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"Homo-Unterricht“: Sollte Sexualkunde revolutioniert werden?

"Homo-Unterricht“: Sollte Sexualkunde revolutioniert werden?
Unterricht an einer Grundschule © picture alliance / dpa Themendie, Jens Schierenbeck

Grundschüler in Sachsen sollen über Homosexualität aufgeklärt werden

Die Linke in Sachsen würde Kindern gern schon in der Grundschule vermitteln, dass es nicht nur heterosexuelle Menschen gibt, sondern auch homo-, bi- trans- und intersexuelle. Ihr Argument: Die Vermittlung des Rollenbildes sei rückschrittlich. Die „Bild“ findet den Vorschlag empörend, sie spricht jedenfalls polemisch von „Schwul-Unterricht“ und einer „irren Idee“.

Von Christiane Mitatselis

Es gibt in Deutschland Kinder, die haben zwei Mütter. Oder zwei Väter. Und es sind längst keine Einzelfälle mehr. Das Bundesverfassungsgericht hat im Februar das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare gestärkt. Es wies dabei Bedenken zurück, dass es einem Kind schaden könne, bei gleichgeschlechtlichen Eltern aufzuwachsen. Man müsse vielmehr davon ausgehen, „dass die behüteten Verhältnisse einer eingetragenen Lebenspartnerschaft das Aufwachsen von Kindern ebenso fördern können wie in einer Ehe“, stellten die Richter fest.

Die klassische Ehe zwischen Mann und Frau ist schon lange nicht mehr das einzige Lebensmodell. Warum sollen Kinder also nicht schon in der Grundschule lernen, dass es ganz verschiedene Arten zu leben gibt? Dass schwule und lesbische Liebe genauso normal ist wie heterosexuelle. Dass es Menschen gibt, die ihr Geschlecht ändern möchten, weil sie dann glücklicher sind?

"Homo-Unterricht" soll mehr Toleranz schaffen

Wenn Cornelia Falken, die bildungspolitische Sprecherin der Linken, sagt, die bisherige Vermittlung des Rollenbildes von Mann und Frau sei „rückschrittlich“, dann hat sie völlig recht. Die Gesellschaft hat sich geändert, die Unterrichtsinhalte sollten dem Wandel angepasst werden.

In der Schule sollen Kinder aufs Leben vorbereitet werden – und je früher sie erfahren, dass es verschiedene, gleichberechtigte Lebensarten und -formen gibt, desto normaler werden sie ihnen erscheinen. So kann Toleranz entstehen. Und vielleicht wird „schwul“ dann eines Tages kein von Jugendlichen so häufig benutztes Schimpfwort mehr sein.

Und zwar trotz abwertender Berichterstattung à la „Bild“. Das Boulevardblatt deutet in seinem Bericht die Gefahr an, Kinder könnten durch einen solchen Unterricht in die Homosexualität getrieben werden und zitiert dazu die erzkatholische Soziologin Gabriele Kuby (68). Zum Glück werde der Vorschlag der Linken aber wohl an der Mehrheit der sächsischen CDU scheitern, heißt es weiter.

Es ist gruselig, so zu argumentieren. Denn es klingt, als sei Homosexualität eine Krankheit, die durch falsche Erziehung entstehen könne. Und dabei ist wissenschaftlich belegt, dass Homosexualität eine Veranlagung ist, die nicht anerzogen werden kann.

Das Projekt der Linken ist keinesfalls „irre“, sondern vernünftig und fortschrittlich – und wird hoffentlich eines Tages umgesetzt werden.

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