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Hilfe bei Depression: Freunde senken das Risiko eines seelischen Tiefs

Freunde schützen vor Depression
Freunde schützen vor Depression Gute Laune ist ansteckend 00:00:30
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Depression: Weltweit leiden 350 Millionen Menschen

Lachen ist nicht nur gesund und gute Laune ansteckend – Psychisch gesunde Freunde können Jugendliche vor Depressionen schützen. Je mehr es sind, desto besser! Das zumindest wollen Forscher von der britischen University of Warwick mit Rechenmodellen belegt haben. Wer aber schon betroffen ist, könne sich im Kreise gesunder Freunde besser erholen, berichten die Wissenschaftler um den Mathematiker Edward Hill in ihrer in den 'Proceedings B' der britischen Royal Society vorgestellten Studie.

Hilfe bei Depression: Freunde senken das Risiko eines seelischen Tiefs
© Christian Schwier - Fotolia, Christian Schwier

Weltweit leiden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 350 Millionen Menschen an einer Depression. Die Erkrankung ist häufig mit einem sozialen Stigma behaftet. Die britischen Forscher prüften jetzt unter anderem die Wahrscheinlichkeit, mit der sich die psychische Erkrankung in einem Freundeskreis ausbreitet. Ihre Ergebnisse: Solange betroffene Jugendliche genügend gesunde Freunde haben, greift eine Depression nicht um sich.

Bisher galt der Studie zufolge das Umgekehrte: dass sich Depression wie eine ansteckende Krankheit verbreitet, ein gesunder Gemütszustand aber nicht. Diese Aussage wäre demnach widerlegt. Außerdem könne die gute Laune von Freunden vor einem Absturz bewahren.

Für die Untersuchung griff das Team auf Daten von 3084 Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren zurück, die in den USA in den Jahren 1994 und 1995 befragt worden waren. In der damaligen Studie 'Add Health' gaben die Teilnehmer Auskunft über Traurigkeit und Interesselosigkeit, Appetit, Schlaf oder das Gefühl von Wertlosigkeit.

Kritik an der 'Gute-Laune-Studie'

In der psychiatrischen Praxis stoßen die Schlussfolgerungen allerdings auf Skepsis. In der Studie fehle ein Maß für den Schweregrad der Depression. Sibylle Winter von der Charité-Klinik für Psychiatrie des Kindes- und Jugendalters hat Zweifel: "Aus der klinischen Praxis kann ich nicht nachvollziehen, dass sich depressive Stimmung nicht ausbreiten soll. Das sollte man zumindest noch mal überprüfen."

Dem Vorwurf allerdings kamen die Forscher aus England zuvor. "Wir haben sichergestellt, dass unsere Methode nicht beeinflusst wurde von Homophilie - also der Tendenz, sich mit ähnlichen Menschen anzufreunden", wird Hill in einer Mitteilung zitiert. Wer sich allerdings von einer Depression erholen oder gesund bleiben soll, brauche Kontakt mit Nicht-Depressiven.

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