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'Heiraten ist kein Kinderspiel': Erschütternde Kampagne gegen Kinderehen

Anna und Michael laden zur Hochzeit ein

Wenn man sich entschließt zu heiraten, dann doch eigentlich weil man sich liebt und sein ganzes Leben mit dem Partner verbringen möchte. Aber was, wenn genau das nicht der Fall ist? Wie geht es eigentlich den Menschen, die einfach so gegen ihren Willen verheiratet werden - und warum passiert so etwas überhaupt?

'Heiraten ist kein Kinderspiel': Erschütternde Kampagne gegen Kinderehen
© http://blog.weltbevoelkerung.de/warum-wir-zur-hochzeit-von-michael-und-anna-einladen/

Von Sarah Hantschel

Mit der Kampagne ‚Heiraten ist kein Kinderspiel‘ macht die Stiftung Weltbevölkerung auf Zwangsehen aufmerksam. Die Organisation ruft dazu auf, eine Online-Einladung zu der Hochzeit von "Michael und Anna" weiterzuleiten und alle Freunde zu dieser Hochzeit einzuladen. In der Einladung steckt ein Link, durch den Sie auf die Hochzeitsseite der Verlobten kommen. Auf der Seite werden Sie mit diesen freundlichen Worten begrüßt:

"Viele von euch haben es bereits geahnt - wir haben uns entschlossen zu heiraten. Michael hat ganz altmodisch bei Annas Vater um ihre Hand angehalten, sie selbst ahnte davon gar nichts. Umso mehr freuen wir uns jetzt, euch an unserem Glück teilhaben zu lassen! Wir wünschen uns eine unvergessliche Hochzeit und einen wundervollen Tag mit euch und hoffen, dass ihr alle kommt! Zu unserem schönsten Tag stehen noch nicht alle Details fest. Wir werden deshalb unsere Hochzeitswebseite immer wieder aktualisieren und ergänzen. Es lohnt sich also, wenn ihr von Zeit zu Zeit vorbeischaut!"

Sogar Location, ein Programm für Kinder und ein Wunschzettel sind bereits auf der Seite zu finden. Klickt man auf die Wunschliste, lässt sich bereits erahnen, dass irgendetwas nicht stimmt. Denn dort lässt sich unter anderem ein Buch zur Therapie nach sexueller Gewalt und Handschellen finden.

Und tatsächlich. Ein kleines Stück weiter unten folgt die Auflösung: Anna ist erst 14 Jahre alt, Michael schon fast 40. Er hat bei ihren Eltern um ihre Hand angehalten - ohne dass sie etwas davon wusste. Nun muss sie Michael heiraten und es spielt überhaupt keine Rolle, ob sie das will oder nicht.

Das Projekt soll als Beispiel auf die Missstände aufmerksam machen

So wie Anna ergeht es täglich 40.000 Mädchen unter 18 Jahren. Das ergibt 15 Millionen Mädchen jährlich, die weltweit zum Opfer von Kinderehen werden. Viele Mädchen sind sogar unter 15 Jahren.

In insgesamt 146 Ländern ist es mit dem Einverständnis der Eltern oder anderen Instanzen erlaubt, Kinder unter 18 Jahren zu verheiraten. Um diese Regelung aufzuheben, damit sie erst ab 18 heiraten dürfen und um die Probleme der Kinderehe deutlich zu machen, soll diese Protest-Aktion jetzt auf bei dem kommenden G7 Treffen Gehör finden. Aus diesem Grund soll Kanzlerin Merkel darauf Aufmerksam gemacht werden.

Bei dem Gipfel am 05. Juni 2015 steht unter anderem die Stärkung von Frauen bei Selbständigkeit und beruflicher Bildung als Thema auf dem Programm. Die Aktion gegen Kinderehen passe somit gut dazu, so die Stiftung. Da allerdings kein Vertreter der Entwicklungsländer anwesend sein wird, der die Aktion vertreten kann, soll diese Rolle Angela Merkel übernehmen. Per Tweet können Sie unsere Kanzlerin dazu aufrufen, dieser Aufgabe nachzukommen.

Es gilt, den Mädchen durch ein Verbot von Kinderehen eine ganz normale Kindheit zu schenken. Abhängigkeiten und Bevormundung durch den Partner blieben zumindest im Idealfall so aus, und auch die Bildungsmöglichkeiten wären deutlich höher. Sicherlich ein wichtiger Punkt, um gerade Mädchen aus armen Ländern die Möglichkeit einer Zukunft zu schenken. Denn gerade in Entwicklungsländern ist die Rate der Kinderehen besonders hoch. Dies liegt unter anderem daran, dass Mädchen in diesen Ländern oft als Mittel zum Zweck gesehen werden. So kann durch sie ein wichtiges Bündnis geschlossen werden. Aber auch die Zukunft für Familie und Tochter sind durch die Ehe gesichert.

Gäbe es altersgerechte Aufklärungsangebote, bei denen den Mädchen ihre Rechte mitgeteilt würden, könnten diese ihre eigenen Wege gehen.Das zumindest hoffen Organisationen, die sich einsetzen. Auch Schwangerschaften könnten durch eine gute Aufklärung verhindert werden. Schließlich sind diese auch Grund dafür, dass Mädchen die Schule aufgeben müssen und dadurch die soziale Ungleichheit weiterhin bestehen bleibt. Durch eine gezielte Aufklärungskampagne und vor allem die Unterstützung der Armutsbekämpfung in Entwicklungsländer bestehen die Chancen Kinderehen zu verbieten oder zumindest deutlich zu reduzieren.

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