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Hirntumor: Neue Impfung könnte Tumorwachstum stoppen

Hirntumor: Neue Impfung könnte Tumorwachstum stoppen
Ein neuer Impfstoff könnte das Wachstum von Hirntumoren stoppen © picture-alliance/ ZB, Jan-Peter Kasper

Impfstoff hemmt Tumor-Wachstum bei Mäusen

Ein Tumor im Gehirn gilt als einer der am schwierigsten zu behandelnden Arten von Krebs. Bestrahlung und Chemotherapie schlagen nicht immer an und eine Operation bringt gesundes Gewebe in Gefahr. Jetzt gibt es einen medizinischen Fortschritt: Ein neuer Impfstoff stoppt laut einer neuen Studie das Wachstum von Hirntumoren in Mäusen, das berichtet der 'Spiegel'.

Bislang testeten die Forscher den neuen Wirkstoff nur an Mäusen. Dort schlug er an und hemmte das Tumorwachstum. Ein solcher Impfstoff wäre ein medizinischer Durchbruch in Sachen Hirntumor-Bekämpfung. Anfang 2015 wollten die Mediziner den Stoff auch an menschlichen Patienten in Deutschland prüfen.

Die neue Behandlungsmethode zielt speziell auf Gliome ab, die häufigste Art der Hirntumore. 70 Prozent der Gliome tragen die exakt gleiche Genmutation, aus der die Krebszellen immer das gleiche Protein herstellen und in ihrer Oberfläche einbauen. "Mit einer Impfung, die das Immunsystem des Patienten gegen das veränderte Protein scharfmacht, könnten wir den Tumor bekämpfen, ohne gesunden Zellen zu schaden", sagt Michael Platten, der die Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) leitete.

Bei den getesteten Mäusen wurde das Tumor-Protein nachgebaut und nach der Impfung entdeckten die Forscher Antikörper, die im Mäusekörper gegen das Protein gebaut wurden. Das Immunsystem kämpfte also eigenständig gegen die Tumorzellen, so dass sich der Krebs nicht weiter ausbreiten konnte.

Hoffnung auf Wirkung beim Menschen

Bei den getesteten Mäusen wurde das Tumor-Protein nachgebaut und nach der Impfung entdeckten die Forscher Antikörper, die im Mäusekörper gegen das Protein gebaut wurden. Das Immunsystem kämpfte also eigenhändig gegen die Tumorzellen, so dass sich der Krebs nicht weiter ausbreiten konnte.

In Deutschland erkranken jährlich etwa 7.000 Menschen an einem bösartigen Hirntumor. 40 Prozent dieser Tumore sind Gliome. Michael Platten und seine Kollegen wollen Anfang 2015 beginnen die Impfung an Patienten in Deutschland zu Testen. Die Forscher haben Hoffnung, dass der Stoff Wirkung zeigen wird.

"Bei einigen Patienten mit niedriggradigen Gliomen haben wir spontane Immunreaktionen gegen den veränderten Proteinabschnitt gefunden", erklärt Platten. Dies nehmen die Mediziner als gutes Zeichen, da es den Kampf des körpereigenen Immunsystems zeigt und die neue Impfung diesen Kampf unterstützen könnte.

Selbst wenn sich die Impfung bewährt, lässt sie sich nicht direkt auf andere Krebsarten übertragen. Bei anderen Tumorarten ist eine derartige Übereinstimmung der genetischen Veränderung wie bei Gliomen nicht bekannt.

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