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Heimliche Abtreibung: Eine Entscheidung ganz ohne den Vater treffen?

Frauen haben das Recht Ihre Entscheidung allein zu treffen
Wenn das Vertrauen da ist, ist es sinnvoll eine Abtreibung gemeinsam zu besprechen © WavebreakMediaMicro - Fotolia

Heimliche Abtreibung - auch gegen den Willen des Vaters?

Ist eine heimliche Abtreibung moralisch in Ordnung? Darf eine Frau wirklich alleine über ihren Körper entscheiden? Oder hat der ungewollte ahnungslose Vater ein Mitspracherecht? Als Notlösung für ungeschützten Sex gibt es zum Glück die "Pille danach" - in Deutschland ab sofort rezeptfrei.

Jutta Rogge-Strang

Ungewollt schwanger zu werden, ist ein großes Problem. Ob in einer Beziehung oder nach einem One-Night-Stand, ist dabei egal, letztlich geht es nur darum: Möchte ich (noch) ein Kind haben oder nicht? Jede Frau muss diese Frage für sich ganz allein beantworten. Aber hat der Vater vielleicht auch ein Mitspracherecht? Oder ist es völlig in Ordnung, sich ganz allein für eine (heimliche) Abtreibung zu entscheiden?

Rein rechtlich liegt die Entscheidung in Deutschland allein bei der Frau: In § 218 a des Strafgesetzbuchs – er regelt, unter welchen Umständen ein Schwangerschaftsabbruch straflos möglich ist – wird ausschließlich die Schwangere erwähnt, nicht der Vater des Kindes. Für dieses Recht, über ihren eigenen Körper ausschließlich selbst bestimmen zu dürfen, haben die Frauen lange gekämpft. "Mein Körper gehört mir!", das war der Slogan der Frauenbewegung in den 70er-Jahren. Sie kämpften damals für das Recht auf Abtreibung, denn bis dahin hatten die Männer die Entscheidungsgewalt, ob eine Frau ein Kind abtreiben durfte oder nicht. Abgesehen davon war ein Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich verboten und musste heimlich durchgeführt werden, er war teuer, erniedrigend und oft auch lebensgefährlich.

Diese Zeiten sind vorbei, und das ist gut so. Denn es gibt viele Gründe, warum es mit der Verhütung nicht geklappt hat oder warum es gerade nicht der richtige Zeitpunkt für ein Kind ist. Vielleicht steckt die Frau mitten in der Ausbildung, vielleicht ist die Beziehung zum Vater gescheitert oder die Familienplanung eigentlich abgeschlossen.

Wenn das Vertrauen da ist, wägen beide Partner gemeinsam ab.

In jedem dieser Fälle ist es richtig, dass die Frau allein entscheiden kann, wie es mit ihrem Körper und ihrem Leben weitergeht – und in den meisten dieser Fälle ist es sinnvoll, dies trotzdem mit dem Partner zu diskutieren. Denn ein Schwangerschaftsabbruch ist eine weitreichende Entscheidung, und in einer stabilen und vertrauensvollen Beziehung wägen beide Partner gemeinsam ab. Wenn sich also Väter über mangelndes Mitspracherecht beschweren, dann sollten sie erst einmal genau auf die Qualität ihrer Beziehung schauen. Wo Vertrauen fehlt, dürfen sie sich nicht beschweren, wenn sie nicht gefragt werden – so einfach und doch so kompliziert ist das eben.

Nebenbei: Um eine Schwangerschaft zu verhindern, wenn nicht verhütet wurde oder die Verhütung versagt hat, gibt es immer noch die "Pille danach" oder auch die "Spirale danach". Beide Methoden verhindern den Eisprung und somit eine Befruchtung. Es handelt sich also nicht um eine Abtreibung. Bei beiden Methoden ist jedoch Eile geboten, denn je früher die Frau reagiert, umso sicherer kann der Eisprung verhindert werden.

Ab März 2015 gibt es in Deutschland die "Pille danach" auch ohne Rezept in der Apotheke. Allerdings eignet sich die "Pille danach" nicht als regelmäßige Verhütungsmethode, denn die Sicherheit lässt nach häufiger Einnahme nach.

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