Helmpflicht für Radler: Sollten Radfahrer einen Fahrradhelm tragen müssen?

Ist die Einführung einer Fahrradhelm-Pflicht sinnvoll?

Selber schuld! Könnte sein, dass Radfahrer, die ohne eigenes Verschulden bei einem Unfall am Kopf verletzt wurden, sich diesen Satz vor Gericht demnächst öfter anhören müssen. Zwar gibt es in Deutschland keine Helmpflicht, aber immer häufiger gibt es Urteile, in denen Radfahrern eine Teilschuld zugesprochen wird, wenn sie ohne Kopfschutz unterwegs waren. Also: Helm ja oder nein?

Helmpflicht für Radler
Sollten alle Radfahrer einen Fahrradhelm tragen müssen? © picture alliance / Bildagentur-o

Von Merle Wuttke

Meine Freundin hat einen, meine Kollegin auch und ich – verstecke meinen die meiste Zeit im Schrank. Klingt verheißungsvoll, aber die Rede ist weder von einem Karton sauteurer Louboutins noch von Erwachsenenspielzeug, sondern von einem – Fahrradhelm. Seit zwei Jahren besitze ich meinen, getragen habe ich ihn in dieser Zeit, hmm... da brauche ich gar nicht lang zu überlegen, vielleicht drei Mal. Erstanden habe ich den Helm damals, weil mir eine Freundin von einem furchtbaren Fahrradunfall einer Bekannten erzählte, der nur einigermaßen glimpflich ablief, weil die Betreffende einen Helm trug. Als Mutter und Vielradlerin schritt ich also sofort zur Tat, und als ich das erste Mal mit meinem neuen Kopfputz zur Arbeit fuhr, fühlte ich mich... na ja, um ehrlich zu sein, ziemlich albern. Der Helm saß doof, ich schwitzte und außerdem war ich fast die Einzige auf der gesamten gemütlichen Strecke, die mit Helm unterwegs war.

Wenigstens war mein Kind stolz auf mich, das hatte ohnehin immer gemeckert, warum es als Einziges ständig Helm tragen musste. Kurz vor meiner Ankunft im Büro hielt ich trotzdem an, um den Helm abzunehmen und den Rest meiner Frisur zu retten. Beim dritten Mal war da leider nichts mehr zu retten, deshalb landete der Helm im Schrank. Bis heute.

Fast 90 Prozent fahren ohne Helm

Damit gehöre ich zu den 87 Prozent aller Radfahrer, die keinen Helm tragen. Die Frage bleibt dennoch: Ist das wirklich vernünftig? Was bringt die Eitelkeit, wenn man nach einem Unfall mit einer Metallplatte im Schädel herumlaufen muss? Fakt ist, der Helm schützt bei Kopfverletzungen, allerdings nicht bei allen, man ist also damit nicht per se auf der sicheren Seite.

Andererseits strömen in den Städten immer mehr Menschen mit dem Rad auf die Straße, das überfordert so manchen Autofahrer. Ich sehe morgens fast täglich einen Beinahe-Unfall, bei dem oft nur dank schneller Reflexe und Reaktionen nichts Schlimmeres passiert. Ein Forscher der Uni Münster, Gernot Sieg, hat jetzt in einer Studie aber auch festgestellt, dass, würde man die Menschen zum Helm tragen zwingen, viele von ihnen das Rad gleich stehen lassen würden – was weder gut für die Umwelt noch für die eigene Gesundheit wäre.

Tja, was also tun? Ich persönlich finde ja nichts schöner, als jetzt im Frühling oben ohne, also ohne Helm, durch die Straßen zu radeln und mir den Kopf durchpusten zu lassen. Scheint aber so, als müsste ich mich von diesem Zustand so langsam verabschieden. Denn selbst, wenn ich mich ab sofort noch vorsichtiger und umsichtiger durch den Verkehr bewege – wie gut die anderen aufpassen, das habe ich nicht im Griff. Ich fürchte, es ist an der Zeit, den Helm wieder aus dem Schrank hervorzuholen.

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