LIEBE LIEBE

Heimliche Liebe trotz Zölibat: Katholischer Pfarrer gesteht Beziehung

Helmut Guggemos: "Ich war gern Priester."

"Aber hätte ich die Liebe nicht, wäre ich nichts", heißt es im ersten Korintherbrief der Bibel. Eben diesen Gedanken wird Helmut Guggemos, der bisher als Pfarrer der Gemeinde im bayerischen Weißensberg arbeitete, gehabt haben, als er sich entschied, seine Gefühle zu seiner Lebensgefährtin Elisabeth Kantek während seines letzten Gottesdienstes öffentlich bekannt zu geben.

Er sei erleichtert und froh, seine Liebe nun offen leben zu können und in eine gemeinsame Zukunft mit der Frau seines Herzens zu blicken. Nach dem Geständnis herrschte komplette Stille in der Pfarrkirche St. Markus, dann plötzlich brach stürmischer Applaus los. Pfarrer Guggemos zeigt sich erleichtert über die positive Reaktion auf die wahren Gründe seines Rücktritts. "Es tut sehr gut, die Zuneigung und Zustimmung der Kirchengemeinde zu erfahren", freut sich der Geistliche gegenüber der 'Lindauer Zeitung'. Trotzdem sei der Abschied für ihn auch mit einem Funken Wehmut verbunden. In seiner offiziellen Amtsniederlegung heißt es: "Gerne wäre ich noch länger hier geblieben."

Für die Gemeinde war der Abschied vom beliebten Priester keine Neuigkeit. Bereits vor einigen Wochen war bekannt gegeben worden, dass Guggemos sein Amt ad acta legen würde. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Verliebte allerdings erklärt, "gesundheitliche Probleme" hätten zu seinem Rücktritt geführt.

Innerhalb des letzten von ihm abgehaltenen katholischen Gottesdienst gab der 45-Jährige vor seiner Gemeinde dann ehrlich bekannt, dass er heiraten wolle und sich auf eigene Kinder freue. Vorher hatte sich Guggemos auch gegenüber dem zuständigen Bischof Konrad Zdarsa zu seiner Liebe bekannt. Dieser entließ ihn umgehend. Ab September wird nun ein anderer seinen Platz einnehmen.

Dass er wegen seiner Liebe auf die Tätigkeit als Seelsorger verzichten muss, betrübt Guggemos sehr. "Wenn ich mit Frau und Familie Seelsorger bleiben dürfte", so der ehemalige Pfarrer, "wäre ich es natürlich geblieben. Ich war gern Priester." Auch seine Lebensgefährtin Elisabeth Kantek, die ihre Gefühle lange hatte verstecken müssen, freut sich über den mutigen Schritt ihres Partners. Vor allem sei sie jedoch "dankbar, dass die Menschen ihm und mir so positiv, mit viel Respekt und Verständnis" entgegengekommen seien.

Dass Guggemos für ihre Beziehung sein liturgisches Gewand an den Nagel hängen muss, bedauert sie allerdings. "Dass es das Zölibat gibt, müssen wir akzeptieren", fasst Kantek zusammen, "auch wenn es schmerzhaft ist." Schließlich sei es besonders die Liebe und Verbundenheit zu Gott, die die beiden zusammengeführt habe. Als katholischer Pfarrer tätig zu sein, bedeutet allerdings, sich voll und ganz auf die Lehren Gottes und die Bedürfnisse der Gemeinde zu konzentrieren. Die partnerschaftliche Liebe zu einem anderen Menschen findet dort keinen Platz.

Heimliche Liebe eines katholischen Pfarrers ist kein Einzelfall

Im Landkreis ist der verliebte Pfarrer Guggemos aber nicht der erste, der sich gegen sein katholisches Amt und für seine Partnerin entschied. Erst im Herbst 2014 hatte der Geistliche Martin Steiner im nur zehn Kilometer entfernten Wasserburg überraschend seinen Posten verlassen, um mit einer Frau in ein neues Leben zu zweit zu starten. Er hatte seine gar nicht so ungewöhnlichen Beweggründe allerdings nicht offiziell bekannt geben wollen und seine Gemeinde ohne ein Wort des Abschieds oder der Vorankündigung verlassen.

Zwar hatte niemand der zuständigen Diözese von seiner heimlichen Liebelei erzählt, trotzdem wollte Steiner auch in der Öffentlichkeit nicht darauf verzichten, seine Gefühle offen ausleben zu können. Fernab von Vorurteilen an einem neuen Ort, wo niemand von seiner Vergangenheit weiß, begann er, mittlerweile verheiratet, einen neuen Lebensabschnitt.

Auch Helmut Guggemos und seine Liebste Elisabeth Kantek werden diesen Weg gemeinsam einschlagen. Die ehemalige Pfarrgemeinschaft respektiert die mutige Entscheidung und wünscht dem glücklichen Paar für seine Zukunft alles Gute, wie es in einer offiziellen Stellungnahme heißt.

Anzeige