Henriette Reker - Genesungswünsche an die neue Kölner Oberbürgermeisterin

Henriette Reker - Genesungswünsche an die neue Kölner Oberbürgermeisterin
Sie ist nun außer Lebensgefahr: Die neue Oberbürgermeisterin von Köln wurde Opfer eines Messerattentats. © dpa, Oliver Berg

Henriette Reker, wir wünschen Ihnen von Herzen gute Besserung!

Liebe Frau Reker,

ich saß am Samstagvormittag in einem Café in der Kölner Südstadt, als ich auf mein Smartphone schaute, um zu sehen, was in der Welt so los ist. Und ich bekam einen fürchterlichen Schreck: Köln, Attentat, OB-Kandidatin… Auf allen Portalen war der brutale Messerangriff eines Mannes auf Sie, Henriette Reker, Nachricht Nummer eins. Ein Attentat in meiner Stadt, auf die Frau, die so freundlich von den Wahl-Plakaten lächelt? Auch zwei Tage später kann ich es, wie viele Kölner, noch nicht fassen, dass so etwas geschehen konnte.

Zum Glück haben Sie den Anschlag trotz schwerer Hals-Verletzungen überlebt. Sie sind nach Angaben der Ärzte außer Lebensgefahr und liegen in der Universitäts-Klinik, wo Sie, wie am Montag zu hören ist, in ein künstliches Koma versetzt wurden, also in einen Narkose-Schlaf. Und Sie haben die Wahl am Sonntag gewonnen und werden hoffentlich, wenn Sie genesen sind, die erste Oberbürgermeisterin Kölns werden.

Der Täter scheint ein physisch kranker Mann zu sein, er könnte an einer wahnhaften Störung leiden. Denn er sprach davon, den Messias retten zu wollen, er habe es für alle getan. Er soll später auf der Fahrt zum Polizeipräsidium auch von Ausländern gesprochen haben. Und eventuell einen rechtsradikalen Hintergrund haben. So ist man beim Flüchtlingsthema, als Sozialdezernentin waren Sie, Frau Reker, in Köln für die Unterbringung von Flüchtlingen zuständig.

Leider wird dieses Thema in Deutschland immer unsachlicher diskutiert. Die recht Seite, vor allem CSU und die AfD, heizen die Stimmung an, indem Sie die zum großen Teil muslimischen Flüchtlinge aus Syrien als Bedrohung für das Gemeinwohl der Deutschen darstellen. Der anderen Seite, die sich für die Aufnahme der Menschen einsetzt, die vor Krieg, Gewalt und Armut fliehen, fehlt ein klares Konzept. Wo sollen die Flüchtlinge untergebracht werden? Wie soll es weitergehen? Wie soll das finanziert werden? Wie können die bürokratischen Anerkennungs-Verfahren beschleunigt werden? Und vor allem: Wie sehen die Verhaltensregeln für potenzielle Einwanderer aus?

Das vielgerühmte Kanada setzt auf das Prinzip der kulturellen Gleichwertigkeit. Allerdings steht darüber der Kern gemeinsamer Werte. Einwanderer dürfen nur die Teile ihrer Kulturen pflegen, die den gemeinsamen Werten nicht widersprechen. Frauenrechte sind ein typisches Beispiel. Wer in Kanada leben will muss, sich verpflichten anzuerkennen, dass Frauen die gleichen Rechte wie Männer haben. Solche klaren Regeln braucht Deutschland auch, das Flüchtlingsproblem muss von den Politikern endlich sachlich und nicht mehr emotional angegangen werden. Denn sonst drehen womöglich noch mehr Menschen durch - wie der Attentäter in Köln.

Sie, Frau Reker, standen als Sozialdezernentin in Köln für gut durchdachte, pragmatische Arbeit. Für Konsens und nicht für Konfrontation. Nicht umsonst fanden Sie als parteilose Kandidatin die Unterstützung von CDU, FPD und den Grünen. Sie werden, wenn es Ihnen hoffentlich bald wieder gut geht, eine fantastische Oberbürgermeisterin der Stadt Köln sein.

Im Namen der Redaktion von Frauenzimmer.de wünsche ich Ihnen von Herzen gute Besserung!

Christiane Mitatselis

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