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Heiratsantrag: Was, wenn der Partner keine Hochzeit will?

Das halten Männer wirklich von der Idee zu heiraten
Das halten Männer wirklich von der Idee zu heiraten Hochzeit 00:00:47
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Was, wenn SIE nicht will…?

Mit den Heiratsanträgen ist das so eine Sache. Eigentlich fallen sie – jedenfalls auf den ersten Blick – nicht in mein Themengebiet. Ich soll und will ja die Liebe leicht machen. Erhält man einen Heiratsantrag, ist der Liebes-Drops harmonisch gelutscht, das ist die landläufige Meinung. Damit sind alle Liebesprobleme aus der Welt geschafft, das Ziel erreicht.

Leider ist das anders. Mit einem Heiratsantrag können viele Probleme anfangen. Ein Antrag kann zum Beispiel zum falschen Zeitpunkt kommen, zu einem, wo man noch nicht damit gerechnet hat, einen zu bekommen. Und wo man nicht genau weiß, ob man den Antragssteller ein Leben lang haben will. Es entspricht aber der Natur des Heiratsantrages, dass er rasch beantwortet werden will, streng genommen sogar schon im Moment der Antragstellung. Allein das Ausbitten einer Bedenkzeit kann beim Antragssteller einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen, der einem vielleicht Jahre später (nachdem es dann doch zur Eheschließung gekommen ist) aufs Butterbrot geschmiert wird („Du hast mich nie richtig geliebt!“).

Wie kommt man aus der Antrags-Nummer raus, wenn man sich nicht 100prozentig sicher ist? Lieber den Antrag annehmen und im Falle des Falles kurz vor der Trauung abspringen? Das ist für meinen Geschmack gemein, das kann man keinem Mann zumuten, solche Handlungen hinterlassen ein schweres Trauma und bringen Unglück in die Welt.

Ich rate dazu, einem Mann, der den Mut hat, einen Antrag zu machen, zunächst einmal viel Respekt und Achtung entgegenzubringen. Achtung ist ein „vernünftiges“ Gefühl, sagt der große Denker Immanuel Kant.

Aus diesem vernünftigen Gefühl heraus kann man dem Mann mitteilen, wie erfreut man ist über diese Liebesbezeugung, dass man jedoch gründlich darüber nachdenken muss. Damit es zu keiner Verbitterung kommt, hängt alles davon ab, wie man das Bedürfnis nach Bedenkzeit formuliert. Der Mann darf sich nicht vorkommen wie ein armer Depp! Sondern wie ein Ritter!

Er muss spüren, dass man den Antrag sehr ernst nimmt, ihn sehr ernst nimmt, die Ehe sehr ernst nimmt und - aus dieser Tiefe heraus - nachdenken muss.

Natürlich kann das bei sehr empfindsamen männlichen Gemütern auch zu Bitterkeit führen. Das Risiko besteht. Ich denke aber, dass die meisten Männer genügend Kraft haben, um eine liebevoll und vernünftig vorgetragene Bedenkzeit seelisch unbeschadet zu überstehen. Auf jeden Fall ist eine Frau, die einen Antrag bekommt, in einer schönen Position, sie kann sich freuen, dass einer sie so toll findet, dass er sein Leben mit ihr verbringen will.

Was, wenn ER nicht will...?

Schlechter getroffen haben es jene Frauen, die verzweifelt darauf warten, einen Antrag zu bekommen. Das ist keine komfortable Lage. Das Warten kann Jahre dauern. Selbst fragen, das ist keine optimale Idee. Ich bin wahrlich sehr emanzipiert, aber der Antrag gehört in die Hände des Mannes, finde ich. Auch hier bestätigen (sehr wenige) Ausnahmen die Regel.

Was ist meine Empfehlung? Nun, ich scheue mich nicht, die ganze Wahrheit offen auszusprechen, und sie ist nicht nett. Wenn ein Mann nach diversen Beziehungs-Jahren (Pi mal Daumen ab drei Jahren aufwärts) keinen Antrag gemacht hat, kommt höchstwahrscheinlich auch keiner mehr. Ausnahmen (sehr wenige) bestätigen hier auch die Regel.

Dumm ist das vor allem für Frauen, die nicht nur heiraten möchten, sondern sich auch Kinder wünschen. Ich würde an deren Stelle ordentlich nachhaken beim Mann, ob er sich wirklich eine Familie mit einem vorstellen kann.

Wie gesagt: Bitte keinen romantischen Antrag machen!

Sondern ruhig und besonnen für einen reinen Tisch sorgen, man muss schließlich wissen, woran man ist. Dazu hat jede Frau ein gutes Recht.

Ist man dem gebärfähigen Alter entwachsen und möchte trotzdem heiraten, ist eine sachliche Nachfrage ebenfalls erlaubt. Man kann sie geschickt einleiten, indem man generell aufs Heiraten kommt, zum Beispiel erzählt, dass eine Freundin gerade einen Antrag bekommen hat, dass sie überglücklich ist, usw.

Ein männlicher Heiratsmuffel kann sich, wenn er von Anträgen hört, selten zusammenreißen und verstellen. Ihm wird rausrutschen: „Oh wie doof muss man sein, um zu heiraten. Wer sich liebt, braucht keinen Trauschein. Ich hasse das Heiraten!“ Wem das gesagt wird, der weiß Bescheid. Ich brauche nicht eigens zu betonen, dass es hier gar keinen Sinn mehr macht, über einen eigenen Antrag nachzudenken.

Man sollte sich dann mit einer Beziehung ohne Trauschein arrangieren. Oder den Mann in die Wüste schicken, was sich meiner Meinung nach nicht lohnt. In der Tat gibt es wahre Liebe ohne Trauschein, und sie muss keinen Deut schlechter sein als eine mit Trauschein. Denn mit den Scheinen, die die Liebe beglaubigen sollen, ist das auch so eine Sache...

In dem Sinne: Nur die Liebe zählt, Eure Birgit

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