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Haushalt organisieren: Wie viel sollten Kinder zuhause mithelfen?

Sollen Kinder im Haushalt mithelfen?
Sollen Kinder im Haushalt mithelfen? RTL-Experte und Familiencoach gibt wichtige Tipps 00:08:56
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Hier müssen die deutschen Kids im Haushalt mit anpacken

Treppe putzen, Gerschirrspüler einräumen, den Müll rausbringen, Tisch decken, Wäsche sortieren, das Zimmer aufräumen: Die To-Do Liste unseres Nachwuchses ist lang. Denn in den meisten Familie sind beide Eltern berufstätig, da ist es dann ganz normal, dass jeder zuhause mithelfen muss. Doch wie viel Hilfe ist okay und wann ist eine Grenze überschritten? Unser RTL-Experte und Familienchoach Peter Thiel klärt auf!

Der liebe Nachwuchs und die lästige Hausarbeit. Müssen Ihre Kinder im Haushalt mithelfen?

Haushalt organisieren: Wer hilft?

Der sechs-jährige Lyle aus Michigan hilft seiner Mutter bei der Hausarbeit. Die zweifache alleinerziehende Mama postet davon stolz ein Bild bei Facebook. Lyle steht am Herd, Lyle räumt die Spülmaschine ein, Lyle leert den Trockner. Für diesen Post muss Nikkole Paulun jedoch herbe Kritik einstecken: In den Kommentaren ist von "Versklavung" und "Faulheit" die Rede. Doch wie stehen deutsche Eltern zu dem Thema Kinderhilfe im Haushalt?

"Kinder können mithelfen, die wohnen doch schließlich auch mit im Haushalt" meint eine Mutter aus Berlin. "Ich denke, das Leben ist kein Ponyhof, arbeiten müssen sie später auch und da müssen sie auch Arbeiten verrichten, die ihnen keinen Spaß machen, das gehört einfach zum Leben dazu", so die Meinung einer anderen Mutter. 

Doch wie sinnvoll ist es, die Kinder mit in den Haushalt einzubeziehen? Und wie sieht es eigentlich mit den lieben Männern aus? Welche Arbeiten übernimmt das starke Geschlecht Zuhause?

Studien zeigen, dass sich deutsche Männer seit 1965 im Haushalt hoch gearbeitet haben. Von durchschnittlich nur 17 auf heute 49 Minuten am Tag. Doch die Frau hat mit 2,5 Stunden trotzdem noch die Putzhosen an. Bei der Wäsche ist das eindeutig festzustellen: Während 90 Prozent der Frauen die Wäsche waschen, machen das nur drei von hundert Männern. Und die Wäsche sortieren übernehmen 83 Prozent der Frauen gegenüber 8 Prozent der Männer.

Doch wie sieht es mit dem Nachwuchs aus?

Wer hat die Putzhosen im Haushalt an?
Wer hat die Putzhosen im Haushalt an? Männer vs. Frauen 00:01:21
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Haushalt organisieren: Wobei sollte der Nachwuchs im Haushalt helfen? - die Antworten vom Familiencoach

So richtig Spaß bereitet die Hausarbeit unseren Kindern natürlich nicht. Doch Familiencoach und RTL-Experte Peter Thiel weiß, wie wichtig und sinnvoll es ist, die Kinder schon früh mit in den Haushalt einzubeziehen. "Kinder müssen auf das Leben vorbereitet werden. Außerdem können und wollen Kinder auch mithelfen. Es kommt lediglich auf das richtige Maß an Haushaltsarbeit an."​

Ab welchen Alter können Kinder wobei mithelfen?

Peter Thiel betont, dass es nicht darum geht, das Kind von Früh bis Spät zu beschätigen. "Doch kleinere Sachen, wie beispielsweise den Teller abräumen, das kann man schon mit drei oder vier Jahren. So helfen die Kleinsten schon dabei den Tisch abzudecken. Wichtig ist es dann, die Kinder zu loben. Das spornt sie an und bestätigt sie dann in ihrem Tun", erklärt Thiel.

Was halten Sie von einem Belohnungssystem? Eine Tüte Gummibärchen, wenn das Zimmer aufgeräumt ist?

"Eine klare Ansage ist besser. Natürlich kann man mal etwas Süßes als Belohnung aussprechen, dennoch sollte das Aufräumen des Zimmer zu einer Selbstverständlichkeit werden und nicht an eine Belohnung geknüpft sein. Und wenn das Aufräumen nicht klappt, ist es durchaus berechtigt als Eltern auch mal ärgerlich zu werden."

Ist es sinnvoll einen Familienhaushaltsplan zu erstellen?

"Ja, so ein Plan kann helfen. Vor allem, wenn Geschwister zusammen unter einem Dach leben, sollte darauf geachtet werden, dass jeder mal dran ist und dass die anfallenden Aufgaben routieren. Jungen sollten dabei genauso viel machen müssen wie Mädchen und jedes Kind sollte abundzu auch für die unbeliebteren Hausarbeiten verantwortlich sein. Bei einer gerechten Verteilung ist ein Haushaltsplan sehr hilfreich. Dieser kann wahlweise tageweise oder wochenweise gestaltet werden."

Gibt es eine gesetzliche Regelung - sind Kinder dazu verpflichtet im Haushalt zu helfen?

"Es gibt im BGB eine Regelung in der es heißt, Eltern und Kinder sind sich Beistand und Rücksichtnahme schuldig -  doch auf Rechtswegen kann man sein eigens Kind natürlich nicht verklagen, wenn es der Hausarbeit nicht nach kommt. Da müssen schon erzieherische Mittel herhalten."

Was können Kinder im Haushalt besonderes gut?

"Alles was ihrer Altersklasse entspricht: Ein drei-jähriger kann sehr gut den eigenen Teller abräumen, ein 17-jähriger kann im Prinzip die ganze Wohnung aufräumen. Natürlich ist es schwierig gegen Widerstand anzukämpfen. Wenn der Sohn beispielsweise das Badezimmer putzen soll, muss man das positiv motivieren. Eine Möglichkeit ist, die Kiste mit Putzutensilien dem Sohnemann in die Hand zu drücken, ihm eine Stunde Zeit zu geben und am Ende guckt man sich das Ergebnis gemeinsam an und lobt den Nachwusch entsprechend." 

Sollten Kinder mit Taschengeld motiviert werden?

"Bei größeren beziehungsweise anstrengenderen Arbeiten, zum Beispiel im Garten, kann sich das Kind gerne ein paar Euro verdienen. Wenn die Kinder allerdings schon älter sind, immer noch Zuhause wohnen und gar nicht mit anpacken, dann sollte man ganz im Gegenteil eher ein Kostgeld von den eigenen Kindern verlagen, zumindest dann, wenn sie bereits Erwachsen sind und eignes Geld verdienen."

Können Eltern ihren Kinder begreiflich machen, dass die lästigen Arbeiten im Haushalt auf das Leben vorbereiten?

"Ja klar, das ist eine Art Kulturtechnik, die Eltern an ihre Kinder weitergeben. Denn es ist ja durchaus wichtig, dass man weiß, wie eine Waschmaschiene bedient wird. Dann stellt man mal mit seinem Kind zusammen eine Maschiene an, zeigt ihm wie richtig sortiert wird und welche Knöpfe gedrückt werden müssen."

Was ist der Schlüssel zu einer gesunden Mit- und vor allem auch zu einer Zusammenarbeit von Eltern und Kindern im gemeinsamen Haushalt?

"In erster Linie sollte das Ganze Thema locker und ohne großen Druck angegangen werden. Klar, die Dinge muss alle erledigt werden, aber wir packen alle mit an. Das sollte mit einer gewissen Selbstverständlichkeit weitergegeben werden. Natürlich soll das Mithelfen nicht in Sklaverei ausarten, aber je älter die Kinder werden, desto mehr können sie im Haushalt mithelfen." 

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