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Herzbericht 2016: In diesen Regionen endet ein Herzinfarkt besonders oft tödlich

Neuer Herzbericht vorgelegt
In manchen Bundesländern ist das Sterberisiko nach einem Herzinfarkt deutlich höher als andernorts. © Nemanja_ZdravkovicPhoto, Nemanja_Zdravkovic

Herzkrankheiten belegen den Spitzenplatz unter den häufigsten Todesursachen

Herzinfarkt ist eher Männersache? Von wegen. Seit Jahren sind deutlich mehr Frauen unter den Toten als Männer, heißt es im neuen Herzbericht für Deutschland. Nach Daten des Statistischen Bundesamts belegen Herzkrankheiten traditionell den Spitzenplatz unter den häufigsten Todesursachen in Deutschland. 2015 starben 356.625 Menschen an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung - 157.999 Männer und 198.626 Frauen. Aber nicht nur das Geschlecht spielt in Sachen Herztod eine Rolle, sondern auch der Wohnort.

Das Risiko, an den Folgen eines Herzinfarkts zu sterben, ist den Daten des Statistischen Bundesamtes zufolge in Sachsen-Anhalt und Brandenburg besonders hoch, besonders niedrig ist es dagegen in Schleswig Holstein. In der Summe ist der klassische Herztod in Deutschland allerdings seltener geworden. Infarkte können durch bessere Prävention, Rettung, Diagnostik, Chirurgie und Medikamente heute erfolgreicher behandelt werden.

Hier sehen Sie, wie hoch die Sterblichkeit in Ihrem Bundesland ist. Die Sterbeziffer beschreibt die Herzinfarkttoten pro 100.000 Einwohner:

1. Sachsen-Anhalt (Sterbeziffer 97)
2. Brandenburg (95)
3. Sachsen (83)
4. Thüringen (79)
5. Mecklenburg-Vorpommern (78)
6. Bremen (73)
7. Saarland (71)
8. Niedersachsen (63)
Rheinland-Pfalz (63)
10. Bayern (55)
11. Baden-Württemberg (55)
12. Hessen (54)
13. Nordrhein-Westfalen (52)
14. Hamburg (48)
15. Berlin (42)
16. Schleswig-Holstein (37)

Beim Blick in den Herzbericht fällt auf, dass es in den Stadtstaaten Berlin und Hamburg die wenigsten Herztoten gibt, in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen die meisten. Aber wie kommen diese Unterschiede zustande? Hugo Katus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, geht davon aus, dass verschiedene Ernährungsstile und die allgemeinen Lebensgewohnheiten einen Einfluss haben. Auch die Krankenhausdichte könnte im Zweifel über Leben und Tod mitentscheiden - in strukturstarken Metropolregionen sind Notärzte schneller am Einsatzort als in ländlichen Gebieten.

Jedes Jahr sterben viele Menschen an einem Herzinfarkt. Entsprechend wichtig ist es, dass Sie die Faktoren kennen, die das Risiko für einen Herzinfarkt erhöhen. Der Test hilt Ihnen dabei.

"Viele Frauen glauben, dass sie nicht herzkrank werden"

Insgesamt hängt jeder vierte Todesfall mit Herzproblemen zusammen. Im Jahr 2014 starben allein an einem Herzinfarkt 50.948 Menschen - 57 Prozent Männer und 43 Prozent Frauen. An Herzklappenkrankheiten starben zum Beispiel 6.180 Männer, aber 9.884 Frauen. Unerwartet groß nennen Fachleute diesen Geschlechterunterschied. Das gilt auch für Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche. Gesichert sei, dass Frauen durchschnittlich sieben bis zehn Jahre später an Herzleiden erkrankten als Männer, sagt Thomas Meinertz, Vorstandschef der Deutschen Herzstiftung.

Dazu kommen hormonelle Unterschiede zwischen Männern und Frauen, eine unterschiedliche Anatomie der kleinen Herzkranzgefäße. Aber auch die Psychologie. "Viele Frauen glauben, dass sie nicht herzkrank werden", sagt Hugo Katus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Die Sorge vor Brustkrebs sei viel größer. "Es erkranken aber zehn Mal mehr Frauen an Herz- und Gefäßkrankheiten als an Brustkrebs", erläutert er.

Dazu komme, dass Symptome bei Männern und Frauen unterschiedlich ausfallen könnten - und damit bei Frauen schwerer zu diagnostizieren seien. Auffällig bleibt, dass Frauen deutlich seltener auf bestimmte Herzkrankheiten untersucht werden. Das gilt zum Beispiel für Röntgenanalysen mit Kontrastmitteln, die Hinweise auf Verengungen oder Verstopfungen der Herzkranzgefäße geben können, heißt es im neuen Herzbericht.

In jedem Fall müssten Frauen mit Herzbeschwerden diagnostisch und therapeutisch so gut behandelt werden, dass die Unterschiede in der Sterblichkeit nicht auf Versorgungsunterschieden beruhen, fordert Thomas Meinertz. 

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