Home-Office: Ist Arbeiten von Zuhause eine gute Möglichkeit?

Home-Office: Ist Arbeiten von Zuhause eine gute Möglichkeit?
© picture alliance / dpa Themendie, Bodo Marks

Von der Leyen und Schwesig machen Home-Office

Die Mütter in der Großen Koalition wollen Zeichen gegen die Präsenzpflicht im Job setzen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) plant, einen Teil ihrer Arbeit zu Hause zu erledigen, um mehr Zeit für ihre Kinder zu haben. Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) schwebt ein ähnliches Modell vor. Ist Home Office DIE Lösung für berufstätige Mütter?

Von Christiane Mitatselis

Dank digitaler Vernetzung ist es in vielen Berufen rein technisch kein Problem, zu Hause ein Büro einzurichten. Man kann sich ins Firmennetz einwählen, an Konferenzen per Skype teilnehmen, Emails schreiben und beantworten. Natürlich kommt Derartiges nicht für Pilotinnen, Ärztinnen oder Verkäuferinnen in Frage – wohl aber für Bürokaufleute, Online-Redakteure oder Projektmanager. Niemand muss unbedingt im Firmenbüro weilen, wenn er etwa Statistiken auswertet oder Präsentationen entwirft.

Viele Firmen sind inzwischen offen für Home Office. Gut organisierte Heimarbeiter können dem Arbeitgeber gute Dienste leisten. Eine Untersuchung der Universität Stanford in den USA ergab, dass Angestellte im Home Office sich seltener krank melden, weniger Pausen einlegen und weniger abgelenkt werden, so dass die Produktivität steigt – angeblich sogar um ein Fünftel.

Die Angestellten haben ihrerseits den Vorteil, dass sie Zeit sparen, da Wege wegfallen. Besonders Müttern mit kleinen Kindern, die ja meistens multitasken müssen, kommt das sehr entgegen. Natürlich muss der Nachwuchs aber auch während der Home-Office-Zeiten betreut werden. Mit einem Kind auf dem Schoß lässt sich kein Job adäquat erledigen.

Karriere auch im Home-Office möglich?

Überhaupt hat Heimarbeit auch ihre Tücken. Die Ministerinnen haben leicht reden, sie sind Chefinnen und können nicht ausgebootet werden. Gewöhnlichen Angestellten im Home Office kann dies aber passieren. Wer physisch nicht präsent ist, wird leicht übergangen, wenn der Chef ein neues Projekt vergibt. Er bekommt zudem nicht mit, was auf dem Flur geplaudert wird, ist nicht auf dem neusten Stand, was Entwicklungen in einem Unternehmen angeht. Zudem werden Heimarbeiterinnen gern als Muttis abgestempelt, die zu Hause aus Gründen der Selbstverwirklichung ein bisschen vor sich hin werkeln – und somit nicht für voll genommen.

Die amerikanische Top-Managerin Marissa Mayer, selbst Mutter eines kleinen Kindes, sorgte 2012 als Home-Office-Gegnerin für Schlagzeilen. Als sie ihren Führungsposten bei Yahoo antrat, holte sie alle Mitarbeiter aus der Heimarbeit zurück in die Firmenzentrale. Mayers Argumente: Kommunikation sei wichtig. Man müsse Seite an Seite arbeiten. Die besten Ideen entstünden nicht, wenn allein zu Hause arbeitet, sondern in Kantinengesprächen, auf dem Flur oder in spontanen Meetings.

Wie so oft, liegt auch hier die Wahrheit in der Mitte. Eine Mischform aus Home Office und Arbeitstagen in der Firma kann eine gute Lösung für berufstätige Mütter sein. In vielen Jobs lässt sich ein Teil der Arbeit – so wie es den Ministerinnen vorschwebt – tatsächlich perfekt zu Hause erledigen, vor allem eher administrative Tätigkeiten. Anwesenheit in der Firma ist aber gerade dann wichtig, wenn man im Beruf vorankommen will. Wer präsent ist und mit Kollegen und Chefs spricht, nimmt teil an kreativen Prozessen und Entwicklungen – und kann sie beeinflussen.

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