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Heute gemobbt, morgen Boss: "I will survive"-Kampagne gegen Mobbing

Anti-Mobbing-Kampagne: "I will survive" mit völlig neuer Bedeutung

Diese Szenen machen wütend und traurig zugleich: Ein Junge mit Nerd-Brille wird mit dem Gesicht ins Klo getaucht, bevor er mit heruntergelassener Hose auf den Flur in einer Schule entlassen wird. Ein anderer, dicklicher Junge mit Brustansatz wird in der Sportumkleide von seinen Klassenkameraden – den coolen und den sportlichen Jungs – mit Handtüchern verprügelt, während einem Mädchen mit wirren roten Locken beim Sportunterricht die Haare in Brand gesteckt werden. Klar, es geht um Mobbing in der Schule. Aber die Wendung, die das Video der Werbeagentur Saatchi & Saatchi für die Anti-Mobbing-Kampagne eines argentinischen Fernsehsenders nimmt, ist wirklich besonders.

Heute gemobbt, morgen Boss: "I will survive"-Kampagne gegen Mobbing

Anstatt nur Mitleid zu erregen und hilflos ihr Leid zu erdulden, kommen die gemobbten Teenager in dem Spot selbst zu Wort - und das ziemlich eindrucksvoll. Die Kinder fangen nämlich an zu singen – und zwar den Hit „I will survive“ ("Ich werde überleben") von Gloria Gaynor. Im Original singt die Sängerin voller Inbrunst und Wut, aber auch mit viel bissigem Humor von ihrem Liebesleid: Sie wurde von einem Mann verlassen und verletzt, quälte sich nächtelang voller Schmerzen und Enttäuschung. Am Ende ging sie jedoch mit einer gestärkten Persönlichkeit aus der Leidensgeschichte hervor.

Von dieser Botschaft inspiriert singen die Kinder das Lied – allerdings mit einem völlig anderen Text zu der Originalmelodie: "Zuerst hatte ich Angst und war ganz starr“, singt der erste Junge zunächst, der ins Klo getunkt wird und beschreibt seine Pein. "Sie haben meinen Kopf untergetaucht und meinen Hintern entblößt.“ Das Lied wird aber dann zu einem Racheschwur der schikanierten Teenager im Video, die nicht dem Coolnessfaktor und dem Schönheitsideal entsprechen und alleine deswegen gemobbt werden.

Die Rache der Mobbing-Opfer wird schrecklich sein

"Viele Nächte lang werde ich meine Rache planen und wenn ich CEO bin, wirst du mein Sklave sein, der mir die Schuhe putzt“, singt ein anderer Junge, der gerade von einer Gruppe Gleichaltriger gepeinigt wird. "An einem winzigen Schreibtisch ohne Aussicht auf Lohnerhöhung wirst du sitzen“, droht das Mädchen mit den qualmenden Haaren. "Tag und Nacht werde ich dich anrufen, auch am Wochenende… ich sorge dafür, dass du nie eine Pause hast!“

Die Botschaft ist eindeutig: Später im Berufsleben, wenn die Teenager erwachsen sind, dreht sich das Blatt um. Die Ausgelachten und Ausgegrenzten werden mit ihrem Wissen im IT-Bereich und anderem Fachwissen den Mobbern aus ihrer Kindheit hierarchisch überlegen sein. Dann können sie sich als Geschäftsführer und Wirtschaftsbosse an ihren Peinigern rächen.

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