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Homosexuelle Eltern: Warum werden Schwule und Lesben als Eltern oft nicht akzeptiert?

Homosexuelle Eltern: Warum werden Schwule und Lesben als Eltern oft nicht akzeptiert?

Studien widerlegen, dass Kinder Mutter und Vater brauchen

Sind schwule Väter heutzutage echt immer noch so ein Aufreger-Thema? Offensichtlich schon! Denn unter dem dünnen Deckmäntelchen der Toleranz schwelen bei vielen eben doch noch ziemlich wüste Vorurteile. Es reicht ein kleiner Funke, um sie zu bösem Hass hochlodern zu lassen. Zum Beispiel das Foto eines winzigen Neugeborenen im Arm seiner frisch gebackenen Väter. Weltweit sorgt es für Aufsehen. Warum? Sind schwule oder lesbische Paare wirklich schlechtere Eltern?

Dagmar Baumgarten

Auch auf der "Frauenzimmer-Seite" wird über das Foto heftig diskutiert. Von "Glückwunsch, find ich toll", "das ist wunderschön" bis "einfach nur ekelhaft" und "ich halte nix davon"! Die Natur hat es so eingerichtet, dass Mann und Frau Kinder bekommen, und nicht Mann und Mann! Der arme Bub!"

Ist das der Grund für die Aufregung? Berührt uns das Thema so, weil wir immer noch fest ans "Papa-Mama-Kind-Modell" glauben? Das ist ja auch erstmal kein Wunder, weil die überwältigende Mehrheit genau damit groß geworden ist. Es entspricht der Norm, also empfinden wir es als normal. Aber ist das Un-Normale wirklich automatisch schlechter?

Ein Kind braucht Mutter und Vater! So denken insgeheim viele. Es gibt allerdings mittlerweile mehrere Studien, die genau das widerlegen. Eine australische Untersuchung kommt sogar zu dem Schluss, dass es Kindern von homosexuellen Paaren überdurchschnittlich gut geht. Sie seien nämlich gesünder und glücklicher als die Kinder von Hetero-Eltern.

Sind homosexuelle Paare womöglich die besseren Eltern? Denn nicht nur am anderen Ende der Welt schneiden sie so gut ab. Auch eine Studie der Universität Bamberg kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Die Studie, die unter der Leitung des bayerischen Staatsinstituts für Familienforschung durchgeführt wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass sich Kinder von gleichgeschlechtlichen Paaren mindestens genauso gut entwickeln wie Kinder heterosexueller Paare. In Beamtendeutsch heiß das: "Das Kindeswohl ist bei ihnen ebenso gewahrt wie in anderen Familien." Im Detail: Die Kinder entwickeln sich positiv, der schulische und berufliche Werdegang ist normal, und es gibt keine erhöhte Neigung zu emotionalen Unsicherheiten. Wenn es Unterschiede in der Entwicklung von Kindern in Regenbogenfamilien zu beobachten gebe, dann eher in positiver Weise, heißt es in der Studie.

Was machen denn die sogenannten "Regenbogeneltern" besser? Was sicher eine große Rolle spielt: Ihre Kinder sind alle Wunschkinder. Nicht dass es das bei Hetero-Paaren nicht gibt, aber der Aufwand, den gleichgeschlechtliche Paare betreiben müssen, um ein ‚eigenes’ Kind zu bekommen, ist enorm hoch. Nur wer sich sehr sicher ist, hält die lange Prozedur auch durch. Außerdem beschäftigen sie sich dadurch sehr ausführlich mit ihrer Rolle, und ihren Aufgaben als Eltern. Daraus entsteht eine sehr intensive Eltern-Kind-Beziehung, was die wichtigste Voraussetzung für ein glückliches Aufwachsen ist.

Homosexuelle Eltern sind sich ihrer Rolle bewusst

Dr. Marina Rupp, die stellvertretende Leiterin des Staatsinstituts für Familienforschung, erklärt es so: "Die Eltern sind sich ihrer speziellen Situation sehr bewusst und auch der Anforderungen, denen sie ihre Kinder aussetzen. Sie denken sehr viel darüber nach, wie sie ihre Kinder vorbereiten und unterstützen können, und erklären ihnen, dass es verschiedene Lebensformen gibt. Das fördert das Selbstwertgefühl und die Toleranz.“

Letzteres scheint einigen ‚Normal’-Aufgewachsenen leider immer noch zu fehlen. Klar ist das Thema Leihmutterschaft noch unter anderen Aspekten zu betrachten. Aber es gibt keinen Grund dafür, dass Schwule oder lesbische Paare keine Kinder haben sollten. Denn es ist längst mehrfach in großen Untersuchungen bewiesen worden: Adam und Adam oder Eva und Eva können mindestens genau so gute Eltern sein wie Adam und Eva.

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