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Herzinsuffizienz: Was kann man gegen Herzversagen tun?

Plötzlicher Schmerz in der Brust: Kann es ein Herzinfarkt sein?
Geschätzt zehn Millionen Europäer sind wegen Herzinsuffizienz in ärztlicher Behandlung © Getty Images/iStockphoto, Tharakorn

Herzversagen - was genau ist das?

Unter Herzversagen (Herzinsuffizienz) werden eine ganze Reihe von schweren Krankheiten mit sehr unterschiedlichen Ursachen und Folgen zusammengefasst. Grob gesagt, lassen sich zwei Komplexe beim Herzversagen unterscheiden: die verminderte Pumpleistung des Herzens (systolische Herzinsuffizienz, Vorwärtsversagen) und die verminderte Füllmenge des gepumpten Blutes durch eine gestörte Füllung des Herzens (diastolische Herzinsuffizienz, Rückstau).

Es gibt zwei Verläufe von Herzinsuffizienz: Chronisch und akut

Wie häufig ist Herzschwäche?

Geschätzt zehn Millionen Europäer sind wegen Herzinsuffizienz in ärztlicher Behandlung. Weitere zehn Millionen sind erkrankt, haben aber noch keine Symptome und wissen von ihrer Erkrankung noch nicht. Die Erkrankung ist sehr altersabhängig: In der Altersgruppe zwischen 45 und 55 sind nur 1 Prozent der Menschen erkrankt. Bei den 65 bis 75-Jährigen sind es bereits 2 bis 5 Prozent und bei den über 80-Jährigen leiden fast 10 Prozent an Herzproblemen.

Wie verläuft die Erkrankung?

Es gibt zwei unterschiedliche Verläufe: den chronischen und den akuten. Der chronische Verlauf bleibt längere Zeit unbemerkt, weil der Körper krankhaft veränderte Prozesse eine Zeit lang ausgleichen kann. Erst bei Belastung zeigen sich Symptome. Meist handelt es sich um Luftnot und Wasseransammlungen (Ödeme).

Der akute Verlauf entwickelt sich in Stunden oder einigen Tagen. Bekannteste und gefürchtetste Form ist der Herzinfarkt. Herzarterien sind in Folge starker Verkalkung plötzlich verschlossen. Der Herzmuskel wird nicht mehr ausreichend mit Blut und somit auch mit Sauerstoff versorgt. Schließlich sterben Teile des Herzens ab. Innerhalb von 20 Minuten ist das Herz schwer geschädigt. Oft kommt es im Anschluss zu Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern. Das Herz hört auf zu schlagen. Deshalb überleben etwa 30 Prozent der Infarktpatienten den Infarkt nicht.

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Woran erkennt man akutes Herzversagen?

Was sind die Ursachen?

Häufig ist der Herzmuskel durch eine Krankheit geschädigt. Hauptgrund (mit einem Anteil zwischen 54 bis 70 Prozent) sind dabei koronare Probleme, also verstopfte Adern, aber auch Herzmuskelentzündungen durch Viren, Bakterien oder Pilze. Oft ist der Herzmuskel jedoch auch durch jahrelang anhaltenden hohen Blutdruck strapaziert. Das 'Herzalter' ist höher als das Alter des Erkrankten. Koronare Probleme und hoher Blutdruck gehen oft zusammen. Hoher Blutdruck allein ist nur in 9 bis 20 Prozent der Fälle der Grund für Herzschwäche. Auch Probleme der Herzklappen, der Pulsfrequenz oder des Herzbeutels können zu Herzinsuffizienz führen.

Seltene Ursachen für Herzversagen

Selten kann es zum Herzversagen kommen, wenn der Patient unter Blutarmut (Anämie), Schilddrüsenüberfunktion oder einer arteriovenösen Fistel leidet. Im letzteren Fall gibt es eine Art Kurzschluss der Blutgefäße. Auch bei einer Blutvergiftung (Sepsis) droht Herzversagen, weil der Körper die kleinen Blutgefäße extrem weitet, um Schadstoffe schneller abzuleiten. Dadurch sinkt der Blutdruck stark ab und das Herz muss schneller schlagen, um den Blutdruck zu stabilisieren.

Woran erkennt man akutes Herzversagen?

Die schwerste Form der akuten Herzschwäche heißt 'kardiogener Schock'. Er zeigt sich durch starke Atemnot, Bewusstseinstrübung, kalten Schweiß, schwachen und schnellen Puls, kalten Händen und Füßen. Rettungssanitäter drücken auf den Daumennagel des Patienten, bis er weiß wird. Färbt sich der Nagel nicht innerhalb einer Sekunde wieder rosa, gilt dies als Zeichen für einen kardiogenen Schock.

Wie untersucht der Arzt?

Schon bei der ersten Begutachtung kann der Arzt Anzeichen für Herzinsuffizienz erkennen. Hervortretende Halsvenen, Rasselgeräusche über der Lunge, Herzvergrößerung, ein dritter Herzton und andere Symptome deuten auf Herzschwäche. Die wichtigste Untersuchung ist die mit Ultraschall. Danach steht fest, ob es sich tatsächlich um eine Herzinsuffizienz handelt. Ganz neu ist die Labordiagnostik mit der Bestimmung von BNP und NTproBNP. Es handelt sich um Hormone, die im Herzmuskel produziert werden.

Was tun gegen und bei Herzinsuffizienz?

Der Arzt wird die Ursache für die Herzschwäche feststellen und versuchen, sie zu beseitigen. Erhöhter Blutdruck muss dann gesenkt werden. Ist ein Klappenfehler schuld, muss unter Umständen eine künstliche Herzklappe eingesetzt werden. Verengte Herzkranzgefäße können per Ballondilatation geweitet werden. Unter Umständen wird ein erweiternder Stent eingesetzt oder ein Bypass gelegt.

Was sollten Patienten tun?

Das Gewicht ist ein wichtiger Faktor. Übergewichtige Patienten mit Herzschwäche sollten dringend abnehmen, bis sie Normalgewicht haben. Alkohol und Nikotin sollten stark reduziert, am besten aber komplett aufgegeben werden. Die Ernährung sollte salzarm werden. Wer noch kann, sollte ein leichtes körperliches Training einführen. Ansonsten gilt Schonung bis hin zur Bettruhe. Reisen in hochgelegene oder feucht-heiße Gegenden sollten unterbleiben.

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