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High Heels-Zwang im Job - darf der Arbeitgeber uns zwingen?

Viele Frauen im Business-Look: Rote High Heels, dunkelblaues Kostüm.
Muss es denn gleich so aussehen? Der Business-Look der Frau: High Heels und Kostüm. © Getty Images/iStockphoto, BrankoBG

Kanada will den Stöckelschuh-Zwang im Büro den Kampf ansagen

Das ist auch gut so, denn bekanntermaßen schaden High Heels gravierend der Gesundheit. Warum sind Frauen überhaupt gezwungen, in bestimmten Branchen hohe Schuhe zu tragen? Gibt es einen Schuh-Knigge? 

Von Jutta Rogge-Strang 

„Wer schön sein will, muss leiden“, so ein Sprichwort. Aber darf das soweit gehen, dass man seine Gesundheit ruiniert? Politiker in Kanada wollen nun den Arbeitgeber-Zwang zu hohen Schuhen per Gesetz verbieten. Diese Vorschriften seien nicht nur altmodisch, sondern in Zeiten der Gleichberechtigung von Frauen und Männern völlig unangebracht, erklärte die Premierministerin der kanadischen Provinz British Columbia, Christy Clark. Die Vorgeschichte: Die Mitarbeiterin einer Restaurantkette musste bei ihrer Arbeit Absätze von mindestens fünf Zentimetern Höhe tragen. "Wenn wir nach der Arbeit unsere Schuhe auszogen, hatten wir oft Blut an den Füßen oder sogar ganze Zehennägel verloren", so die Mitarbeiterin in einem Zeitungs-Interview. Als sie sich irgendwann weigerte, wurde sie kurzerhand entlassen.

Aber auch in Europa hat es bereits Ärger um fehlende High Heels gegeben: 2015 wurde bei den Filmfestspielen in Cannes einigen Damen der Gang über den Roten Teppich verwehrt, weil sie flache Schuhe trugen. Der Sturm der Entrüstung ließ nicht lange auf sich warten, Festivaldirektor Thierry Frémaux musste sich öffentlich entschuldigen.

Schuhe machen Leute

Warum sind Frauen überhaupt gezwungen, in einigen Branchen hohe Schuhe zu tragen? Zu einem gepflegten Business-Outfit gehören eben auch die passenden Schuhe, denn die unterstreichen die Persönlichkeit. Besonders, wenn man seine Firma nach außen vertritt, sei es als Verkäuferin oder als PR-Managerin, ist es wichtig, von Kopf bis Schuh einen guten Eindruck zu machen. Hohe Schuhe strecken die gesamte Körperhaltung, verlängern optisch die Beine und zaubern einen eleganten Gang.

Das Cinderella-Syndrom: Die Belastung der Zehen macht unsere Füße krank

Je nach Tätigkeit gehen wir täglich bis zu 18.000 Schritte. Tun wir das auf hohen Hacken, tragen nur die Zehen das gesamte Körpergewicht, das sich normalerweise auf den ganzen Fuß verteilt: Bei einem sechs Zentimeter hohen Stöckel tragen die Zehen 75 Prozent des Gewichts, bei 10 Zentimetern sind es sogar 90 Prozent. Dabei wird vor allem der große Zeh beansprucht, während die kleinen Zehen eher zusammengestaucht werden. Typisch ist dann etwa die Ausbildung von so genannten Hammerzehen, Krallenzehen, Reiter- oder Schiefzehen sowie von Hühneraugen, Überbeinen und Spreizfüßen. Bei bleibender Belastung wird das große Zehengelenk nach außen gedrückt, während der Zeh selbst nach innen dreht: Der so genannte Ballenzeh oder Hallux valgus wird unter Medizinern oft als "Cinderella-Schuh-Syndrom" bezeichnet. Frauen mit dem Cinderella-Syndrom können am Ende kaum noch einen Schuh anziehen, sie leiden unter Entzündungen und starken Schmerzen, schließlich kann nur eine Operation helfen.

Je höher der Absatz, desto schädlicher

Laut Statistik haben Frauen vier Mal mehr Probleme mit ihren Füßen als Männer. Dabei spielt es aber auch eine Rolle, wie lange und häufig High Heels getragen werden. Wer sie nur für spezielle Anlässe und damit selten trägt, muss kein schlechtes Gewissen haben. Am gesündesten sind Schuhe mit einem zwei bis drei Zentimeter hohen Absatz, damit sich das Gewicht gleichmäßig verteilt.

Schuh-Knigge fürs Büro

Anders als in Nordamerika sind die Schuh-Vorschriften in Deutschland aber nicht so streng. High Heels gehören hier nicht zwingend ins Büro, denn wer ständig an seine Balance denken muss, hat kein gutes Standing bei geschäftlichen Verhandlungen. Auch Peeptoes (vorn offene Schuhe) oder Sandalen sind im Büro verpönt: Sie vermitteln eine Offenheit, die nicht ins Geschäftsleben gehört. Frauen sollen eher durch Professionalität und Können glänzen, anstatt anzügliche Blicke zu provozieren. Schließlich wollen Sie (nicht nur) im Geschäftsleben ernst genommen werden.

Der richtige Schuh fürs Büro ist elegant, nicht zu modisch und nicht zu bunt, mit einem Absatz von maximal fünf Zentimetern. Wichtig ist vor allem, dass Sie in den Schuhen gut gehen können, egal, wie hoch oder wie flach der Absatz ist. Denn Kleidung wirkt sich nicht nur auf die Wahrnehmung der anderen aus, sondern auch auf das eigene Selbstbewusstsein. Und das ist ein wesentlicher Faktor für geschäftlichen Erfolg.

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