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Hillary Clinton kandidiert als US-Präsidentin: Eine Feministin will an die Spitze

Nimmt Hillary Clinton das Ruder in die Hand?

Hillary Clinton will die mächtigste Frau der Welt werden - mit 67! Eigentlich ein Alter, wo andere längst in Rente sind! Die Meldung ist kaum raus, und schon ist die Klischee-Schlacht eröffnet! "Eine alte Schachtel als Präsidentin? Waaas? Das ist der endgültige Untergang des Abendlandes - wie soll die denn Putin in Schach halten?" schreien die einen - "Längst überfällig, dass endlich mal eine erfahrene Frau das Welt- Macht-Ruder in die Hand nimmt", brüllen die anderen. Und wer hat Recht?

Hillary Clinton
Hillary Clinton kandidiert zur Präsidentschaftswahl 2016 © dpa, Stefan Zaklin

Von Dagmar Baumgarten

Wird es nach 44 männlichen Präsidenten in den USA nicht mal zwingend Zeit für eine PräsidentIN? Schon alleine aus symbolischen Gründen? Was ändert sich dadurch? Wir in Deutschland können da doch ganz gut mitreden. Wir haben seit Jahren eine Frau an der Spitze. Angela Merkel wurde, allerdings mit vergleichsweise zarten 51 Jahren, die erste KanzlerIN. Und entgegen den Unkenrufen einiger erzkonservativer 'Frauen an den Herd'-Vertreter, hat sich die Republik ja nun nicht in eine Mädchentanztruppe verwandelt.

Wer bei Merkels Amtsantritt von blühenden Landschaften der Gleichberechtigung geträumt hat, wurde jedenfalls bitter enttäuscht. Das zähe Ringen um die Frauenquote nahm zwischendurch schon erbärmliche Züge an. Immer wieder macht Merkel Zugeständnisse an die Wirtschaft. Damit ärgert sie auch die Frauen in ihren eigenen Reihen. Beispiel: Das Thema Rente: Die Bundesvorsitzende der Frauen Union der CDU Maria Böhmer kämpft seit Jahren für eine höhere Rente für Mütter, die vor 1992 Kinder bekommen haben. Merkel verspricht einen Rentenpunkt mehr - gefordert waren zwei.

Machen Frauen überhaupt andere Politik als Männer?

Das gängige Klischee ist, dass Frauen vom Wesen her irgendwie friedlicher seien. Fakt ist, dass Hillary Clinton nahezu devot hinter allen Entscheidungen ihres bisherigen Chefs Obama steht. Doch ausgerechnet bei der Frage, ob man syrische Rebellen bewaffnen soll, war Schluss mit der Harmonie. Sie war nämlich dafür! Obama dagegen.

Hillary Clinton gilt als beinhart. Ihre Stärken sind Intelligenz, Loyalität und Zähigkeit. Ziemlich geschlechtsneutrale Eigenschaften. Obwohl sie als Feministin gilt, wirkt sie nicht wie die Vertretung einer neuen modernen Weiblichkeit. Verfolgt man Hillarys Karriere, drängt sich einem eher ein ganz anderes Klischee auf: Muss man als Frau besonders männlich sein, um Erfolg haben zu können?

Unbestritten ist, dass sie eine enorme Power hat. Denn in ihrem bisherigen Job als Außenministerin konnte sie nicht gerade die Beine hochlegen. Vor drei Jahren hatte sie ein Blutgerinnsel im Kopf. Trotzdem traut sie sich den weiteren Karriereschritt zu. Und sie weiß, wie hart dieser Wahlkampf werden wird. Es wird wenig um Inhalte gehen.

Neben zahlreichen Skandalen und Fehler, die es in den vergangenen Jahren durchaus bei ihr gab - wird es bei ihr um ihr Aussehen gehen. Als 67-Jährige wird sie natürlich nicht aussehen wie ein Hollywood-Model. Aber genau das wird man ihr vorwerfen. Und das ist immer noch der unverschämte Hauptunterschied zwischen Mann und Frau an der Macht. Damit das endlich keine Rolle mehr spielt, braucht es endlich Wähler, die sich davon nicht mehr blenden und mitreißen lassen. Es braucht Wähler, die Politiker weder nach ihrem Geschlecht, noch ihrer Hautfarbe oder Religion beurteilen, sondern nur nach ihren Inhalten!

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