High-Heels, Dessous und Co.: Worauf stehen Männer wirklich?

Darf ihr neuer Freund Sie ungeschminkt sehen?
Darf ihr neuer Freund Sie ungeschminkt sehen? Vier von fünf Frauen sagen NEIN! 00:02:31
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High-Heels für den perfekten Auftritt?

Das innere Wunschbild ist klar: Man schreitet mit ultralangen Beinen in das Restaurant, schwebt mit perfektem Hüftschwung zu dem Tisch, an dem ER schon voller Bewunderung wartet – und der Rest ist dann eh gebongt. Um diesem Bild zumindest annähernd nahe zu kommen, nehmen viele Frauen einiges auf sich - zum Beispiel High Heels. Deformierte Zehen. Brennende Fußballen. Geschundene Fersen. Und unbequemes Tragegefühl. War das alles all die Jahre wirklich umsonst? Die Northumberland University sagt: "Ja. Hättet Ihr Euch sparen können. In Sneakern hättet ihr einen genauso grandiosen Auftritt hingelegt."

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High-Heels, Dessous und Co.: Worauf stehen Männer wirklich?
© Fotolia Deutschland

Von Ursula Willimsky

Ob Frauen hohe oder flache Schuhe tragen, fällt den Männern nämlich nicht auf. Unterschied in Statur oder beim Gang? Nö. Vom verminderten Stolper- und Blamierrisiko wollen wir gar nicht reden. Um herauszufinden, was Orthopäden und viele Frauen sicher gerne hören, haben die Wissenschaftler Frauen beim Gehen gefilmt – mal mit wenig, mal mit viel Absatz. Die Aufnahmen wurden im Computer bearbeitet, damit man ihr Schuhwerk nicht mehr sehen kann, und anschließend Männern vorgeführt. Danach war klar: Wer bisher Absatz trug, um den Herren zu gefallen, kann seine High Heels in die Ecke pfeffern.

Ein Ergebnis, dem ich aus eigener Erfahrung allerdings in einem Punkt widersprechen möchte: Ich glaube das mit dem aufrechten, stolzen Gang nur bedingt. Wenn zu mir ein Universitäts-Team käme und sagen würde "Hörma – jetzt filmen wir dich mit Schlappen und mit Pumps!" Tja, da würde selbst ich natürlich in beiden Schuhen wie Jorge Gonzales schreiten. Aber in unbeobachteten Momenten? Hm. In hohen Schuhen muss man ja quasi aufrecht gehen. Selbst wenn man den Wochenend-Einkauf schleppt. In flachen Schuhen muss man das nicht unbedingt. Da kann man schon eher mal mit hängenden Schultern schwer beladen von den Lasten des Alltags rumschlurfen und muss höchstens darauf achten, dass man die Einkaufstaschen nicht über den Asphalt schleifen lässt.

Aber darum, warum manche Frauen nicht in jeder Situation einen perfekten Auftritt hinlegen, geht es bei der Studie ja gar nicht. Es geht eher - so interpretieren wir das – darum, dass Frauen oft denken, sie müssten etwas Bestimmtes anhaben, um zu wirken; auch wenn das vielleicht gar nicht stimmt.

Frauen neigen sehr zu Äußerlichkeiten

Frauen neigen ja zu Äußerlichkeiten. Und sie unterstellen ihrem potenziellen oder tatsächlichen Partner, dass er das auch tut. In einer Umfrage gaben 17 Prozent der Frauen an, dass sie sich erst nach zwei Monaten ihrem Freund ungeschminkt zeigten. In der Zeit dazwischen gingen sie mit Make Up ins Bett – und standen vor ihm auf, um sich schon mal zurechtzumachen. Acht Prozent halten diesen Rhythmus sogar ein ganzes Jahr durch – und, ich kann´s nicht anders sagen, erschreckende drei Prozent ihr ganzes Leben. (Kleiner Hinweis: Die Zahlen stammen von einem Anbieter für Halb-Permanent-Make-up, aber immerhin zeigen sie, zu welchen Verrenkungen Frauen fähig sind.) Die Frage, ob ihr Partner sie auch einfach so mag, wie sie sind, werden sie auf diese Weise allerdings nie beantwortet bekommen.

Eng mit der Frage "Wie präsentiere ich mich am besten?" verbunden ist ja auch die Auswahl der passenden Dessous oder der passenden Nachtwäsche. Spitze, Seide, neckische Blümchen, Samt… Möglichkeiten gibt es viele. Gerade Frauen, die sich in bequemer Baumwolle am wohlsten (und darauf kommt es ja an) fühlen, dürfte eine Studie mit immerhin 19.000 Teilnehmern sehr freuen: Die meisten Herren bevorzugten nämlich nicht Strapse oder String – sondern Boxer-Shorts und T-Shirt (wir reden hier von der Kleidung der Frau, die im übrigen am liebsten brünette Haare haben sollte. Und Körbchen-Größe B).

Hmmm. Irgendwie die gleiche Problematik wie bei den High Heels: Frau denkt, sie müsste, dabei muss sie gar nicht. Oder doch: Sie sollte so sein, wie sie eben ist. Und das tragen, was zu ihr passt und in dem sie sich richtig wohl oder auch sexy fühlt. Was immer noch das beste Ego-Booster-Rezept ist.

Aber wahrscheinlich wissen das die meisten Frauen ohnehin: 84 Prozent von ihnen gaben nämlich bei einer Umfrage an, Dessous ganz allein für sich zu kaufen. Und 41 Prozent von ihnen waren noch nicht einmal bereit, für einen besonderen Anlass mal etwas dem Partner zu liebe anzuziehen. Die Erfahrung gibt ihnen oft recht: "Da hab ich mir extra ein sündhaft teures Set gekauft – und er hat's gar nicht gemerkt. Da hätte ich mir auch was günstigeres holen können", so oder ähnlich klingt mancher Bericht über eine "Nacht der Nächte".

Und was lernen wir daraus? Am besten, dass es nichts bringt, sich zu verkleiden oder zu quälen, um anderen zu gefallen. Dem gefällt nämlich – was für eine schöne Erkenntis! – vor allem der Mensch und nicht die Verpackung. Und wenn der Mensch auch noch mit sich und seinem Äußeren selbst zufrieden ist, kann man seinem perfekten Wunsch-Auftritt sogar recht nahe kommen. In Sneakern oder in High Heels. Ganz wie es einem gefällt.