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Helfersyndrom: Darum ziehen uns schwierige Männer an

Helfersyndrom: Darum ziehen uns schwierige Männer an

Leiden auch Sie unter dem Helfersyndrom?

Neulich sagte mir eine Freundin, dass sie mit einem tollen Mann einen tollen Abend verbracht habe. Kompliziert sei der Mann. Diese beiden Worte fielen in einem Atemzug: "Kompliziert" und "Toll".

Die Kombination stimmte mich nachdenklich. Das war nicht das erste Mal, dass ich hörte, dass Frauen von Männern schwärmen, die aus den verschiedensten Gründen schwierig sind. Sprunghaft in ihren Gefühlen, in ihren eigenen Gedanken gefangen, undurchsichtig, unzuverlässig.

Ich stelle in den Raum: Wieso ist das attraktiv, wenn man einen Mann nicht verstehen kann, wenn er einem Kopfzerbrechen bereitet? Ich weiß von meinen Geschlechtsgenossinnen, dass sie am meisten darunter leiden, wenn ein Mann langweilig ist oder wird. Frauen möchten sich unterhalten. Wenn man nun bei einem Mann nicht sicher sein kann, woran man ist, ist das eine in der Tat spannende Sache. Das hat man was um die Ohren.

Ich selbst kenne diese Neigung für rätselhafte Männer aus eigener Erfahrung. Ich habe mir schon an einigen Herren dieses Schlags die Zähne ausgebissen. Bei mir ist es häufig so, dass ich einen großen Ehrgeiz entwickele, einen Mann zu entwickeln. Ich sehe seine Möglichkeiten, ich sehe seine Blockaden, ich sehe seine Kompliziertheit und versuche, sie in eine Einfachheit zu verwandeln. Ich bin dabei nicht in Sorge, dass der Mann dann langweilig werden würde. Ich glaube, er ist immer interessant und wird noch interessanter, wenn man seine inneren Schätze bloßlegt.

Manchmal ist mir das schon gelungen, meisten jedoch blieben die Männer kompliziert. Und ich fand dann diese Kompliziertheit irgendwann langweilig. Ich fürchte, wir Frauen lügen uns einen in die Tasche, wenn wir davon ausgehen, dass hinter jeder komplizierten Fassade etwas steckt, das die Welt braucht, das wir brauchen.

Darum sollten Frauen die Finger von komplizierten Männern lassen

Mit dieser Haltung bewegen wir uns stark im Bereich mütterlicher Gefühle. Das nennt man "Helferlein-Syndrom". Man betrachtet den komisch verstockten Mann mit verständnisvoller Zärtlichkeit, will ihn auf die Spur bringen. Heilen will man ihn. Das ist der springende Punkt. Eigentlich träumt man davon, dass er merkt, wie gut ihm der Umgang mit einem tut. Unentbehrlich will man sich machen. Geben und nehmen will man. Bis der Mann seine Kompliziertheit abschüttelt und erkennt, wie besser er sich einfach fühlt. Und wie sehr er einen liebt.

Daraus wird in der Regel kein Schuh. Männer möchten sich selten entwickeln. Wollen sie es, stört sie eine Helferlein-Frau dabei eher. Ein Mann geht seinen Weg lieber allein.

Es ist vielmehr so, dass ein komplizierter Mann auf eine Frau steht, die die Beine in die Hand nimmt und das Weite sucht, weil sie seine Kompliziertheit unerträglich findet. Unerträglich langweilig.

Das spornt ihn an, sich Mühe zu geben mit sich und mit der Frau.

Wollen wir die Liebe also leicht erleben, sollten wir über schwierige Männer sagen, was wirklich stimmt: Sie sind nicht so toll.

Alles Liebe, Eure Birgit

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