hause besuchen, "so gegen 2, wenn der Kleine schläft. Und klingel bloß nicht!". Oder sie laden einen zu einem Spaziergang ein – mit Kinderwagen. Eigentlich schön, wirklich schön. Wenn nur nicht dieser Neid wäre auf all die, die ein Kind haben. Dabei würde alles passen: Die Partnerschaft. Der Job. Die Finanzen. Nur mit der Befruchtung klappt es nicht. Etwa jedes fünfte Paar in Deutschland ist ungewollt kinderlos. Vielen könnte eine Hormon-Therapie helfen, um doch noch dieses kleine Riesenglück in Armen halten zu können. Doch für wen ist eine derartige Therapie ratsam? Welche Risiken birgt sie? Und welche Erfolgsaussichten hat sie? Über diese Fragen sprachen wir mit Prof. Dr. Bettina Toth von der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg.

Hormontherapie bei Kinderwunsch: Wie funktioniert das?

Von Ursula Willimsky

Das Spezialgebiet der Leitenden Oberärztin sind Fertilitätsstörungen und die Gynäkologische Endokrinologie, die "Lehre von den Hormonen". Eine Expertin also für diese winzig kleinen Botenstoffe, die so viel Macht über unseren Körper und über unser Wohlbefinden haben. Und die uns unter anderem empfängnisbereit machen können. Was denn auch bei etwa 80 Prozent der Frauen innerhalb eines Jahres zur Schwangerschaft führt, wenn sie mit ihrem Partner aktiv an der Erfüllung des Kinderwunsches arbeiten. Etwa 20 Prozent werden allerdings nicht schwanger. Die Ursachen, so Toth, sind oft partnerschaftlich geteilt: Zu etwa 30 Prozent liegen sie beim Mann, zu etwa 30 Prozent bei der Frau. Bei den restlichen Paaren gelten die Ursachen als unklar.

Eine Hormontherapie übernimmt in der Regel die Kasse

Sie rät Paaren mit bisher unerfülltem Kinderwunsch, nach etwa einem Jahr an eine Hormonbehandlung zu denken. Frauen über 35, "vor allem, wenn sie mehrere Kinder wolle", sollten ihrer Erfahrung nach allerdings bereits nach etwa 6 Monaten eine derartige Therapie in Betracht ziehen und einen Beratungs-Termin bei einem entsprechenden Arzt vereinbaren.

Dort können Ursachen geklärt und müssen mögliche Vorgehensweisen individuell abgestimmt werden. Vor jeder Hormon-Therapie steht eine genaue Diagnostik. Mit Zyklus-Beobachtungen und Untersuchung beider Partner. Auch der Mann kann einiges tun, um die Fruchtbarkeit zu mehren: Zum Beispiel das Rauchen aufhören (macht die Spermien schlapp) oder sich nicht allzu warm kleiden (bringt das körpereigene Kühlsystem aus dem Takt und die Spermienproduktion leidet). Doch manchmal helfen auch die konsequentesten äußeren Veränderungen nichts. Und wenn es auf die hormonelle Ebene geht, "muss die Frau ran", formuliert es die Heidelberger Professorin.

Zuvor sollte allerdings auch sie auf sich und ihren Körper achten: In manchen Fällen bringt schon mehr Bewegung und eine Gewichtsreduktion den gewünschten Erfolg, denn "der Insulin-Spiegel kann über den Glucose-Stoffwechsel Einfluss auf den Hormonhaushalt haben." Besonders Frauen mit einem BMI jenseits der 30 sollten vor einer Kinderwunschbehandlung eine Gewichtsreduktion anstreben.

Manchmal hilft Abspecken allein allerdings nicht. Einer der häufigsten Gründe für eine ungewollte Kinderlosigkeit sei PCOS, das polyzystische Ovarial-Syndrom. Ein Überschuss an männlichen Hormonen im weiblichen Körper, der unter anderem zu Diabetes, erhöhter Zystenbildung, Zyklusbeschwerden und Unfruchtbarkeit führen kann. Im Körper der betroffenen Frauen kann die Eizelle nicht ausreifen. Oder die Frau produziert zu viel Prolaktin, ein Hormon, das eigentlich für den Milchfluss zuständig ist, aber auch den Eisprung hemmen kann. Eine weitere mögliche Ursache für Unfruchtbarkeit: die Ovarial-Insuffizienz, bei der es zu keinem Eisprung mehr kommt. Auch hier können – nach eingehender ärztlicher Untersuchung – Hormone helfen.

Wobei die Betonung auf "wohldosiert" liegt. Frauen müssen keine Angst davor haben, mit einer "Hormonbombe" konfrontiert zu werden. Toth: "Das sind meist ganz leichte Hormongaben in Form einer Spritze oder von Tabletten, die den Hormon-Haushalt regeln. Beim PCOS zum Beispiel hieven diese Hormone im Prinzip den Östrogenhaushalt auf ein normales Level. Die Frau hat nun einen normalen Zyklus, mehr nicht. Weshalb die Patientinnen im Grunde keinerlei Nebenwirkungen spüren."

Verabreicht werden unter anderem Clomifen, Metformin oder FSH (folikelstimulierendes Hormon), in strenger Absprache mit der behandelnden Ärztin. Und die sehen Frauen, die sich für eine Hormon-Therapie entschieden haben, ohnehin recht oft. Muss sie doch unter anderem überprüfen, ob tatsächlich Eizellen heranreifen. Wann die Ei-Bläschen so weit sind, dass man sie mit weiteren Hormonen unterstützen kann. Und auch: Wie viele Ovarien es denn sind. In diesem Zusammenhang rät die Expertin ganz deutlich dazu, während einer Hormonbehandlung strikt zu verhüten. Klingt zunächst widersinnig, macht aber Sinn: Erst muss klar sein, wie viele Eizellen am Start sind, bevor man sich an die Befruchtung machen kann – es besteht nämlich durchaus das Risiko einer Mehrlingsgeburt. Mit mehr als 2 oder 3 Kindern.

Die reine Hormontherapie wird – was viele Paare mit Kinderwunsch freuen dürfte - von den gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

In vielen Fällen wird die Frau dank ihres normalisierten Östrogenhaushaltes innerhalb von sechs Zyklen schwanger. Für die anderen bleibt der Weg der künstlichen Befruchtung und/oder die Gabe höherer Hormondosen. Diese können allerdings auch stärkere Risiken und Nebenwirkungen nach sich ziehen, wie das Gefühl des Aufgedunsen-Seins, Unterleibsschmerzen oder Gefühlsschwankungen. Aber auch – in sehr seltenen Fällen – Überstimulationssymptome, die intensiv ärztlich behandelt werden müssen.

Die schönste Nebenwirkung der kleinen – und auch der größeren – Hormongaben dürfte allerdings eine Schwangerschaft sein. Und das Wissen, dass man nach ein paar Monaten endlich auch darum bitten darf, dass niemand nachmittags einfach so an der Tür klingelt.

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