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Helden und Prinzessinnen: Geschlechterklischees auf Kinderkleidung

Mädchen sind lieb, Jungs wild?
Mädchen sind lieb, Jungs wild? Daisy ist damit nicht einverstanden 00:02:29
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Mädchen sind lieb, Jungs wild

Kleine Mädchen sind "cute" und "sweet", Jungs sind "strong" und "crazy"- das vermitteln zumindest die meisten Motive auf Kleidungsstücken für kleine Kinder. Die achtjährige Daisy Edmonds ist damit so gar nicht einverstanden und erzürnt sich darüber in einem Facebook-Video. Aber ist unsere Kinder-Kleidung tatsächlich so geschlechtsstereotyp und ist das überhaupt schlimm?

"Warum sollten Jungs und Mädchen unterschiedliche Kleidung tragen?"

In einer Filiale der britischen Supermarktkette "Tesco" vergleicht die achtjährige Daisy Sweatshirts für Mädchen und Jungs. Sie ist empört, findet die Motive und Sprüche einfach nur doof: "Das ist unfair, weil jeder denkt, dass Mädchen nur hübsch sein sollen und Jungs draufgängerisch. ich finde das falsch. Warum sollten Jungs und Mädchen überhaupt andere Kleidung tragen? Es ist doch keiner besser als der andere."

Das Video der kleinen Daisy trifft anscheinend einen Nerv bei vielen Eltern: Rund zwei Millionen Menschen haben sich das facebook-Video der kleinen Daisy bereits angesehen.

Doch die Diskussion um mädchen- und jungsspezifische Kleidung ist nicht neu: Vor einigen Jahren hatte ein Kinder-Shirt mit dem Aufdruck "In Mathe bin ich Deko" vom Hamburger Versandhändler Otto für Diskussionen gesorgt. Die Sprüche auf Kinderkleidung sind häufig gespickt mit geschlechtsspezifischen Klischees. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Untersuchung der Technischen Universität Berlin, für die insgesamt 501 Kinder-T-Shirts für Jungen und Mädchen analysiert wurden. Das Ergebnis: Geschlechterstereotype Rollenbilder fanden sich bei allen elf untersuchten Marken in allen Preissegmenten.

Die häufigsten Adjektive auf Mädchen-Kleidung waren demnach die englischen Wörter "little", "sweet", "happy", "cute", "lovely". Bei den Subjektiven lagen "love", "girl", "star" und "princess" vorne. Ganz anders bei den Jungs: Sie wurden auf den T-Shirts meistens als "crazy", "cool", "wild" und "strong" bezeichnet. Bei den Hauptwörtern dominierten "life", "team", "king" und "rebel".

Dabei sind die geschlechtsbedingten Vorurteile den meisten Menschen gar nicht so bewusst. "Geschlechterstereotype - das sieht man sehr eindrücklich an den T-Shirt-Sprüchen - werden uns übergestreift wie eine zweite Haut“, so Petra Lucht von der TU Berlin. Und selbst wenn Eltern sich dessen bewusst sind, ist es gar nicht so einfach, die Kleidungs-Falle zu umgehen.

Experten raten zu Gelassenheit

Insgesamt sehen Experten den Hype um die geschlechtsstereotypsche Kinderkleidung aber eher entspannt. Gründe dafür, dass Mädchen eher zu rosa und Glitzer greifen, sind nicht nur gesellschaftlich, sondern auch entwicklungs- und altersbedingt. Und auch geschlechtsspezifische Anlagen prägen unsere Wertevorstellung davon, was wir schon als Kinder schön finden.

Expertin raten deshalb insgesamt zu mehr Gelassenheit. Und dazu, Kindern auf jeden Fall eine Wahl beim Einkaufen der Klamotten zu lassen und sie vielleicht auch einfach einmal mitzunehmen in die Jungenabteilung. In England hilft die kleine Daisy dabei bereits! Sie glaubt, dass auch Mädchen Helden sein möchten und hängt deshalb Jungen-Shirts in die Mädchenabteilung. 

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