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Homosexualität: Bestimmen Gene, wen wir lieben?

Homosexualität
© picture-alliance / dpa, Bonny Hakansson

Rätsel um Homosexualität geknackt?

Warum in allen Kulturen der Welt ein großer Teil der Menschen das gleiche Geschlecht liebt, war Forschern bislang ein Rätsel. Denn weder aus Gründen der Evolutionstheorie macht Homosexualität Sinn - schließlich geht es da vor allem um die Fortpflanzung zwischen den Geschlechtern - noch aus Gründen der Selektion. Falls gleichgeschlechtliche Liebe erblich wäre, hätte sie demnach irgendwann verschwinden müssen. Jetzt sind Forscher dem Rätsel wahrscheinlich auf die Spur gekommen.

Von Merle Wuttke

In manchen Familien tritt Homosexualität gehäuft auf, so sind z.B. die beiden Söhne des Politikers Lothar Bisky homosexuell, in anderen Familien gibt es dagegen nie ein homosexuelles Kind. Merkwürdig, denn so die Meinung von Wissenschaftlern, sollte Schwulsein doch erblich sein, hätte die Liebe zum gleichen Geschlecht dennoch im Laufe der Menschheitsgeschichte verschwinden müssen - rein evolutionstechnisch "bringt" es schließlich nichts, wenn Männer Männer lieben und Frauen Frauen.

Homosexualität in der Antike

Und während in der Antike Homosexualität einfach als weitere Spielart der körperlichen Liebe galt, für die sich niemand zu rechtfertigen brauchte, wurde die gleichgeschlechtliche Liebe Jahrhunderte später mit dem Teufel gleich gestellt. Die Weltgesundheitsorganisation listete Homosexualität noch bis vor 20 Jahren als "Krankheit" auf. Und bis heute gibt es die ewig Gestrigen, die Schwule "umerziehen" oder "bekehren" wollen, die meinen, Homosexualität sei widernatürlich und bedürfe der "Heilung".

Homophobie gibt es leider immer noch überall und in allen Milieus, sei es in der Politik, beim Sport oder in Kirche oder Schule. Da kann man nur hoffen, dass das Ergebnis aktueller Untersuchungen von Forschern der Universität von Kalifornien nun die reaktionären Köpfe endgültig überzeugt ihr hinterwäldlerisches Weltbild über den Haufen zu werfen. Die Wissenschaftler haben nämlich herausgefunden, dass gewisse Merkmale an Genen, die eigentlich nicht weitergegeben werden, eben doch von Zeit zu Zeit an die nächste Generation weitervererbt werden können.

So schützt etwa ein genetischer Marker den Fötus im Mutterleib vor zu viel oder zu wenig Testosteron bei der Entwicklung, sprich weibliche Babys bleiben weiblich, männliche männlich und dieser Marker bestimmt wohl auch die sexuelle Orientierung. Manchmal jedoch werden diese Marker von Müttern an Söhne und von den Vätern an ihre Töchter vererbt, was die Sache quasi umgekehrt. Weibliche Babys bekommen dann männliche Attribute, männliche weibliche - auch bei der sexuellen Ausrichtung. Das wiederum würde die Anziehung eines Mannes als Träger eines solches Marker zu einem anderen Mann erklären. Klingt kompliziert? Na, ist auch ein bisschen, aber ist die Sache mit der Liebe nicht immer ein bisschen kompliziert? Hauptsache ist doch, jeder darf denjenigen lieben, der am besten zu ihm passt - egal, was Darwin dazu sagen würde.

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