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Hilfe für Alleinerziehende: Fast jeder zweite von Armut bedroht

Hilfe für Alleinerziehende: Fast jeder zweite von Armut bedroht
Vor allem Frauen werden von den Vätern ihrer Kinder allein gelassen. © iStock

Der sicherste Weg in die Armut

Was ist für eine Frau (in selteneren Fällen auch für einen Mann) in Deutschland der sicherste Weg in die Armut? Ein Kind zu bekommen und sich dann zu trennen. Denn, obwohl Alleinerziehende heute gesellschaftlich problemlos akzeptiert werden, kassieren sie - zumindest finanziell - immer noch den Schwarzen Peter.

Von Merle Wuttke

Unsere Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles gehört nun auch dazu - naja, so halb jedenfalls: Gerade erst hat Nahles die Trennung vom Vater ihrer Tochter bekannt gegeben und ist damit teilweise alleinerziehend. Puh, noch mal Glück gehabt. Außerdem hat sie einen gut bezahlten Job. Vor allem aber einen Ex-Partner an ihrer Seite, der bereit ist, auch nach der Trennung die gemeinsame Verantwortung für das Kind weiterhin zu tragen - und zu leben.

Genau das ist nämlich oft der Dreh- und Angelpunkt für das Dilemma Alleinerziehender. Der abwesende Partner (meist der Vater), der sich, wenn überhaupt, nur jedes zweites Wochenende dazu aufraffen kann, Zeit mit seinen Kindern zu verbringen. Darunter Männer, die sich bereits während der Schwangerschaft von der Frau getrennt haben und denen jegliches Interesse am eigenen Kind abgeht. Oder Väter, die nach jahrelangem Familienleben es plötzlich gar nicht mehr erwarten können, auszuziehen. Manche fliehen sogar gleich in eine andere Stadt - so hat man den Nachwuchs nicht auch noch in der Woche an der Backe.

Die Mutter, die nach dem neuen Unterhaltsrecht für sich allein voll sorgen muss - zumindest wenn die Kinder älter als drei Jahre sind - steht damit allein da. Und muss sich um eine Kita kümmern, die sich mit ihren Arbeitszeiten vereinbaren lassen, um die alltägliche Organisation von Haushalt, Schule, Arztbesuchen, um das emotionale Wohl ihrer Kinder und um ihr eigenes sorgen. Übertrieben? Keineswegs. Zwar gibt es mehr und mehr Männer, die sich nach der Trennung zu gleichen Teilen um die Kinder kümmern wollen, und ja es gibt auch einige, denen das von den Müttern verweigert wird. Aber Fakt ist: Die Hälfte der Männer sehen ihre Kinder nach der Trennung nur selten oder gar nicht mehr. Zu diesem Ergebnis kam die Familienforscherin Mariam Tazi-Preve ('Väter im Abseits'). Denn obwohl im Falle einer Scheidung grundsätzlich erst einmal das gemeinsame Sorgerecht gilt, haben 50 Prozent der Väter keine Lust ihre Pflicht wahrzunehmen.

Die Mutter ist also die Dumme. Die im schlechtesten Fall dann auch noch dafür kämpfen muss, dass wenigstens die Kinder das Geld bekommen, das ihnen zusteht. Denn immer öfter zahlen die Väter einfach gar nicht. So standen Ende 2013 bundesweit 170 Millionen Euro offene Forderungen aus - zu zahlen meist von unterhaltspflichtigen Vätern, denn zu 90 Prozent leben die Kinder der 2,2 Millionen Alleinerziehenden bei ihren Müttern.

500.000 Alleinerziehende leben von Hartz IV

Dabei sind unter diesen säumigen Vätern viele, die sehr wohl in der Lage wären zu zahlen. Aber einfach nicht wollen. Und lieber riskieren, dass die eigenen Kinder in die Armut abrutschen. Schon jetzt leben eine halbe Million Alleinerziehende von Hartz IV. Eine halbe Million! Darunter sind keineswegs nur schlecht ausgebildete Frauen. Auch Akademikerinnen droht die Armutsfalle, wenn der Ex-Partner weder zahlt noch sich persönlich einbringt.

Sind die Kinder älter als drei Jahre kann der Frau zugemutet werden Vollzeit zu arbeiten. Kann sie das aber nicht, weil sie entweder keine Vollzeitstelle findet, im Schichtdienst arbeitet oder - was für ein Luxus - ihre Kinder nicht an fünf Tagen in der Woche eine komplette Fremdbetreuung zumuten will - hat sie oft keine andere Wahl, als den Gang zum Jobcenter zu nehmen und Hartz IV zu beantragen.

Da fragt man sich schon: Ist es das, was Väter sich für ihre eigenen Kinder wünschen? Forschungen belegen, dass sich Männer in der Theorie nach einer Trennung zwar sehr wohl um den Nachwuchs kümmern wollen, es aber in der Praxis eben nach wie vor eher wenig nicht tun.

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