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Haustier als Partnerersatz: Mit Katze und Hund gegen die Einsamkeit?

Haustier als Partnerersatz
Katzen und Hunde helfen gegen Einsamkeit © Светлана ВалуйÑüкÐ, Valyiskaya Svetlana

Haustiere helfen Singles - oder?

Karl Lagerfeld würde, wenn es möglich wäre, am liebsten seine Katze heiraten. Das hat der ungefähr 75-Jährige in einem TV-Interview erzählt. Ein weißes, langhaariges Viech namens Choupette ist zum wichtigsten Wesen im Leben der Chanel-Ikone aufgestiegen. Ist Lagerfeld verrückt, oder taugen Tiere tatsächlich als Partner? Oder als Kinderersatz?

Von Christiane Mitatselis

Choupette Lagerfeld hat einen eigenen Twitter-Account. „Ich bin eine berühmte Schönheit, die sich weigert auf dem Boden zu essen“, ist dort zu lesen. Und: „Meine Dienstmädchen (sie hat drei) erfüllen mir jeden Wunsch. Ich bin eine verwöhnte Katze.“ Lagerfeld gestand seinerseits in dem Fernsehgespräch: „Ich hätte nie gedacht, dass ich mich so in eine Katze verlieben könnte.“

Wer sich nur ein wenig mit Katzen auskennt, der weiß, dass man sich um Lagerfelds Liebling keine Sorgen machen muss. Katzen sind freiheitsliebende Exzentriker mit tyrannischen Tendenzen. Sie sind am glücklichsten, wenn sie ihr Leben ausschließlich nach ihren Wünschen gestalten können. Verbote haben in der Welt einer Katze nur den Sinn, nicht eingehalten zu werden. Sie wollen fressen (oder in Choupettes Fall: speisen) wann, wo und was sie wollen. Sie lassen sich kraulen, wenn ihnen der Sinn danach steht – und nicht etwa ihrem Besitzer. Sie hauen ab, wenn ihnen danach ist, und kehren zurück, wann es ihnen gefällt.

Weniger Einsamkeit mit Haustieren

Da Lagerfeld ebenfalls ein freiheitsliebender Exzentriker ist, wird er für alle diese Dinge Verständnis haben. Es scheinen sich da zwei gefunden zu haben. Warum auch nicht?

Gerade in Großstädten gibt es immer mehr Menschen, die enge Bindungen mit Tieren eingehen. Und es sind schon lange nicht mehr nur die älteren, alleinstehenden Damen, die einen überfütterten Dackel an der Leine führen. Es gibt berufstätige Großstadt-Singles, deren Labrador morgens in eine Hundetagesstätte gebracht wird. Den Hütehund zweier selbstständiger Frisöre, der nachmittags von einem Hundesitter ausgeführt wird. Oder eifersüchtige Katzen, die zur Verhaltenstherapie geschickt werden, da sie nicht aufhören wollen, den neu angeschafften Hund mit ihren Krallen zu drangsalieren.

Es wäre vermessen, sich über all diese Menschen zu erheben und ihnen zu unterstellen, ihnen fehle wahlweise ein Kind oder ein Partner, ihr Leben sei somit defizitär. Für den einen ist das Tier ein Ersatz für etwas anderes, das er nicht finden kann. Und besser er hat ein Tier als niemanden. Für den anderen ist der Hund oder die Katze die erste Wahl. Wichtig ist nur, dass die Partnerschaft funktioniert und sozial kompatibel ist. Heißt: Ein Hund muss mindestens so gut erzogen sein, dass er im Park die Jogger in Ruhe lässt und nicht alles ankläfft, was sich bewegt. Was die Töle hinter verschlossenen Türen anstellt, muss nur der Besitzer ertragen, Konsequenzen inklusive.

So wird eine Single-Frau, deren verwöhnter Hund mit ihr im Bett schläft und Terror macht, wenn er des Bettes verwiesen wird, so leicht keinen Mann finden, der mit ihr leben will (der Fall ist nicht frei erfunden). Aber vielleicht ist sie sowieso mit dem Hund mit tyrannischen Tendenzen glücklicher als mit einem Mann. Wer weiß das schon?

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