Heftige Schusswechsel in Toulouse: Haus umstellt

21.03.12 12:31
Toulouse: Polizei überwältigt mutmaßlichen Täter
Bildquelle: Reuters
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Täter will sich am Nachmittag stellen

Die Mordserie von Toulouse steht vor der Aufklärung. Die Polizei hat nach Angaben von Innenminister Claude Guéant den vermuteten Täter festgesetzt, der sich zurzeit noch in einem Mehrfamilienhaus verschanzt hält. Bei dem Verdächtigen soll es sich um einem dem Terrornetz Al Kaida nahe stehenden Extremisten handeln, der sich selbst Mohamed Merah nennt.

Er hatte am Morgen mit Schüssen aus automatischen Waffen zwei Polizisten verletzt, als sich diese der Wohnung näherten. Im Austausch gegen ein Telefon übergab er der Polizei später einen Colt - die mögliche Tatwaffe bei den Morden an insgesamt sieben Menschen in Südfrankreich.

Das von der Polizei umstellte, aber erst gegen Mittag evakuierte Mehrfamilienhaus befindet sich in einem ruhigen Wohnviertel der südfranzösischen Stadt. Von dort aus berichtete auch Minister Guéant.
Präsident Nicolas Sarkozy und Guéant erklärten, der Mann solle lebend gefasst werden, damit er sich vor Gericht verantworte. Sarkozy warnte vor Rachegedanken und einer Vermengung von Religion und brutalem Extremismus.

Der französischen Polizei ist es am frühen Nachmittag gelungen, den Kontakt zum mutmaßlichen Serienmörder von Toulouse wieder herzustellen. Dies berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf eine den Ermittlungen nahe stehende Quelle. Am Vormittag hatte der Verdächtige, der sich in einem Mehrfamilienhaus in Toulouse verschanzt hat, die Gespräche mit den Ermittlern zunächst abgebrochen.

Der mutmaßliche Täter hatte sich nach den Schusswechseln gegenüber einem Polizisten offenbart. Bevor er die Kommunikation gegen Mittag wieder abbrach, betonte der Mann nach Angaben von Minister Guéant, er stehe dem Terrornetzwerk Al Kaida nahe. Er sei als "Mudschahedin" in Afghanistan und Pakistan gewesen sei und habe den gewaltsamen Tod von palästinensischen Kindern rächen wollen. Er habe auch ein Zeichen gegen die französische Militär-Präsenz in Afghanistan setzen wollen.

Offenbar verbüßte der Verdächtige bereits eine dreijährige Gefängnisstrafe im afghanischen Kandahar. Dort sei er bei einem Massenausbruch von Taliban-Mitgliedern geflüchtet, sagte der Gefängnisdirektor, Ghulam Faruk.

Der Verdächtige habe über ein Waffen-Arsenal verfügt, unter anderem in einem nahe der Wohnung geparken Auto, erklärte Guéant. "Er hat aber weitere Waffen, darunter eine Kalaschnikow, eine Uzi und diverse Feuerwaffen."

Er sei der Täter, der drei Soldaten sowie einen Lehrer und drei Kinder einer jüdischen Schule erschossen habe, betonte Guéant: "Dieser Mann hat bereits mehrere Straftaten auf französischem Boden begangen, einige mit Gewalt (...) Er spricht viel, er ist dabei, seinen gesamten kriminellen Weg zu erzählen."

Spur zum Täter übers Internet

Mehrere Personen aus seinem Umfeld wurden festgenommen, darunter waren die beiden Schwestern und Brüder sowie die Mutter des Mannes. Ein Bruder sympathisiere mit den extremistischen Salafisten, sagte der Innenminister. Der Minister betonte jedoch, dass der Verdächtige bei seinen Taten allein gehandelt habe. Die Geheimdienste hätten ihn schon seit längerem beobachtet.

Guéant bestätigte, dass die Ermittler ihm kurz nach dem Anschlag auf eine jüdische Schule am Montag über das Internet auf die Spur kamen. Das erste Opfer habe er über eine Internet-Verkaufs-Plattform kontaktiert, wo es sein Motorrad verkaufen wollte. Per Mail wurde ein Treffpunkt vereinbart. Die von Polizisten identifizierte IP-Adresse konnte den Angaben einem Computer zugeordnet werden, der der Mutter des Verdächtigen gehört.

"Das hat bei den Ermittlungen die Wende eingeleitet", erläuterte der Minister. In ersten Berichten war vom Computer des Bruders die Rede, dem Guéant ebenfalls radikale Überzeugungen bescheinigte. Die Mutter habe seit längerem wegen ihrer Nähe zu radikalen Salafisten unter Beobachtung der Ermittler gestanden.

"Als sich die Polizisten seiner Tür näherten, hat er sofort durch die Tür geschossen. Ein Polizist wurde verletzt, aber er schwebt nicht in Lebensgefahr", ergänzte Guéant. Auch ein zweiter Beamter wurde demnach verletzt. "Der Bruder des Verdächtigen wurde festgenommen (...) Die Mutter wurde zum Ort gebracht und gebeten, Kontakt zu ihrem Sohn aufzunehmen, was sie nicht gewollt hat."

In ersten Reaktionen zeigten sich vor allem Vertreter der jüdischen Glaubensgemeinschaft erleichtert darüber, dass der Täter offensichtlich identifiziert wurde. Die Vorsitzende der rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, betonte in einem Radio-Interview, dass "das fundamentalistische Risiko in unserem Land" unterschätzt worden sei

Präsident Sarkozy, der nach Angaben seines Ministers die Nacht über auf dem Laufenden gehalten wurde, traf sich am Vormittag mit Vertretern der Glaubensgemeinschaften. "Frankreich kann nur in der nationalen Einheit groß sein", betonte er in seinem Amtssitz. Der Terrorismus werde die Gesellschaft nicht zerbrechen.

In Jerusalem begann am Morgen die Bestattungszeremonie für die vier Opfer des Mordanschlags auf die jüdische Schule. Hunderte von Trauergästen versammelten sich auf dem Friedhof, darunter auch der französische Außenminister Alain Juppé. Die Leichen waren in der Nacht per Flugzeug nach Israel gebracht worden. In Jerusalem werden der ermordete Lehrer und Rabbiner mit seinen zwei kleinen Söhnen sowie eine weitere Schülerin beigesetzt.

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