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Hirntod: Was bedeutet das eigentlich?

Der Hirntod ist schwer zu diagnostizieren
Hirntot oder nicht? Ärzte müssen diese Frage durch ein aufwendiges Verfahren klären. © dpa, Angelika Warmuth

Der Hirntod ist extrem schwierig zu diagnostizieren

Ist der Patient tot oder nicht? Diese Frage ist selbst für Ärzte offenbar gar nicht so einfach zu beantworten. Wie die 'Süddeutsche Zeitung' berichtet, werden in deutschen Krankenhäusern immer wieder Menschen fälschlicherweise für hirntot erklärt. Aber wie kann so etwas passieren? Und was bedeutet der Begriff Hirntod eigentlich?

Merkwürdig, aber wahr: Bis heute ist der Tod weder im Bürgerlichen Recht noch im Strafrecht klar definiert. Bis 1952 galt der 'irreversible Kreislaufstillstand' - also der Ausfall von Herz und Lungen - als Todeskriterium Nummer eins. Das änderte sich mit der Erfindung der Herz-Lungenmaschine im Jahr 1952. Denn seitdem ist es möglich, den Herzschlag und die Atmung aufrechtzuerhalten, obwohl der Organismus aus eigener Kraft nicht mehr dazu in der Lage wäre. Mediziner einigten sich daraufhin auf den Hirntod als wichtigstes Todeskriterium.

Mit dem Begriff Hirntod ist der Organtod des Gehirns gemeint - der unumkehrbare Ausfall aller Funktionen in Kleinhirn, Hirnstamm und Großhirn. Das Problem: Der Hirntod ist extrem schwierig zu diagnostizieren. Ob ein Mensch noch atmet oder ob sein Herz noch schlägt, erkennen im Zweifel auch medizinische Laien. Ob das Gehirn noch arbeitet, muss dagegen von Ärzten überprüft werden - denn der Körper eines Hirntoten wirkt teilweise sehr lebendig: Hirntote schwitzen, sie haben einen Herzschlag, sie scheiden Urin und Kot aus.

Ob ein Patient tatsächlich hirntot ist, müssen zwei speziell ausgebildete Ärzte mit mehrjähriger Erfahrung in der Behandlung von Intensivpatienten unabhängig voneinander nachweisen. Dafür hat die Bundesärztekammer ein dreistufiges Verfahren festgelegt. Die genaue Diagnose ist wichtig, denn der Hirntod ist gleichzeitig die Voraussetzung dafür, dass der Patient als Organspender in Frage kommt. Einem Herztoten werden keine Organe entnommen.

Nach den Richtlinien der Bundesärztekammer müssen für eine Hirntod-Diagnose folgende Bedingungen erfüllt sein:

1. Es muss eine akute Hirnschädigung vorliegen - beispielsweise durch einen Hirninfarkt, einen Tumor, schwere Verletzungen, eine Sauerstoffunterversorgung oder Entzündungen.

2. Das Erlöschen der Hirnfunktion darf nicht auf andere Ursachen zurückzuführen sein - wie etwa auf eine Vergiftung oder die dämpfende Wirkung von Medikamente.

3. Es müssen bestimmte klinische Symptome für den Hirntod zu erkennen sein: lichtstarre Pupillen, Bewusstlosigkeit ohne Reaktionen auf Schmerzreize (Koma) und ein Ausfall der Spontanatmung.

Die Unumkehrbarkeit des Hirntodes ist erst nachgewiesen, wenn ein zweiter Untersuchungsdurchgang nach einer Wartezeit von zwölf Stunden bis drei Tagen die gleichen Ergebnisse bringt. Alternativ können die Ärzte auch eine apparative Untersuchung als Ergänzung durchführen. Ein sogenanntes Null-Linien-Elektroenzephalogramm (EEG) muss über einen bestimmten Zeitraum die komplette elektrische Inaktivität des Gehirns belegen. Erst dann gilt der Patient offiziell als hirntot.

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