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Hochbegabtenförderung: Hochintelligentes Kind richtig unterstützen

Hochbegabte Kinder müssen gefordert und gefördert werden

Laetitias Hände fliegen über die Tasten. Sie spielt auswendig. Noten braucht die 10-Jährige nicht. Schon gar nicht bei dieser Komposition. Es ist ihre eigene! Etwa 30 Lieder hat Laetitia schon komponiert. Spielt dazu noch Klassiker von Mozart und Bach problemlos auswendig. Sie hat einen hohen Anspruch an sich selbst. Das Mädchen hat einen Intelligenz-Quotienten von 144. Ein Ausnahmetalent - auch unter Hochbegabten.

Hochbegabtes Mädchen spielt Klavier
Laetitia spielt ohne Noten Klavier und komponiert sogar selber

Mit 14 Monaten zählt Laetitia bis Zehn. Als sie dreieinhalb ist, kann sie schreiben und bis 20 rechnen. Mit vier Jahren kommt sie auf eine internationale Schule. Der Unterricht ist auf Englisch. Schon bald spricht sie diese Sprache fließend. Zurzeit besucht sie die siebte, achte und in Englisch sogar die neunte Klasse eines privaten Gymnasiums. Nebenbei lernt Laetitia auch noch Latein.

Ständiger Input - egal auf welcher Sprache. Annette Hahn ist den ganzen Tag damit beschäftigt, den Wissensdurst ihrer Kinder zu stillen. Denn Laetitia ist nicht das einzige Kind in der Familie mit einem IQ von über 140. Mit gerade mal vier Jahren kann Bruder Philipp schon lesen, und zwar nicht nur auf Deutsch.

Seit ein paar Wochen lernt Philipp jeden Tag neue englische Vokabeln. Er besteht darauf. In den Kindergarten geht er nicht. Es gibt in der Nähe keine Einrichtung, die mit hochbegabten Kindern und ihren speziellen Bedürfnissen Erfahrung hat. Deshalb hat Annette Hahn beschlossen, ihre Arbeit als Doktorandin in der Universität zu unterbrechen und zu Hause für ihre Kinder da zu sein. Von einen Vollzeitjob in den anderen: Wunderkind Philipp hinterfragt fast alles und schläft dafür nur selten eine Nacht durch.

Auch wenn es Nerven kostet: Annette und Christian Hahn wollen den Wissensdurst ihrer Kinder auf keinen Fall eine Grenze setzen. Beide sind selbst hochbegabt.

Bei den meisten Menschen in Deutschland liegt der Intelligenzquotient zwischen 90 und 110. Weicht der Wert nach unten ab, spricht man von einer Intelligenzminderung. Ab einem IQ Wert von 130 ist man hochbegabt und übersteigt der IQ-Wert 145 ist der Mensch sogar höchstbegabt. Weil eine Hochbegabung nicht immer offensichtlich sein muss, bleibt - so sagen Experten - jedes dritte hochintelligente Kind unentdeckt. Es landet im Zweifel sogar auf einer Förderschule, weil die Langeweile im Unterricht als Unbeschulbarkeit missverstanden wird.

Gesellschaft akzeptiert kaum hochintelligente Kinder

Außergewöhnlich klug ist auch Jamie aus Bochum. Obwohl er gerade erst fünf geworden ist, besucht er schon die zweite Klasse. Unterfordert ist er trotzdem. Vor allem im Fach Mathematik.

Vierstellige Zahlen sind für Jamie kein Problem! Anschnallen lässt er sich dagegen noch von Mama. Motorisch hängt der Fünfährige seinen Altergenossen etwas hinterher. Dafür arbeitet sein Gehirn ständig. Schon mit 18 Monaten kann Jamie die meisten der Fußballnationen aus den Qualifikationsrunden der WM 2010 auswendig. Im Kindergarten war Jamie nicht lange, wird mit vier Jahren eingeschult. Heute beschäftigen den Fünfjährigen weitaus komplexere Themen als Nationalflaggen.

Mit einem Jungen mitzuhalten, dessen IQ bei 141 liegt – das ist für Dina Biernath oft auch schwer. Die alleinerziehende Mutter ist selbst nicht hochbegabt, kann sich keine teure Privatschule für Jamie leisten. Ein echtes Problem, denn mit seinen Fähigkeiten passt Jamie nicht ins gewohnte System. Also hängt es an der jungen Mutter, ihren Sohn neben der Schule selbst zu fördern. Das macht sie, bis sie Post bekommt: Weil Jamie in seiner alten Schule auf einmal verhaltensauffällig wird, alarmiert die damalige Schulleitung das Jugendamt. Der Vorwurf: Dina Biernath soll ihren Sohn überfordern.

Hochbegabt ist, wer einen Intelligenzquotienten von über 130 hat. Die Kinder müssen im Test Fragen beantworten und beweisen, dass sie logische Schlussfolgerungen ziehen können. Am Ende entscheidet die erreichte Punktzahl über die Intelligenz des Kindes. Vier Stunden lang volle Konzentration. Und die heimliche Hoffnung bei den Eltern, dass die Leistung der Kinder nicht ausreicht - auch aus Angst, dem Kind dann nicht mehr gerecht werden zu können.

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