GESUNDHEIT GESUNDHEIT

Herpesmittel im Test: Viele Produkte gegen Herpes helfen kaum

Herpesbläschen an der Lippe
Kein einziges Produkt schneidet gut oder befriedigend ab. © picture alliance / dpa Themendie, Franziska Gabbert

Creme, Gele, Pflaster - kein einziges Mittel gegen Herpes kann überzeugen

Volksvirus Herpes: Neun von zehn Erwachsenen sind mit den Herpesviren infiziert, jeder vierte hat schon mal einen Lippenherpes durchgemacht. Die Palette an Arzneimitteln wie Cremes, Gelen und Pflastern ist groß. 'Ökotest' hat 21 von ihnen getestet – oft mit unzureichendem Ergebnis. Denn der Effekt der Mittel ist meist mehr als dürftig.

Ob bei Stress, ungewohnt hoher UV-Strahlung am Meer oder im Gebirge, hormoneller Veränderung oder Fieber und Erschöpfung – Auslöser für Herpes gibt es leider viele. Warum der Körper diese Viren, im Vergleich zu Erkältungsviren, nicht in den Griff bekommt, ist bisher noch ungeklärt.

Apotheken und Drogerien bieten zahlreiche rezeptfreie Herpesmittel zur äußeren Anwendung. Das größte Problem: Alle getesteten Mittel, von Cremes über Gele bis Pflaster, verkürzen nur sehr gering die Zeit, in der die Bläschen oder Krusten bestehen. Um überhaupt einen Effekt zu erzielen, müssen Cremes bei den ersten Anzeichen der Herpeserkrankung aufgetragen werden, da sich in dieser Phase die Viren vermehren. Je nach Wirkstoff müssen die Mittel alle vier oder sogar alle zwei Stunden aufgetragen werden.

Einige Cremes mögen die Symptome zwar etwas lindern, der eigentliche Krankheitsverlauf wird allerdings nur sehr gering, wenn überhaupt um etwa einen halben Tag, verkürzt. Ein Mythos ist leider auch, dass die lästigen Bläschen durch die Behandlung mit Cremes weniger häufig wiederkommen.

Viele Betroffene greifen zu den kleinen, transparenten Herpespatches. Diese wirkstofffreien Folien werden auf die betroffene Stelle gesetzt und erzielen den Effekt, dass die Bläschen weniger gut sichtbar sind. Außerdem haben sie den Vorteil, dass die Versuchung sinkt, mit den Fingern an den Stellen zu knibbeln. Laut Anbieter bleiben die Patches bis zu acht (SOS), beziehungsweise zwölf Stunden (Compeed) haften. Die Aussagen zu Wundheilung, Schmerzen und Juckreiz, Vorbeugung gegen Verkrustung und Narbenbildung in den Beipackzetteln sind laut 'Ökotest' nur wenig überzeugend belegt.

Beipackzettel oft mangelhaft

Was 'Ökotest' ebenfalls bemängelt: Den Wirksamkeiten von zink- oder melissehaltigen Cremes fehlen handfeste Wirkungsnachweise. In Laborversuchen der Hersteller oder an Universitäten zeigte sich, dass sowohl der Trockenextrakt aus Melissenblättern (Lomapheran), als auch Zinksulfat (Widmer Lipactin Gel) immerhin das Eindringen des Virus in die Zelle blockieren. Kieselsäure-Gele, wie zum Beispiel SOS Lippenherpes-Gel sollen laut Gebrauchsinformation die Bläschen gezielt austrocknen. Diese Wirksamkeit ist allerdings nicht nachgewiesen.

'Ökotest' kritisiert außerdem die oft mangelhaften Beipackzettel der Herpesmittel. Sie enthalten meist nicht die nötigen Anwendungsinformationen, wie beispielsweise, dass Cremes und Gele nur etwas bringen, wenn sie wirklich bei den ersten Anzeichen aufgetragen werden – und zwar auf jeden Fall mit einem Wattestäbchen und nicht mit den Fingern, da sonst die Gefahr besteht, dass man die Viren an weitere Stellen im Gesicht überträgt. Auch der Hinweis, dass man nach zehn Tagen nicht erfolgreicher Therapie einen Arzt aufsuchen sollte, fehlte in vielen Beipackzetteln.

Alle Cremes im Test enthalten als Grundlage Paraffine. Beim Auftragen an der Lippe können diese verschluckt werden. Paraffine sind zwar nicht grundsätzlich schädlich, von einigen weiß man jedoch, dass sie sich in Leber, Niere und Lymphknoten anreichern können. Außerdem bemängelt 'Ökotest', dass in einigen Produkten, wie beispielsweise im Virudermin-Gel, hautreizende oder -irritierende Konservierungsmittel stecken.

Abschließend zieht 'Ökotest' eine negative Bilanz. Keines der Herpesmittel erhielt eine bessere Bewertung als ausreichend und acht der getesteten Mittel erhielten sogar nur die Bewertung mangelhaft und ungenügend. Vor allem die Produkte 'Aciclobeta Lippenherpes Creme', 'SOS Lippenherpes-Gel', 'Virudermin Gel' und 'Widmer Lipactin Gel' erhielten vor allem wegen Deklarationsmängeln und nicht ausreichend durch Studien belegter Wirksamkeit das Gesamturteil ungenügend.

Falls Sie von den Herpes-Bläschen betroffen sind, sollten Sie folgende Hinweise beachten:

- Cremes oder Gele am besten direkt bei den ersten Anzeichen von Herpes, wie Jucken oder Kribbeln auftragen, da sie die Symptome zwar lindern können, die Heilungsperiode jedoch nicht maßgeblich verkürzen.

- Zum Auftragen immer unbedingt ein Wattestäbchen und nicht die Finger benutzen, sonst ist die Gefahr der Verbreitung des Herpesvirus im restlichen Gesicht groß.

- Geplatzte Bläschen nicht berühren, Cremes und Gele sollten nur ein einer Person benutzt werden.

- Am besten keine Kontaktlinsen tragen, um eine Verschleppung der Viren ins Auge zu vermeiden.

- Auch, wenn es schwerfällt: nicht küssen. Die Herpesviren sind hochansteckend.

- Nach dem Abheilen unbedingt die Zahnbürste wechseln.

- Besondere Vorsicht bei Kontakt mit Kleinkindern und Babys.

- Dehnt sich der Lippenherpes über den Mund hinaus aus oder heilt nicht innerhalb von zehn Tagen ab, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.

- Bei Hausmitteln wie Zahnpasta, Honig, Essig oder Alkohol gibt es keine wirklichen Belege, dass sie etwas nützen. Austrocknende Mittel wie Zahnpasta oder Backpulver können die Heilung sogar verzögern.

Anzeige